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Mit Pride und Regenbogenflagge zur Fußball-WM in Russland?

Der queere Sport-Verband Russlands will zur Weltmeisterschaft für homo- und transsexuelle Fußball-Fans etliche Veranstaltungen anbieten. Doch es gibt auch Sorge um ihre Sicherheit.

Mit einer Grafik, die das WM-Maskottchen Russlands samt Regenbogenflagge zeigt, hat der russische LGBTI-Sportverband in dieser Woche eine Veranstaltungsreihe rund um die Weltmeisterschaft angekündigt. Die Organisatoren der WM hatten sich für einen Wolf entschieden, weil dieser angeblich Selbstbewusstsein, Spaß und Charme verkörpere. Die Regenbogengrafik mit Maskottchen Zabivaka ("Der einen Treffer erzielt") könnte das Motto nun mit Leben erfüllen.

Zusammen mit internationalen Organisationen und den Fußballverbänden mehrerer Länder plane man zahlreiche Veranstaltungen in mehreren Städten, so die Russian LGBT Sport Federation. Die Reihe solle unter dem Titel "Fußball für alle" stehen. "Vom 14. Juni bis 15. Juli werden wir, wie der Rest der Welt, unsere Leidenschaft für den Fußball zeigen", so der Verband, der schon mehrfach Veranstaltungen für internationale Gäste durchgeführt hatte.

Geplant seien Freundschaftsspiele, Treffen mit Fußballspielern und Offiziellen des Sports sowie Debatten über Diskriminierung im Fußball. Die Details will man in den nächsten Tagen bekannt geben, so der Verband.

Eine Unterstützung durch die russische Politik und den nationalen Sport scheint es allerdings nicht zu geben. Vor einigen Tagen hatten widersprüchliche Berichte über die Einrichtung eines "Pride House" für internationale Verwirrung gesorgt. Sie gehen wohl auf inkorrekte Berichte über mehrere vergebliche Demo-Anmeldungen des umtriebigen Moskauer Aktivisten Nikolai Aleksejew zurück, der 2014 vergeblich versucht hatte, einen solchen sicheren Treffpunkt für LGBTI-Sportler und -Besucher zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi anzumelden.

Direktlink | Zum internationalen "Day of Silence", der auf die Situation queerer Jugendlicher aufmerksam machen will, gingen am Freitag auch in St. Petersburg Aktivisten auf die Straße. Eine Aktivistin würde vorübergehend festgenommen.

Ein Jahr nach Verabschiedung des Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" hatte es damals Kritik an den Verantwortlichen und Sorge um die Besucher aus aller Welt gegeben. Tatsächlich kam es zu Festnahmen von LGBTI-Aktivisten bei Protesten, vor allem von inländischen abseits der Stadien (queer.de berichtete).

Bereits die Vergabe der WM nach Russland hatte für Kritik gesorgt, wegen mutmaßlicher Korruption ebenso wie wegen der schwierigen Menschenrechtslage. So finden die Spiele nun statt in einem Land, in dem systematisch LGBTI-Demonstrationen mit Verweis auf das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verboten werden, in dem kürzlich die populäre News-Seite gay.ru auf dem Index landete oder in dem der zuständigen russischen Staatsanwaltschaft und Politik recht egal ist, dass auf ihrem Boden in Tschetschenien LGBTI verschleppt und gefoltert werden (queer.de berichtete).

Angst vor Gewalt

In Grosny & Co. selbst finden keine WM-Spiele statt (die tschetschenische Hauptstadt dient allerdings der ägyptischen Mannschaft als Quartier). Dennoch warnen Organisationen LGBTI-Fußballfans davor, sich in den einzelnen russischen Städten allzu offen zu zeigen - zu Gewalt könne es jederzeit kommen (queer.de berichtete). Eine Studie ergab kürzlich, dass sich die Zahl schwerer Hassverbrechen, darunter vor allem Morde, nach Verabschiedung des "Propaganda"-Gesetzes regelrecht verdoppelt habe (queer.de berichtete).

Nachdem vor einigen Jahren Neonazis in mehreren russischen Städten Schwule in Fallen lockten und öffentlich demütigten (queer.de berichtete), hatte es in den letzten Tagen sogar erste Berichte über eine neue mögliche Welle von Gewalt gegeben: Im Rahmen eines an die Horrorfilmreihe "Saw" angelehnten Online-"Games" würden Nutzer vermeintliche Schwule in Ufa und eventuell auch anderen Städten auf einer Webseite outen und unter dem Motto "Comeback von Tschetschenien" zur Gewalt gegen diese aufrufen. Die Webseite ist bereits wieder offline und vieles trotz mancher Berichterstattung internationaler LGBTI-Medien noch unklar; das LGBT Network untersucht allerdings mindestens eine Gewalttat, die mit der Webseite in Verbindung stehen könnte.

Für homo- und transsexuelle Fußball-Fans geht es in den nächsten Jahren übrigens problematisch weiter: Trotz Kritik an der FIFA für die WM-Vergabe nach Russland und trotz der Erfahrungen mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi hatte auch die UEFA einige Spiele der auf mehrere Länder verteilten EM 2020 nach St. Petersburg vergeben - und einige sogar nach Baku, der Hauptstadt des LGBTI-feindlichen Aserbaidschan. 2022 wird die Situation noch düsterer: Dann soll die WM in Katar stattfinden, wo Homosexualität nach Straf- und Schariarecht verboten ist. In diesem Sommer vergibt die FIFA die WM 2026; neben der Dreier-Bewerbung von Kanada, Mexiko und den USA steht auch ernsthaft Marokko zur Debatte, wo es immer wieder zu Festnahmen und Verurteilungen Homosexueller kommt. Im Herbst entscheidet dann die UEFA, ob sie die EM 2024 nach Deutschland vergibt - oder in die Türkei. (nb)


-w-

#1 Gerlinde24Profil
  • 29.04.2018, 08:18hBerlin
  • So gerne ich unser Team in Russland auch unterstützen möchte, aber in ein Land, in dem sogar das positive REDEN über Homosexualität und Transsexualität unter Strafe stellt, und, in dem ich jederzeit Gefahr laufen würde, verbal und körperlich (bis hin zu Mord) angegriffen zu werden, würde ich niemals Fahren. So viel Geld gibt es nicht, um mich dazu zu bringen!
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#2 Ith_Anonym
  • 29.04.2018, 10:51h
  • Passt doch:
    Im Fußballstadium dient Homosexualität auf den Rängen praktisch nur der Beleidigung, und kommt ansonsten, und insbesondere bei (aktiven) Spielern, nicht vor,
    und
    in Russland wandern Homosexuelle fürs Händchenhalten in den Knast.

    Man könnte auch sagen, auf dem Platz darf sich Homosexualität nicht zeigen, weil das halt so ist, und in Russland darf sich Homosexualität nicht zeigen, weil das da strafbar ist.

    Ob deutsche Fans auf einmal das Nachdenken anfangen, bloß weil die Polizei ihnen beim Verprügeln von Schwulen helfen würde, statt sich in den Weg zu stellen?
    Ich wage das ernsthaft zu bezweifeln. Zeigen wir Mitgefühl und Verständnis: Es muss halt auch Schutzorte für Homohasser geben, und in der Hinsicht ist die Wahl von Russland als Austragungsort für Fußball einfach ein Statement, wie man es genialer gar nicht hätte abgeben können.

    Abgesehen davon ist es allerdings Russland, nicht die Türkei. Solange man das Don't Ask Don't Tell mitspielt, werden sie einen schon wieder ausreisen lassen. Und so spaßig ist Händchenhalten in vielen deutschen Städten als homosexuelles Paar ja nun auch wieder nicht.
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#3 MarcAnonym
#4 andreAnonym
  • 29.04.2018, 12:18h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Stimmt nicht ganz, weil selbst gesehen. In der Südtribüne der Münchner Allianz-Arena, zwischen den Ultras (!), sieht man, mehrere, Regenbogen-Flaggen. War erst, vor ein paar Wochen dort, gegen den HSV. Ich hatte Stehplatz, genau neben den Ultras, direkt in der Kurve. Die sind dort voll akzeptiert. Find ich gut.
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#5 daVinci6667
  • 29.04.2018, 13:31h
  • Als kleiner Bürger in demokratischen Länder hat man drei Einflussmöglichkeiten:

    1. Man kann seine Stimme erheben und sich mit Hilfe von Leserbriefen, und im Internetzeltalter via Social Media Gehör verschaffen.

    2. Man kann frei wählen, abstimmen, Petitionen starten und seine Volksvertreter direkt anschreiben.

    3. Man kann mit konsumieren oder eben Boykotten Einfluss auf Unternehmen ausüben. Bei Reisen und Ausland sollte man sehr darauf achten welche Staaten man dabei unterstützt.

    Bei den ersten beiden Punkten ist bei Russland Hopfen und Malz verloren. Wer dort sowas tut ist seines Lebens nicht mehr sicher, schon gar nicht als Schwuler. Bei Punkt 3 versteht sich eigentlich von selbst, dass man da nicht hingeht. Was wir hingegen tun können ist, soweit möglich und gewünscht, LGBTIs vor Ort zu unterstützen.

    Mich wundert nach Russlands Krim Annexion und der massiven Unterstützung des Folter und Terrorregimes in Syrien und den diversen russischen Giftgasattacken sowieso, warum diese WM vom Westen nicht komplett boykottiert wird. Wer es noch nicht gemerkt hat in Deutschland, der kalte Krieg ist mit dem Diktator Putin längst zurück.
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#6 Ith_Anonym
  • 30.04.2018, 10:09h
  • Antwort auf #4 von andre
  • Ach, cool.
    Fußballfans, die auf das Anstimmen von "Ihr seid alle homosexuell" mit "Halt die Klappe" reagieren, statt lautstark mitzusingen, fände ich jetzt tatsächlich eine schöne Vorstellung.
    Ich fürchte, mit welcher Inbrunst sich an solchen Sprechchören Leute beteiligt haben, die ich vorher für vernünftig hielt, hat mein Bild von unserem Nationalsport irgendwie negativ geprägt.
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#7 von_hinten_genommenAnonym
  • 04.05.2018, 18:03h
  • Gerade hörte ich im Radio, dass in Russland gedroht wird mit dem Aufruf: "Tötet sie, foltert sie."

    Es wird davor gewarnt, nach Russland zu fahren.
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