Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/b?1941

Vorläufiges Asyl für die Gedenkkugel

Bild: Agnes Witte

Die sogenannte Gedenkkugel, das von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten bislang nicht genehmigte Gedenkzeichen für lesbische Frauen im ehemaligen KZ Ravensbrück, kommt jetzt ins Schwule Museum* - als Protest auch gegen den LSVD.

Seit den Achtzigerjahren versuchen lesbisch-feministische Initiativen, ihr Gedenken an lesbische Frauen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück sichtbar zu machen. Doch zum wiederholten Mal hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Antrag auf ein entsprechendes Gedenkzeichen vertagt - trotz Unterstützung etwa durch Frauenministerin Diana Golze oder der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (queer.de berichtete).

Vehementer Gegner der Initiative ist Alexander Zinn, Vertreter des LSVD Berlin-Brandenburg im Beirat der Stiftung. Für ihn befördere ein solches Zeichen die "Legende einer Lesbenverfolgung" und sei "unseriös", weil sie sich auf "zweifelhafte Einzelfälle" stütze.

Ab 30. Juli wird das Schwule Museum* die bislang nicht genehmigte Gedenkkugel nun in seinen Ausstellungsräumen präsentieren. "Wir protestieren damit ausdrücklich gegen die Entscheidung der Stiftung wie gegen die des LSVD, mit Alexander Zinn einen expliziten Gegner lesbischen Gedenkens in den Stiftungsrat zu entsenden", heißt es in einer Pressemitteilung des Museums.

Am gleichen Abend wird Corinna Tomberger von der FU Berlin einen Vortrag halten über "Die Ordnung des Gedenkens. Soziale Ein- und Ausschlüsse in der Erinnerungskultur". Zuvor wird Wiebke Haß für die Initiative "Autonome feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich" sprechen. Im Anschluss an die Diskussion wird die Gedenkkugel im NS-Raum der Ausstellung Tapetenwechsel 2.1 enthüllt. Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr. (cw/pm)


-w-

#1 Patroklos
  • 17.07.2017, 09:47h
  • LSVDs Alexander Zinn hat mit seinen Aussagen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten auf alle Fälle einen Bärendienst erwiesen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Ralph
  • 17.07.2017, 11:54h
  • Die Geschichtsklitterung, dass es im Dritten Reich eine Lesbenverfolgung gegeben habe, wird durch noch so häufige Wiederholung nicht wahr. Zweifellos fielen auch lesbische Frauen nationalsozialistischen Verbrechen zum Opfer, aber nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung, sondern weil sie Jüdinnen waren, politisch missliebig, sogenannte Asoziale oder mit welcher sozialen Gruppe auch immer sie ins Visier der Nazis gerieten. Leider stricken heutige lesbische Interessenvertreterinnen fleißig an der Verfolgungslegende. Begonnen hat es mit der Forderung, in dem unsäglichen Berliner Kleinkino, das ein Mahnmal sein soll, auch einen Film küssender Frauen zu zeigen. Seither erzielen die Propagandistinnen der Lüge immer mehr Erfolge. Jüngstes Beispiel ist das sogenannte Denkmal in München, wo auch angeblich verfolgter Lesben gedacht wird. Abgesehen davon, dass diese lächerlichen pastellblassbunten Bürgersteigplatten von den Passanten zwar betreten, aber bestenfalls für lustigen Zierat gehalten werden dürften, nicht indes für ein Mahnmal, entwertet auch die dort angebrachte Hinweistafel die Verfolgung der schwulen Männer durch einen Hinweis auf die nie stattgehabte Lesbenverfolgung. Sogar dem in den verwässert farbigen Platten versteckten rosa Winkel ist ein schwarzer Winkel beigefügt, den es als Kennzeichen für "lesbisch" im KZ nie gegeben hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Lügner_innenAnonym
  • 17.07.2017, 13:22h
  • Danke für den Hinweis auf den schwarzen Winkel im Münchner Mahnmal, das nun tagein, tagaus mit Füßen getreten wird.

    Selbstverständlich wurden auch lesbische Frauen im Nationalsozialismus vielfältig unterdrückt, wie so viele Menschen, aber:

    Wo auch immer ich recherchiere, der schwarze Winkel wird ausnahmslos, in allen Quellen, als Brandmal für "arbeitsscheu/asozial" genannt. Einen Winkel für Lesben gab es schlichtweg nicht.

    Überhaupt: Es gab keine individuelle Verfolgung lesbischer Frauen im deutschen Faschismus.

    Insgesamt ist nur ein einziger Fall dokumentiert: Mary Pünjer in Ravensbrück. Sie trug einen schwarzen "Grundwinkel" und war jüdischer Herkunft. Ihr Lesbischsein ist nicht sicher dokumentiert und wurde nur von einer Mitgefangenen geschildert.

    Dass sich nun ausgerechnet das Schwule Museum * zum Vorreiter dieser Geschichtsfälschung aufschwingt, ist unwissenschaftlich und für ein Museum höchst bedenklich.

    Geht es vielleicht nur um Fördermittel, die über feministische Projekte eingestrichen werden können, auch auf Kosten historischer Tatsachen? Das wäre dann echte Frauendiskriminierung:
    die Degradierung zur Goldeselin.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Ralph
  • 17.07.2017, 15:46h
  • Antwort auf #4 von Lügner_innen
  • Anmerken möchte ich, dass auch ein Vertreter des Münchner Forums Homosexualität e.V. vorigen Freitag bei einer Veranstaltung zur Schwulenverfolgung im Dritten Reich davon sprach, dass viele Schicksale von verfolgten Schwulen aufgeklärt oder zumindest teilweise erhellt werden konnten, dass viele Namen bekannt sind und die gegen sie gerichteten Maßnahmen, dass aber von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen der sexuellen Orientierung wegen nichts bekannt ist. - Interessant finde ich auch, dass München die vielleicht einzige deutsche Stadt ist, in deren öffentlichem Verkehrsraum Stolpersteine nicht gesetzt werden dürfen, weil damit "Gedenken mit Füßen getreten würde", so die in München die Gedenkkultur offenbar geradezu diktatorisch bestimmende Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, aber ein vorgebliches Mahnmal für Schwule aus nichts besteht als aus blassbunten Bodenplatten (willkürliche Pastellfarben, nicht mal die Regenbogenfarben), auf denen zwangsläufig jeder herumtrampeln muss, der die Ecke Oberanger-/Dultstraße umrunden will. So trampeln viele auch acht- und ahnungslos über den dortigen rosa Winkel. Ich möchte nicht wissen, was los wäre, wenn die Passanten auf einem Davidstern herumtrampeln müssten.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 KonnyAnonym
  • 17.07.2017, 19:35h
  • Ich war letztes Jahr im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
    www.ravensbrueck.de

    Dort werden etliche Fälle inhaftierter lesbischer Frauen dargestellt und dokumentiert. Ich empfehle jedem, der bislang noch nichts über die Verfolgung, Inhaftierung, Folterung und Ermordung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus wusste, dort einen Besuch zu machen. Das Frauen-KZ liegt nur ca. 80 Kilometer nördlich von Berlin und ist gut zu erreichen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Ralph
  • 17.07.2017, 20:07h
  • Antwort auf #6 von Konny
  • Dass in einem KZ, dessen Opfer weitestgehend Frauen waren, auch lesbische Frauen gequält und getötet wurden, kann schon rein statistisch nicht verwundern. Es belegt aber nicht eine gesonderte Verfolgung lesbischer Frauen durch die Nationalsozialisten. Ebenso könnte man von einer Linkshänderverfolgung sprechen, weil nun mal logischerweise auch Linkshänder unter den NS-Opfern waren. Eine Lesbenverfolgung ließe sich beweisen durch auf Lesben gerichtete NS-Gesetze oder NS-Verordnungen wie den § 175, die Nürnberger Rassegesetze, das Landfahrergesetz, das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, Bestimmungen gegen politische Gegner usw. usf. Die Nazis hatten für jede Gruppe, die sie verfolgten, eine spezielle "Rechts"-Grundlage geschaffen. Auf Lesben zielten sie nie, was natürlich nicht ausschloss, dass lesbische Angehörige ihrer versachiedenen Opfergruppen mit in ihre Mordmaschine gerieten, aber eben nicht speziell als Lesben. Für lesbische Frauen gab es ja auch kein Kennzeichen, keinen eigenen Winkel. Wieso nicht, da der Winkelwahn doch im KZ der Hierarchisierung und Kategorisiwerung diente und konsequent umgesetzt wurde? Wieso kein Gesetz gegen sie? Wieso keine überlieferte Agitationsrede gegen sie wie die scheußliche von Himmler gegen die Schwulen, die eklige Propaganda gegen Juden und Sinti, die widerlichen pseudowissenschaftlichen Machwerke gegen Behinderte? Die eigens für die Homosexuellenverfolgung errichtete NS-Behörde, die Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität, imnteressierte sich nur für Schwule. Rosa Losten vergleichbare Register wurden auch nicht aufgestellt. Weshalb solch einzigartiges Privilegien für eine Verfolgtengruppe? Antwort: Es gab sie nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 oh mannAnonym
  • 17.07.2017, 21:21h
  • Antwort auf #7 von Ralph
  • "offenbar geradezu diktatorisch bestimmende Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde"
    "Ebenso könnte man von einer Linkshänderverfolgung sprechen"

    diese Aussagen kommen uns doch irgendwie bekannt vor!....(AFD Futzu hust..hust...) ist gut jetzt. vielleicht gab es wirklich keine "spezielle" Lesebenverfolgung, aber das heißt noch lange nicht, gegen sie zu hetzen und dass Ihnen nicht trotzdem Gedenken gestattet werden kann... lächerlich, was hier einige abziehen, wieso kommentieren bei sowas keine vernünftigen Leute?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 KonnyAnonym
  • 17.07.2017, 21:29h
  • Antwort auf #7 von Ralph
  • Ich verstehe deine Argumentation. Aber nur, weil die Nazis Lesben nicht als Gruppe verfolgt haben, sie aber dennoch Opfer waren, diese nicht auch als Opfer zu gedenken, finde ich falsch.
    Mich hat der Besuch in Ravensbrück nachhaltig verändert . ich wusste nicht, dass SO viele Lesben nach Ravensbrück deportiert worden sind und ich wusste nicht, WIE GUT deren Schicksale dokumentiert sind. ich stand vor den Dokumenten und habe geheult.
    Ich halte nichts von Opferkonkurrenz. Aber in diesem Falle sollten wenigstens wir Überlebenden die lesbischen Frauen ernstnehmen, wenn es die Nazis schon nicht getan haben.
    Im übrigen liegt (lag) die Gedenkkugel für Lesben außerhalb der Mauern von Ravensbrück, ein paar Meter entfernt.
  • Antworten » | Direktlink »