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Queere Kunstgeschichte

Gipsabguss des Torsos von Belvedere (Bild: punctum Fotografie / Bertram Kober)

Im Schwulen Museum* Berlin läuft seit Freitag eine neue Ausstellung zum geheimnisumwitterten schwulen Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann (1717-1768).

Die Schau "Winckelmann - Das göttliche Geschlecht" wurde parallel zur großen Sonderausstellung in Weimar konzipiert und beschäftigt sich ergänzend mit den homoerotischen Aspekten seines Lebens - Elemente, die von der heteronormativen Kunstgeschichtsschreibung seit langem ausgeblendet werden, die aber essentiell zu Winckelmanns Antikenrezeption dazugehören.


Winckelmann-Büste nach dem Original aus Goethes Besitz (Bild: Klassik Stiftung Weimar)

Anhand von rund 100 Skulpturen und Gipsabgüssen, Gemälden und Zeichnungen, Stichen und Druckwerken des 18. und 19. Jahrhunderts wird der von Winckelmann neu angestoßene Diskurs um den Kanon des Schönen nachvollzogen. Dabei erscheint die Beschäftigung mit und das Sprechen über Kunst stets auch als eine Möglichkeit - wenn nicht als wesentliches Moment - der Sublimierung erotischen Begehrens.

In Seitensträngen werden auch kulturhistorische Aspekte beleuchtet, etwa wie das Italien des 18. Jahrhunderts zum Sehnsuchtsziel homosexueller Reisender und Kunstsammler wurde.


Satyr und Hermaphrodit (Bild: Abguss-Sammlung Antiker Plastik Berlin)

Mehr Infos zur Austellung, die noch bis zum 9. Oktober zu sehen ist, gibt es auf der Homepage des Schwulen Museums*. (cw)


-w-

#1 Roland LabrecqueAnonym
  • 19.06.2017, 15:27h
  • Goethe zu Winckelmann. In stiller Verehrung.

    www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=185551

    «Ihn erwartete sein Vaterland, ihm streckten seine Freunde die Arme entgegen, alle Äusserungen der Liebe, deren er so sehr bedurfte, alle Zeugnisse der öffentlichen Achtung, auf die er so viel Wert legte, warteten seiner Erscheinung, um ihn zu überhäufen. Und in diesem Sinne dürfen wir ihn wohl glücklich preisen, dass er von dem Gipfel des menschlichen Daseins zu den Seligen emporgestiegen, dass ein kurzer Schrecken, ein schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen. Die Gebrechen des Alters, die Abnahme der Geisteskräfte hat er nicht empfunden, die Zerstreuung der Kunstschätze, die er, obgleich in einem andern Sinne, vorausgesagt, ist nicht vor seinen Augen geschehen, er hat als Mann gelebt und ist als ein vollständiger Mann von hinnen gegangen.»
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#2 Casimir van OpstalAnonym
  • 19.06.2017, 17:20h
  • Auch wenn ein junger Mensch das vielleicht anders sehen mag: Homosexualität ist kein ganz neues Phänomen.

    Es gibt aus Adel und Herrscherhäusern dutzende Beispiele gelebter Homosexualität.

    Nur ein drei Namen, um einen Anhaltspunkt für eigene Recherchen zu haben:

    Friedrich Wilhelm Karl von Württemberg, 1754 - 1816
    Heinrich von Preußen, 1726 - 1802
    Friedrich der Große, 1712 - 1786

    Und hier ein kurzer Auszug aus dem Wikipedia-Artikel zu Karl Friedrich Alexander von Württemberg, 1823 - 1891, sicherlich einer der attraktivsten der männerliebenden Fürsten und Könige Deutschlands:

    "Der König ernannte seinen Geliebten zum Kammerherrn, dann zum Baron Woodcock-Savage und überließ ihm ein stattliches Vermögen. Weniger die Homosexualität des Königs als die Tatsache, dass Woodcock seine Stellung ausnutzte, um in erheblichem Umfang Einfluss auf personelle Entscheidungen des Königs zu nehmen, wurde zu einem Skandal."

    de.wikipedia.org/wiki/Karl_(W%C3%BCrttemberg)

    So weit, so gut.

    -

    Johann Joachim Winckelmann war kein Fürst. Er entstammte keinem Adelsgeschlecht. Aus eigenem Willen und eigenem Antrieb erschuf er sich als Bürgerlicher einen geistigen Raum, in dem er frei atmen und leben konnte.

    Dieser Raum war die Antike.

    Seine "Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst" begründeten einen neuen Stil der Kunstbetrachtung und der Kunst selber. Dieses Buch gilt deshalb auch heute noch als epochemachendes, epochales Werk.

    Goethe nahm den gewaltsamen Tod Winckelmanns zum Anlass, der damaligen Gelehrtenwelt sein Eintreten für Winckelmann zu demonstrieren.

    Das Besondere ist nun, dass Winckelmann ein einfacher Bürgerlicher war, der es mit bescheidenen Mitteln vermochte, einer ganzen Nation den Neublick in eine Vergangenheit zu gewähren, die gleichzeitig einen Vorausgriff der eigenen Zukunft darstellen sollte.

    Klassizismus meint nicht, irgendwelche Gripsabgüsse sentimental anzustarren. Klassizismus ist konkrete, gelebte Utopie.

    Casimir van Opstal
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#3 AchilleusProfil
#4 Ramiro PisanoAnonym
#5 Abdul-Zahir BoutrosAnonym
  • 19.06.2017, 22:09h
  • »WAHRE SCHÖNHEIT LIEGT IM DETAIL«

    Videotrailer zur Weimarer Winckelmann Ausstellung, die noch bis zum 2. 7. 2017 zu sehen ist:

    www.youtube.com/watch?v=Vgnekfh-Upo

    »Winckelmann. Moderne Antike« im Neuen Museum Weimar, Stiftung Weimarer Klassik.

    Zu sehen sind unter anderem erstmalig alle drei Winckelmann Bildnisse.
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#6 EisenhowerAnonym
  • 19.06.2017, 23:14h
  • Antwort auf #5 von Abdul-Zahir Boutros
  • Die drei Portraits kann man auch auf der Wikipedia-Seite zu Winckelmann sehen!

    Eine Reproduktion des mittleren der drei Bilder hängt bei meinem Sportlehrer im Esszimmer. Auf dem Bild hält Winckelmann ein Exemplar der Ilias in der Hand. Man kann es am Buchrücken ganz deutlich sehen.
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