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Transsexuelle Bürgermeisterin

  • 07. Januar 2015, noch kein Kommentar

Transsexuelle Bürgermeisterin. Historische Wahl in Indien: Mit Madhu Kinnar wurde in der Stadt Raigarh erstmals eine transsexuelle Kandidatin zur Bürgermeisterin gewählt.

Die 35-Jährige, die als unabhängige Bewerberin angetreten war, erhielt am 4. Januar 4.537 mehr Stimmen als der engste Konkurrent der rechtskonservativen, hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP, der damit nur auf dem zweiten Platz landete. Die nun queer regierte Gemeinde Raigarh hat rund 150.000 Einwohner und liegt im indischen Bundesstaat Chhattisgarh.

"Die Bürger haben mir ihr Vertrauen ausgesprochen", zeigte sich Madhu Kinnar nach ihrem Wahlsieg überwältigt. "Ich werde alles Menschenmögliche tun, um ihre Träume zu erfüllen."

Nur wegen der großen öffentlichen Unterstützung habe sie sich überhaupt zur Kandidatur entschlossen, erklärte die neue Bürgermeisterin in Interviews. Die sogenannte Hijra gehört der untersten Kaste der Dalit an, die als die "Unberührbaren" gelten. Ihr Wahlkampfbudget habe nur rund 65.000 Rupien (rund 850 Euro) betragen. Diesen Betrag habe sich nach ihrem Schulabschluss mit Gesangs- und Tanzaufführungen in Zügen und anderen Gelegenheitsjobs zusammengespart.

Die oppositionelle, sozial-liberale Kongresspartei reagierte ernüchtert auf den Wahlausgang und kommentierte ihn mit den Worten, er zeige "den Verlust der BJP, nicht den Gewinn Madhus".

Die Wahl der transsexuellen Kandidatin ist ein weiterer Erfolg im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung transsexueller Menschen in Indien. Erst im April 2014 hatte der Oberste Gerichtshof angeordnet, dass in Reisepässen und Führerscheinen künftig ein drittes Geschlecht eingetragen werden darf (queer.de berichtete).

In Indien hat das Leben zwischen den Geschlechtern eine lange Tradition. Es soll dort schätzungsweise zwei Millionen Hijras geben. Sie tragen traditionelle Saris, geben sich feminin, nehmen Frauennamen an und bilden praktisch eine eigene Kaste in der komplizierten Hierarchie der indischen Gesellschaft. Diese geht ambivalent mit der Minderheit um: Häufig werden Hijras aufgrund ihrer Andersartigkeit verachtet, doch viele Menschen glauben an deren besondere Kraft, die es ihnen ermöglicht, Neugeborene, Ehen oder auch Häuser zu segnen. (cw)


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