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Stuttgart würdigt den ersten und alle LGBTI-Aktivisten

Bild: Franziska Kraufmann

In Stuttgart wurde am Mittwoch eine Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs enthüllt - Deutschlands ersten bekannten Vorkämpfer für die Gleichstellung homosexueller Menschen.

Mit der Stele auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz soll "seine Person besonders hervorgehoben und ein Zeichen gesetzt werden für Vielfalt und Respekt in einem weltoffenen Stuttgart", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt. "Die Gedenktafel soll zudem das Engagement von Menschen würdigen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Intersexuellen und Queer einsetzen."

Den Lebenslauf Karl Heinrich Ulrichs prägte seine Liebe zu einem Mann in einer Zeit anderer Moralvorstellungen. Ulrichs wurde am 28. August 1825 in Westerfeld in Ostfriesland geboren. Nach dem Studium von Theologie, Jurisprudenz und Geschichte war er als Gerichtsassessor in Hildesheim tätig. Dort wurde 1854 ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil Gerüchte aufkamen, dass er "widernatürliche Wollust mit anderen Männern treibe".

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Homosexualität selbst war im Königreich Hannover damals zwar nicht unter Strafe gestellt, allerdings aber die damit verbundenen "öffentlichen Ärgernisse". Karl Heinrich Ulrichs verließ daraufhin den Staatsdienst und ließ sich in Burgdorf als Anwalt nieder. Doch auch diesen Beruf konnte er wegen eines Berufsverbots nicht lange ausüben. Ulrichs schlug sich als Journalist und Privatsekretär durch. Außerdem gab er Fremdsprachenunterricht - denn er galt als einer der besten Lateinkenner seiner Zeit.

Gleichzeitig forschte und publizierte er über die gleichgeschlechtliche Liebe. 1864 veröffentlichte er die erste von zwölf Schriften dazu. In ihnen stellt Ulrichs die Hypothese von der weiblichen Seele im männlichen Körper auf. Die gleichgeschlechtliche Liebe nannte er Uranismus, einen Mann, der Männer liebt, bezeichnete er als Urning - den Begriff der Homosexualität gab es damals noch nicht. Er ging von einer natürlichen, nicht krankhaften Veranlagung aus und forderte die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Er bekannte sich damit öffentlich zu seiner Veranlagung, was zu dieser Zeit einerseits unerhört war, aber auch gefährlich wegen der drohenden Strafverfolgung. Seine Publikationen, die in einigen Ländern verboten wurden, machten Ulrichs zu einem Pionier der Sexualwissenschaft. Seine Forderung nach der Straffreiheit für homosexuelle Handlungen trug er 1867 erstmals öffentlich auf dem Juristentag in München vor.

Von 1870 bis 1880 lebte Ulrichs in Stuttgart. Wegen der immer mehr um sich greifenden Verfolgung von Homosexuellen in Deutschland wanderte er jedoch anschließend nach Italien aus und ließ sich in Neapel nieder. Dort gab er eine kleine Zeitschrift heraus, die von Freunden des Lateinischen auf mehreren Kontinenten abonniert wurde. Im Juni 1883 zog Karl Heinrich Ulrichs nach L' Aquila um, wo er zwölf Jahre später am 14. Juli 1895 starb. (cw/pm)


-w-

#1 MikeAnonym
#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 13.07.2018, 12:41h
  • Aber mal wieder außerhalb der Innenstadt. Alles was mit LSBTTIQ zu tun hat, wird in Stuttgart von der Innenstadt ferngehalten.
    LSBTTIQ Cafés und Bars sind entweder versteckt oder außerhalb und der LSBTTIQ Buchladen ist auch außerhalb.

    Wie wäre es mit einem CSD, der auf dem Schlossplatz gefeiert wird und die Parade entlang der Königstraße verläuft? Das würde ich mal Sichtbarkeit nennen. Mitten drinn.

    Die Gedenktafel hätte ich mir etwas zentraler gewünscht. Die Eröffnung des Gedenkparks am 14. Juli 2014 hätte ich auch anders geplant. Ich hätte einen Antrag für den Rathausplatz gestellt mit der Bitte diesen als Karl Heinrich Ulrichs Platz umzubenennen. Da hätte es mehr Bezug, denn da wird üblicherweise der CSD gefeiert. Damit wäre sein Gedenken in den CSD eingebunden gewesen und zwar jedes Jahr.
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#3 ursus
  • 13.07.2018, 13:26h
  • Antwort auf #2 von von_hinten_genommen
  • "Ich hätte einen Antrag für den Rathausplatz gestellt mit der Bitte diesen als Karl Heinrich Ulrichs Platz umzubenennen."

    prinzipiell ist das eine schöne idee. die frage ist hier, ob man sich besser auf ein realistisches ziel konzentriert und dann auch was erreicht, oder ob man lieber mit unerfüllten träumen und sehnsüchten arbeitet, bei denen ziemlich klar ist, dass sie unerfüllt bleiben werden.

    ich will gar nicht generell für die pragmatischen lösungen plädieren. ich halte utopien für ebenso lebensnotwendig wie konkrete fortschritte.

    aber in diesem fall ist halt was rausgekommen, das bei einem unrealistisch hoch gesteckten ziel nicht rausgekommen wäre. mich freut das ergebnis sehr.
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#4 von_hinten_genommenAnonym
  • 13.07.2018, 16:57h
  • Antwort auf #3 von ursus
  • Was nicht ausprobiert wurde, lässt sich nicht beurteilen.
    Wäre bei der Eheöffnung auch so vorgegangen wie du es hier schreibst, hätten wir sie jetzt nicht. Auch sie war vor fünf Jahren für mich Utopie und nun können wir uns darüber freuen, das jemand den ersten Schritt machte und es paar Parteien gab, die nicht aufgaben.

    So sehe ich das nun auch mit der Gedenktafel und des Karl Heinrich Ulrichs Platzes. Utopie ist gar nichts. Was in Berlin schon umgesetzt wurde, klappt auch in Stuttgart.
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#5 ursus
  • 13.07.2018, 17:37h
  • Antwort auf #4 von von_hinten_genommen
  • "Was nicht ausprobiert wurde, lässt sich nicht beurteilen."

    glaubst du ernsthaft, dass es möglich gewesen wäre, den stuttgarter rathausplatz umzubenennen?

    die csd-veranstalter_innen in stuttgart sind wohl so gut wie kaum ein anderer csd-verein mit der regionalen politik vernetzt. ich glaube schon, dass die im vorfeld einige gespräche geführt und das machbare realistisch eingeschätzt haben. aber beantworten könnten sie das nur selber.

    vielleicht liest ja jemand mit und möchte dazu etwas schreiben?

    "Wäre bei der Eheöffnung auch so vorgegangen wie du es hier schreibst, hätten wir sie jetzt nicht."

    deswegen (nicht gerade wegen der ehe, aber wegen anderer erfahrungen) schrieb ich ja auch, dass ich NICHT generell die pragmatische, "tiefer gehängte" zielvorstellung immer am besten finde. ich bin doch selbst ein utopist...
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#6 von_hinten_genommenAnonym
  • 13.07.2018, 18:06h
  • Antwort auf #5 von ursus
  • Ich bin keine Utopistin, caution please.

    Ja, ich denke, das hätte der CSD Stuttgart tun können. Nur leider sind sie nicht auf diesen Gedanken gekommen, was ich hier etwas bemängele.
    Der Rathausplatz in Stuttgart heißt auch nur deshalb so, weil halt da das Rathaus steht. Es gab aber keinen Namensvetter a la "Herr Rathaus" dessen die Stadt gedenken könnte. Insofern besteht die Möglichkeit per Antrag den Platz in Karl Heinrich Ulrichs Platz umzubenennen. Dass das die Stadt nicht gleich mit dem ersten Antrag umsetzt, ist klar, aber das hätte als Gedenken an Herr Ulrichs viel besser gepasst, anstatt ihm einen mini Park außerhalb der Innenstadt zu geben. Das ist meine persönliche Meinung, du musst da nicht zustimmen.
    Wäre ich ein verantwortliches Mitglied des CSD Stuttgart, ich hätte das ausgesprochen und hätte versucht, die anderen Mitglieder davon zu überzeugen und mindestens den Versuch zu starten. Ich hätte auch gerne diese Aufgabe selbst übernommen.

    Herr Ulrichs hat für seine Zeit wirklich mutiges getan, hat Schriften erstellt und sie kundgetan, er hat Homosexualität als nicht krank erkannt, und er stand zu seiner eigenen Homosexualität.
    Es ist also ein ganz gerechtfertigtes Gedenken an ihn, den Rathausplatz in Karl Heinrich Ulrichs Platz umzubenennen, zumal er der erste aller Aktivisten war.

    Es ärgert mich gerade nur, dass ich erst heute mit diesem Artikel von dem Park erfuhr. Ich wohne in Baden-Württemberg und war schon oft genug in Stuttgart. An diesem Park bin ich allerdings nie vorbei gekommen und ich wette, den meisten LSBTTIQ in der Umgebung geht es sehr ähnlich.
    Man muss schon ganz explizit darüber informiert werden, um dann zu diesem kleinen Park zu gehen. Der Parade-Umzug beim CSD kommt da allerdings nicht vorbei.
    Ich finde es sehr schade.

    Selbstverständlich ist diese Gedenktafel ein schönes Ereignis, aber die Stelle des Parks inklusive der Stelle der Tafel finde ich nicht würdevoll für Herr Ulrichs - es wird ihm nicht gerecht.
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#7 Alexander_FAnonym
  • 15.07.2018, 17:34h
  • Man muss es auch mal so sehen: wenn diese Tafel an einem etwas ruhigeren Ort steht, wird sich vielleicht auch eher mal jemand dazu bequemen, sie zu lesen, als wenn in der belebten Innenstadt jeder hektisch daran vorbeiläuft.

    Immerhin gibt es diese Gedenktafel ja jetzt, auch wenn man sich über den Aufstellungsort streiten kann.
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#9 ursus
#10 von_hinten_genommenAnonym
  • 16.07.2018, 18:40h
  • Antwort auf #7 von Alexander_F
  • Ich hätte es schöner gefunden, wenn Leute automatisch zu diesem Gedenken hinkommen, anstatt man sie dorthin lotsen muss.
    In der Innenstadt, gerade am Rathausplatz, laufen sehr viele Leute herum und es ist auch ein Aufenthaltsort während der Mittagspause.

    Ich wette, dass viel mehr Leute diese Tafel am Rathausplatz gelesen hätten und würden, als außerhalb, wo erstmal kaum einer weiß, wo der Park mit der Tafel ist.
    Hauptsächlich Autos fahren nun daran vorbei und nur direkte Anwohner in der Nähe kommen da vorbei.
    Das ist etwas mau :-/
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