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In nordwestspanischen Vigo ist ein 30-Jähriger überraschend freigesprochen worden, der zwei Schwule mit insgesamt 57 Messerstichen getötet hat.

Sieben der neun Geschworenen glaubten dem Angeklagten, der von Agenturen nur mit seinem Vornamen Jacobo identifiziert wurde, aus Notwehr gehandelt zu haben. Demnach habe der Mann Angst gehabt, von den beiden Schwulen vergewaltigt zu werden.

Die Tat ereignete sich im Juni 2006, als Jacobo in einer Bar den 27-jährigen Kellner Isaac kennen lernte, mit dem er gemeinsam Alkohol und Kokain konsumierte. Isaac lud Jacobo daraufhin in seine Wohnung ein, in der auch sein 32-jähriger brasilianischer Lebensgefährte Julio lebte. Nach Angaben von Jacobo sollen dann die beiden Gastgeber versucht haben, ihn ins Schlafzimmer zu locken – und ihn sogar mit einem Messer bedroht haben. Er sagte aus, er habe panisch reagiert, Julio das Messer entrissen und dann auf die beiden eingestochen. Der Gerichtsmediziner zählte später an Julios Leiche 35 Einstiche, auf Isaac stach Jacobo 22 Mal ein.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Geschworenen hätten den Täter aus Schwulen- und Ausländerhass freigesprochen: "Es hätte mit Sicherheit einen Schuldspruch gegeben, wenn die Opfer zwei Mädchen gewesen wären und nicht zwei Homosexuelle, von denen einer dunkler Hautfarbe war", erklärte Oberstaatsanwalt Juan Carlos Horro. Man müsse darüber nachdenken, ob das angelsächsische Geschworenensystem gerecht sei. Berufsrichter hätten den Täter schuldig gesprochen, ist er sich sicher.

Erst Anfang des Monats hatte ein Geschworenengericht auf den Bahamas in einem ähnlichen Fall den Angeklagten freigesprochen (queer.de berichtete). Die "Homo-Panik-Verteidigungsstrategie" wurde in spektakulären Prozessen insbesondere in den USA angewandt und führte in mehreren Fällen zu einem reduzierten Strafmaß. Schwul-lesbische Gruppen kritisieren diese Taktik, weil sie das Opfer zum Täter mache. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen die Bevölkerung – und damit auch die Geschworenen – eine Abneigung gegen Homosexuelle haben, ist die "Gay Panic Defense" erfolgreich. (dk)



25 Kommentare

#1 gatopardo
  • 26.02.2009, 16:44h
  • "In ländlichen Gebieten, in denen die Bevölkerung Abneigung gegen Homosexuelle hat"....
    Vigo ist eine im grünen Galicia gelegene Grosstadt mit 300.000 Einwohnern am Atlantik an der portugiesischen Grenze, in der es eine umfangreiche und selbstbewusste schwul-lesbische Gemeinde mit Clubs, Bars, Diskos,Cafeterías und Saunas gibt. Geschworene aus der schweigenden Bevölkerungsmehrheit sind aber wohl dennoch total mit einem Schuldspruch überfordert , wenn sie sich panisch von angreifenden Schwulen umgeben sehen.
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#2 XDAAnonym
  • 26.02.2009, 16:46h
  • Na ja die Geschworenen werden ihre Gründe [und wenn es nur berechtigte Zweifel waren] für den Freispruch gehabt haben. Da wir keine weiteren Details kennen, können wir weder den Argumenten der Staatsanwaltschaft beipflichten noch die Unschuld des Täters unterstreichen.

    Im übrigen wage ich zu bezweifeln, dass das spanische Rechtssystem mit dem auf den Bahamas auch nur ansatzweise vergleichbar ist.
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#3 gatopardo
#4 gatopardo
  • 26.02.2009, 17:11h
  • Jacobo Piñeiro hat es verstanden, seine Tat im Kokainrausch als theatralischen "Mord im Affekt" zu verkaufen, worauf einige der 7 weiblichen Geschworenen in Tränen ausbrachen. Übrigens wird in der Berufung noch einmal gegen ihn wegen Brandstiftung im Hause der beiden Schwulen verhandelt, nachdem er sich gemütlich unter die Dusche stellte und danach die Wohnung ausräumte und anzündete. Dafür könnte er mit 20 Jahren Knast rechnen !
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#5 XDAAnonym
#6 gatopardo
  • 26.02.2009, 18:31h
  • Antwort auf #5 von XDA
  • Habe mich falsch ausgedrückt. Zuerst wird in Berufung auf Mord oder Totschlag plädiert. Auch bei mangelnder juristischer Kenntnis denke ich, dass wie überall dann keine Geschworenen mehr zu Rate gezogen werden. Dann wird neu wegen Brandstiftung und Raubes verhandelt werden. Er wird so schnell nicht wieder auf die Menschheit losgelassen.
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#7 Tim_ChrisProfil
#8 seb1983
  • 26.02.2009, 19:51h
  • Das System der Geschworenengerichte mag vielleicht demokratischer sein als eine einzelne Richterentscheidung, wie bei Volksbefragungen denke ich gibt es aber auch hier das Problem dass es sich um oft komplizierte Themen dreht bei denen die meisten Menschen kaum Ahnung haben und sich schnell zu einer Meinung hinreißen lassen. Sei es durch Fehlinformationen oder vor einer Geschworenenversammlung durch theatralische Vorstellungen!
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#9 ägyptische hauptstadt im pluralAnonym
#10 gatopardo
  • 26.02.2009, 22:09h
  • Antwort auf #9 von ägyptische hauptstadt im plural
  • Guter Einwand, mein Lieber !
    An ähnliche Konstellationen hatte ich in einer Anwandlung von "Erleuchtung" auch gedacht, hat mir aber "chronologisch" nicht in den Kram gepasst, weshalb ich Geschworene in Vigo nicht als Vertreter des Volkswillens sehen wollte. Unverfänglich dagegen kunstgeschichtliche Gemälde von Ballhausschwüren eines wendigen Hofmalers wie David, der sich mühelos durch jede Unbill und revolutionäre Wechselbäder manövrieren konnte.
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