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Zweimal verurteilt, nur einmal rehabilitiert

  • 03. März 2017, noch kein Kommentar

In Bochum erinnert ein neuer Stolperstein an Dr. Wilhelm Hünnebeck, der sowohl im Nationalsozialismus als auch in der Bundesrepublik nach Paragraf 175 verurteilt wurde.

Der 1897 geborene Notar und Rechtsanwalt wurde im Dritten Reich als Schwuler und "Halbjude" doppelt verfolgt. Wegen Verstoßes gegen den von den Nationalsozialisten verschärften Paragraf 175 kam er 1940 ins Gefängnis, verlor seine berufliche Existenz, seinen Doktortitel und seine Lebensgrundlage als Jurist.

Durch Flucht vom Ruhrgebiet während des Krieges nach Berlin, dort versteckt, rettete sich Wilhelm Hünnebeck vor der KZ-Deportation und überlebte die NS-Zeit. Nach 1945 versuchte er Berlin beruflich Fuß zu fassen, was zunächst gelang. Doch 1956 wurde er als Homosexueller Opfer einer Erpressung und erneut nach Paragraf 175 verurteilt, verlor wiederum seine Zulassung als Anwalt und seine berufliche Lebensgrundlage.

Hünnebeck verstarb 1976 im Alter von 78 Jahren, ohne dass er jemals zu Lebzeiten rehabilitiert oder für das erlittene Unrecht entschädigt wurde. Durch die Aufhebung der gegen Homosexuelle gefällten NS-Urteile im Jahr 2002 durch den Bundestag (gegen Stimmen aus CDU/CSU und FDP) wurde er nur zum Teil rehabilitiert. Die Verurteilung aus dem Jahr 1956 ist nach wie vor rechtsgültig. Allerdings gibt es in dieser Frage Bewegung: Der von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erarbeitete Entwurf eines Rehabilitierungsgesetzes soll noch in diesem Monat vom Bundeskabinett verabschiedet und in den Bundestag eingebracht werden.

Der neue Stolperstein liegt seit 24. Februar vor Hünnebecks früherem Wohnhaus an der Ecke Bergstraße, Am alten Stadtpark 65 in Bochum. Über den schwulen Juristen ist 2009 auch das Buch "Leben im Abseits" erschienen. (cw/pm)


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