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Russland: Schwules Paar auf Ikea-Katalog?

Russland: Schwules Paar auf Ikea-Katalog? Bei einem Wettbewerb des Möbelkonzerns liegen zwei händchenhaltende junge Männer aus Moskau ganz vorne.

In Russland bietet das schwedische Möbelhaus Ikea derzeit einen besonderen Wettbewerb an: Familien, Paare, Freunde und Einzelpersonen können in ausgewählten Filialen an einem Shooting in der nachgebauten Einrichtung des aktuellen Katalogtitels teilnehmen.

"Werde das Titel-Gesicht" lautet der Wettbewerb; die Teilnehmer können sich wenige Tage später eine persönliche Ausgabe des Katalogs mit sich selbst auf dem Cover in der Filiale abholen. Und sie können sich einer Online-Abstimmung um das beste Titelbild stellen, das der Konzern danach etwa zu Werbemaßnahmen nutzen will.

Der Wettbewerb zeigt neben der Vielfalt der Lebensmodelle und Familienformen dabei nicht nur unfreiwillig auch eine gewisse Einfalt der Inneneinrichtung:



Er zeigt auch, wie schnell so ein Wettbewerb zu einem Politikum werden kann. Vor drei Jahren zensierte der Konzern etwa einen Beitrag von Pussy-Riot-Unterstützern:



Bei dem aktuellen Online-Wettbewerb, der bis Ende Oktober läuft, droht ein neuer Konflikt: An dem Contest nehmen auch zwei junge händchenhaltende Männer teil - und liegen derzeit bei der Abstimmung mit Abstand in Führung.

Denn wenn russische LGBT-Gruppen trotz Drangsalierung durch den Staat etwas können, dann die schlaue Nutzung von Medien und sozialen Netzwerken. Die "Straight Alliance for LGBT Equality" freute sich in ihrem einflussreichen Kanal im sozialen Netzwerk vk über die Teilnahme der "sich liebenden Jungs" und meinte zu ihren über 20.000 Followern: "Lasst uns die Jungs (durch Voten) unterstützen und sehen, wie Ikea in Russland seine Corporate Standards einhält."

Die Sorge ist nicht unberechtigt: Der Konzern, der in der Werbung und im Verhältnis zu seinen Mitarbeitern in vielen Ländern der Welt auf eine Vielfalt setzt, hatte diese Unterstützung den LGBTI Russlands verwehrt.

So verzichtete Ikea 2013 in seinem russischen Kundenmagazin auf ein Interview mit einem lesbischen Paar, das in anderen internationalen Versionen des Heftes erschienen war (queer.de berichtete). Nach Kritik verwies die russische Konzernleitung auf das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" und darauf, dass man immer auf nationale Gesetzgebungen Rücksicht nehme (ein Jahr zuvor war Ikea bereits in Kritik geraten, weil es aus seinem saudi-arabischen Katalog Frauen entfernt hatte).


Lesbischer Protest vor einer russischen Ikea-Filiale 2013

Die Entscheidung hatte zu heftiger Kritik von LGBT-Aktivisten im In- und Ausland geführt. In Russland küssten sich einige schwule und lesbische Paare vor und in Filialen und posteten die Fotos in sozialen Netzwerken. "Niemand ist bisher sicher, was 'Propaganda' eigentlich ist", meinte zudem Ulrika Westerlund von der schwedischen Organisation RFSL. Ikea hätte mit seiner Marktmacht die Definitionsweite des jungen Gesetzes mitbestimmen können. 2015 stellte der Konzern die russische Ausgabe des Magazins stattdessen ganz ein (queer.de berichtete), mit dem ebenfalls mutlosen Hinweis, man habe es ansonsten als "ab 18" kennzeichnen müssen, um nicht mit dem Gesetz gegen Homo-"Propaganda" in Konfikt zu geraten.

Die beiden Jungs hat der Konzern freilich in seinen Wettbewerb aufgenommen und bislang nicht zensiert. Sollte daraus noch ein medialer und politischer Streit erwachsen, könnte er sich vielleicht darauf berufen, dass nicht nur die Skandalträchtigkeit des Bildes, sondern auch sein eigentlicher Inhalt im Auge des Betrachters liegt: "Wer sagt eigentlich, dass das nicht auch zwei Brüder sein können?", meinte eine vk-Nutzerin.

Ikea hatte in der Vergangenheit immer wieder mit homofreundlichen Werbeaktion für Aufmerksamkeit gesorgt. So gab es 2011 Kritik in Italien, als der schwedische Konzern mit einem händchenhaltenden Paar Reklame machte (queer.de berichtete). 2008 führte in Polen ein essendes Männerpaar im Ikea-Katalog für Aufregung - Konservative riefen daraufhin zu einem Kaufboykott auf (queer.de berichtete). In beiden Fällen blieb Ikea bei seiner Linie - auch als er mit dem aktuellen Katalogbild u.a. in Deutschland Online-Hass auf sich zog: Besorgte Bürger glaubten, in einer abgebildeten Person einen "Muslim (Salafist)" zu erkennen. Immerhin hatte es für keine Aufregung gesorgt, als das deutsche Ikea wenige Monate zuvor in seinem TV-Spot zu Weihnachten auch mit einem schwulen Paar warb (queer.de berichtete).


TV-Spot in Deutschland 2015


-w-

#1 wiking77
  • 02.10.2016, 19:24h
  • ist doch süss, wie die beiden blonden Iwans da lässig possieren...

    Aber wie man's macht, macht man's falsch. Ich habe geradezu den Eindruck, dass manche wollen, dass auch hier der Heilige Putin zuschlägt.
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#2 kuesschen11Profil
  • 02.10.2016, 19:28hDarmstadt
  • Ikea beweist, dass Vielfalt in der Werbung heute einfach gefragt ist.
    Das schwule Paar auf der Titelseite - einfach genial.
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#3 waräger850Anonym
  • 03.10.2016, 13:59h
  • ist doch typisch, wie die schwabenschwuchtel wiking77 wieder dünpfiff postet.

    wie er's macht, macht er's falsch. ich habe geradezu den eindruck, dass wiking77 will, dass auch hier putin nicht als faschist entlarvt wird.
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#4 FerdiAnonym
  • 04.10.2016, 19:07h
  • Ich habe das Bild auf der Abstimmungsseite nicht finden können. Bin ich blind oder hat Ikea die beiden aus der Abstimmung genommen?
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