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In der bayerischen Landeshauptstadt wurde im Februar die neue HIV-Präventionskampagne "Der Schwanz als Diktator" vorgestellt. Die Motive erreichen bereits eines: Sie provozieren Reaktionen.

Von Christian Scheuß

Bei der Münchner AIDS-Hilfe ist man offensichtlich ziemlich schwanzfixiert. Bereits im Sommer 2004 verblüffte sie die Öffentlichkeit mit Kampagnenmotiven, die ein provozierender Hingucker waren. Männer in Freizeitsituationen waren darauf zu sehen, in der Bar oder im Schwimmbad. Nur dort, wo sonst üblicherweise der Kopf sitzt, sind pralle Dödel ins Bild montiert worden. "Und womit denkst du?" lautete der Slogan, der einen Apell an die Vernunft richtete, die man beim Sex ja so gern mal beiseite legt.

Und jetzt schon wieder deutlich sichtbare Schwänze bei der neuen Kampagne. Doch als Steigerung der Provokation sind über die Pracht-Willys, die da aus den Hosen ragen keine Kondome, sondern die Abbilder dreier weltweit äußerst unbeliebter Staatslenker gestülpt worden. Die drei Plakatmotive tragen die Ländernamen "Russland", "Nordkorea" und "Chile". Die Aufschrift behauptet "Auch ein kleiner Diktator kann ein großes Problem sein", sozusagen als Variante des Mahnens vor zu vielem Denken mit dem Schwanz, gerade wenn man geil ist.

"Natürlich ist es ein ganz übles Klischee", verteidigt sich die AIDS-Hilfe im Rahmen der Vorstellung der Motive schon mal vorbeugend. Man ist sich der Brisanz der Bilder, die einen Zusammenhang zwischen Politikern, die Verbrechen begehen und Männern, die ihren Trieb möglicherweise als Ausrede für riskantes Verhalten gegenüber sich und anderen als Entschuldigung nutzen, herzustellen. Man hofft, dass die Ironie dahinter gespürt und die Botschaft gerade deswegen ankommt: "Natürlich wollen wir nicht grundsätzlich die Autonomie des Einzelnen in Frage stellen. Wir möchten mit dieser Kampagne, auf eine - hoffentlich - als leicht und witzig verstandene Art, schwulen Männern näher bringen, dass es verschiedene Probleme geben kann, die durch sexuelle Begierde entstehen, und hier an erster Stelle HIV," so die AIDS-Hilfe weiter.

Die von der Münchner Werbeagentur .start! entwickelte Kampagne, wird in den kommenden Wochen für Zündstoff sorgen. Das Weblog "ondamaris", dass sich schwerpunktmäßig mit den Themen HIV und AIDS auseinandersetzt, hat als erstes die Motive zur Diskussion gestellt und auch eine erste kritische und persönlich verfasste Reflektion von Martin Klatt, der bei der AIDS-Hilfe in Gießen arbeitet, veröffentlicht. Klatts Resümee: "Die Kampagne verdient zwei Preise: Den ‚Schimmligen Schwanz 2009‘ in Gold für die beste ‚Schlechteste Kampagne einer AIDS-Hilfe‘. Die ‚Goldene Irgendwas 2009‘ die nicht mit Lob spart, wie toll diese mutige Kampagne doch zu einer offenen Diskussion anregt und somit dem Thema Aufmerksamkeit beschert und sich die Macher nicht scheuten, dazu in leichter und witziger Art kontrovers erlebte Motive aufzugreifen."

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» Für die Münchner Aids-Hilfe ist er ein Diktator, was ist dein Penis für dich?
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42 Kommentare

#1 Sven_
  • 27.02.2009, 13:55h
  • Ich finde die Idee nicht schlecht.
    Zu mal sie nicht nur für viele schwule, sondern auch für sehr viele Hetero-Männer gilt, auch ganz unabhängig von Geschlechtskrankheiten.

    Wo Sicherheit und Treue für einen Fick weggeschmissen werden, da kann an dem Mann nichts Gutes zu finden sein.
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#2 MIZAnonym
  • 27.02.2009, 15:40h
  • Selten so eine schlechte Kampagne gesehen!
    Das ist vom Kern her schlicht und einfach sexualitätsfeindlich: "Sexuelle Begierden machen Probleme!" Werbeagenturen, die von HIV-Prävention nicht viel verstehen, allerdings auch!
    Und welche Assoziationen die Motive evozieren, sieht man gleich deutlich am ersten Kommentar.
    Schlecht, ganz schlecht!!!
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#3 Tim_ChrisProfil
  • 27.02.2009, 15:50hBremen
  • Eine "Werbung" die so provoziert, ins Auge springt und über die man spricht, die bleibt im Gedächtnis und bewegt auch etwas. Allerdings ist die Art mit diesen Politikern etwas zu riskant, für meinen Geschmack. Sie ist zu missverständlich und könnte leicht auf sehr negative Art auf den Mann, besonders den homosexuellen Mann in Form von Exorzismus am rebellischen Schwanz zurück fallen.
    Der Kirche traue ich zu, dass sie so etwas sofort aufschnappt und mit dem erhobenen Finger laut "Siehste. Man muss ihm das Böse austreiben, damit er wieder keusch und gottesfürchtig wird. Dann hat das Elend und mit ihm Sodom und Gomorrha ein Ende."
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#4 Simon1979Anonym
  • 27.02.2009, 17:40h
  • Also ich finde diese Kampagne einfach nur klasse. Großen Respekt für die Macher!

    Die Kampagne 2004 ist von der Idee her auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack bereits etwas zu direkt.

    Bei der aktuellen Kampagne hingenen bedarf es zumindest eines kleinen Moments des Nachdenkens, und dann erschließt sich einem die Botschaft der Macher. Und mal ehrlich: wer von uns hat es noch nicht erlebt, dass in einem "schwachen Moment" die Geilheit über den Verstand siegt und man(n) Dinge tut die man sonst nie machen würde.

    Meine Bitte an die AIDS-Hilfe München: bloß nicht einschüchtern lassen! Klar werden jetzt alle rufen, dass das so nicht geht und dafür auch genügend Gründe aufführen. Lasst euch davon bitte einfach nicht beeindrucken! Spätestens nach zwei Wochen ist das Geschrei vorbei und eure Kampagne bringt die Leute (hoffentlich) dauerhaft zum Nachdenken.

    Und schauen wir doch einfach mal was uns momentan sonst noch so angeboten wird. Da wären das Gemüse der BZGA und die "Fickstücke" der Kampagne IWWIT der DAH. Mehr muss ich dazu gar nicht schreiben...

    Also nochmal: Super Kampagne! Weiter so!
    ;-)
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#5 jochenProfil
  • 27.02.2009, 20:52hmünchen
  • aber beim sex ist es doch gerade das schöne , dass der schwanz lenkt.
    so funktioniert die natur .
    zuviel denken beim sex macht doch keinen spass.

    und so kleine vorsichtsmassregeln wie:

    ficken nur mit kondom ... und
    abspritzen nie im mund

    .......sind doch eigentlich kein problem; und echt machbar...
    auch im geilsten sextreiben.
    das ist doch meistens gar nicht so schwer einzuhalten find ich.
    jedenfalls bin ich die letzten 20 jahre damit gut gefahren.
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#6 Liedel
  • 28.02.2009, 01:47h
  • Ich halts da ganz mit den Toten Hosen. Ich habe nichts gegen München, würde halt nur nicht zu den Bayern geh'n ob mi oder ohne Kampagne...
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#7 ThommenAnonym
  • 28.02.2009, 07:59h
  • Ich weiss nicht, warum die Schwanzfixiertheit das Problem sein soll. Die Prävention ist ja darum so schwierig, weil dem Schwanz - von Männern und von Frauen - so viele magische Kräfte zugesprochen werden. Nicht zuletzt mit der ganzen Viagra-Werbung. Vor allem diejenige für illegal vertriebene Potenzpillen. Hier offenbart sich die Tragödie des immersteifen und immerfickbereiten Schwanzes...
    HeTerror besteht im Wesentlichen aus unersättlichem mechanischem Ficken - natürlich ohne Bremsen und Gummis...
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#8 markusAnonym
  • 28.02.2009, 14:28h
  • es ist dumm, sinnfrei und unverschämt, eine solche kampagne ernsthaft in die tat umzusetzen. bildsprache solte doch ein wenig mehr können als mit unpassenden vergleichen, botschaften, die mit dem dargestellten so gar nichts zu tun haben, assoziieren zu wollen. es stellt sich mir nur die frage, ob die konzeption von (schwulen) männern gemacht wurde, die mit dieser kampagne letztendlich eine entschuldigung für ihre eigene bereits diagnostizierte HIV-infektion suchen.

    ich hoffe nur, dass diese mentalität und der wille, solche unsinnigen und überflüssigen kampagnen zu realisieren, sich auf den münchner raum beschränken. anzunehmen, dass die münchner aids-hilfe davon abrückt und zukünftig vielleicht einmal andere wege einschlägt, ist mit dieser zweitauflage ja eher mal nicht zu erwarten.

    die münchner sollten doch dringend mal ihre eigenen werte überprüfen und diese ggf. für eine solche kampagne anpassen: verantwortungslos, unsozial, kleingeistig. inkompetent.

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#9 gelderlanderEhemaliges Profil
  • 01.03.2009, 08:46h
  • Gute Idee und gute Umsetzung, das sieht man auch an den kommentaren.

    Denn die, die die Kampagne gut finden, sind in der Mehrzahl.

    Klar gibt es auch wieder klemmhuschen, die diese Kampagne ganz böse und gefährlich finden, nur die leben dann womöglich auch in ihrer eigenen parrallelwelt, denn das ist die realität.

    Das sollte jedem klar sein, der ein "normales" profil bei gr hat..
    ..und jedem, der ab und an mal in schwule clubs geht..

    ..das aber tun ja im allgemeinen klemmhuschen nicht; daher mit praunheims stimme für OUTING!
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#10 alfAnonym
  • 01.03.2009, 10:13h
  • Antwort auf #9 von gelderlander
  • In der Mehrzahl?
    Du weisst offensichtlich mehr als wir hier alle.
    Dass die eigene Meinung die Meinung der Mehrzahl ist, glauben doch nur Stammtischbewohner, oder? Bei Deiner Einschätzung handelt es sich um das "gesunde Volksempfinden". Genau hier setzt u.a. die Kritik an der Kampagne ja ein. Dass sie nämlich Vorurteile ("Schwule sind triebgesteuert") bestätigt und zementiert.
    Und, das Argument, dass nur Klemmhuschen die Kampagne schlecht finden könnten, das erschließt sich mir auch nicht.
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