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Im Vorfeld einer Gerichtsentscheidung in Kalifornien um das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben verglich Justizminister Jerry Brown die Situation Homosexueller mit der von Schwarzen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts – derweil demonstrieren tausende für die Gleichberechtigung.

Brown verglich den Volksentscheid Proposition 8, in dem die kalifornische Bevölkerung im November letzten Jahres die Schwulen und Lesben die Eherechte entzog (queer.de berichtete) mit einem Volksentscheid aus dem Jahr 1964. Damals stimmten 65 Prozent der Kalifornier für Proposition 14, die es Hausbesitzern unter anderem erlaubte, schwarze Mieter wegen deren Hautfarbe abzulehnen. Sowohl der kalifornische als auch der amerikanische Supreme Court erklärten das Referendum später für ungültig, da es die Rechte einer Minderheit beschneide.

Brown glaubt, dass bei Proposition 8 und Proposition 14 die Mehrheit eine Minderheit unterdrücken wolle und deshalb beide gegen die Verfassung verstießen: "Als kalifornischer Justizminister denke ich, dass Proposition 8 niedergeschmettert werden muss, weil sie verfassungswidrig gleichgeschlechtlichen Paaren das Grundrecht auf Ehe entzieht." Dieses ist in der kalifornischen Verfassung festgeschrieben. Grundrechte, so Brown, könnten nicht durch eine einfache Mehrheit abgeschafft werden, "egal ob es 52 Prozent Zustimmung gab wie bei Proposition 8 oder 65 Prozent wie bei Proposition 14".

Youtube | Am Mittwoch demonstrierten Aktivisten auch in der Großstadt Fresno

Am Donnerstag hat der kalifornische Verfassungsgerichtshof eine dreistündige Anhörung über Proposition 8 in San Francisco angesetzt. Darin wird beraten, ob der Volksentscheid für null und nichtig erklärt wird. Noch ist unklar, wann das Gericht entscheiden wird.

Im ganzen Staat fanden in den letzten Tagen Demonstrationen für das Recht auf Ehe statt. Allein in San Francisco zogen am Mittwoch tausende durch die Straßen. Auch unter den in Kalifornien als äußerst konservativ geltenden Republikanern gibt es immer mehr Stimmen, gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen. Neben Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterstützt etwa auch Jerry Sanders, der Bürgermeister von San Diego, die Homo-Ehe. Er galt bis 2007 noch als erbitterter Gegner von Homo-Rechten. Grund war das Coming-out seiner Tochter, die ihre Freundin heiraten wollte. (dk)

Youtube | CNN-Bericht über die anstehende Gerichtsentscheidung (inkl. Interview mit San Franciscos Bürgermeister Gavin Newsom)


23 Kommentare

#1 dummfugAnonym
  • 05.03.2009, 12:56h
  • Na endlich spricht mal einer Klartext. Hoffentlich wird er auch gehört und verstanden. (Ups, das setzt natürlich Verstand voraus – wie es das Wort schon sagt)

    Unterdrückung von Minderheiten - so etwas kann und darf die Mehrheit nicht durchsetzen. Der Vergleich hinkt zwar erheblich, aber auch in unserem Staat wurden Minderheiten unterdrückt, sie mussten zuerst einen Stern tragen. Was später kam, ist hinlänglich bekannt.

    Und das Arnold Schwarzenegger jetzt eine Kehrtwende macht ist auch „lustig!“ Kaum geht es einen selber etwas an, fängt man auch an, nachzudenken!
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#2 A failed philosophy - enough is enoughAnonym
#3 dummfugAnonym
#4 stromboliProfil
  • 05.03.2009, 15:35hberlin
  • vieleicht brauchte es dieser "fehlentscheidung" um massen zu bewegen?!
    Stonewall war ebenso nur spitze eines eisberges an demütigungen im täglichen leben. So besehen ist die fatale fokussierung auf den begriff "ehe" womöglich das, was die durchschnittsbürger empören kann, und zwar auf beiden seiten!
    Wird aber ein thema virulent und zugespitzt, hat es chance auf aufarbeitung. Und da bilden sich "mehrheiten " immer aufs neue! Wie wir aus der kampagne §218 lernen konnten.

    ... und man könnte auch sagen: wenigstens gehen sie auf die strassen, also lassen wir den inhalt mal sein, was immer er auch sei...
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#5 gatopardo
  • 05.03.2009, 16:32h
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • Typisch immer wieder die Bekehrung konservativer und homophober Zeitgenossen, sobald ein Mitglied der Familie sich als schwul-lesbisch outet.
    Von da an kommt die wundersame Erleuchtung des Seins, das das Bewusstsein bestimmt.
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#6 FloAnonym
  • 05.03.2009, 16:45h
  • Der Vergleich ist absolut gerechtfertigt.

    John Lennon sang mal "Woman is the nigger of the world".

    Heute sind Farbige und Frauen (bis auf wenige Ewiggestrige) gleichgestellt. Heute würde John Lennon singen
    "Gay People are the niggers of the world!"

    (Sind wir aber auch ein wenig selbst schuld. Im Gegensatz zu Farbigen und Frauen stehen wir nicht immer zusammen und reden nicht immer mit einer Stimme. Solange genug Leute von uns es ganz toll finden, dass die CDU/CSU uns wie Untermenschen behandelt, wird sich auch nichts ändern.)
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#7 das mindesteAnonym
  • 05.03.2009, 20:00h
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • "...natürlich begann der Aufstand, den 1969 eine Razzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall Inn auslöste und der zum Initial für die weltweite Emanzipationsbewegung Homosexueller wurde, nicht mit politischen Losungen. Sein Charakter war aber allemal politisch, und er hatte sehr wohl mit Rassismus und Sexismus zu tun. Denn es waren nicht die gutsituierten, weißen, bürgerlichen Mittelstands-Schwulen des Künstlerviertels Greenwich Village, die Razzien zu fürchten hatten. Die saßen unbehelligt in ihren schicken Cafés und Bars. Im eher bescheidenen Stonewall Inn trafen sich dagegen die Ausgestoßenen der Gesellschaft, die Schwarzen, die Latinos, die Stricher, die Transsexuellen, und es waren auch lesbische Frauen, die sich als ebenfalls massiver körperlicher Repression der Polizei unterliegende Minderheit schlagkräftig mit ihnen solidarisierten...."
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#8 gerdAnonym
  • 06.03.2009, 00:30h
  • Der kalifornische Justizminister hat vollkommen Recht.

    Und auch wir hier in Deutschland werden diskriminiert, indem uns die Eheöffnung verweigert wird.

    Zwar ist das Lebenspartnerschaftsinistut schon ein sehr guter Schritt gewesen, der viele Rechte und alle Pflichten einer Ehe uns gebracht hat; aber letztlich bleibt es Diskriminierung, wenn wir in der Einkommenssteuer, in der Grunderwerbssteuer oder in der Beamtenbesoldung- und versorgung finanziell schlechtergestellt werden.

    Da lobe ich mir doch Länder wie Kanada, Südafrika, Niederlande, Belgien, Spanien und Norwegen oder jetzt im Frühjahr das Land Schweden, wo überall die Ehe geöffnet wurde.
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#9 AntichristProfil
  • 06.03.2009, 07:01hHH
  • Zitate "Brown": "Proposition 8 ist wie Rassismus" - "dass bei Proposition 8 und Proposition 14 die Mehrheit eine Minderheit unterdrücken wolle" - "Grundrechte, so Brown, könnten nicht durch eine einfache Mehrheit abgeschafft werden"
    @dummfug: "Eigentlich ist mir kein Staat bekannt, in dem keine Minderheiten unterdrückt werden."
    @stromboli: "wenigstens gehen sie auf die strassen"
    @Flo: "Solange genug Leute von uns es ganz toll finden, dass die CDU/CSU uns wie Untermenschen behandelt, wird sich auch nichts ändern"
    sowie @das mindeste: Absolute Zustimmung.

    @dummfug: "Und das Arnold Schwarzenegger jetzt eine Kehrtwende macht ist auch „lustig!“ Kaum geht es einen selber etwas an, fängt man auch an, nachzudenken!"
    Nicht Schwarzenegger, sondern "Jerry Sanders, der Bürgermeister von San Diego [...] Grund war das Coming-out seiner Tochter, die ihre Freundin heiraten wollte."
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#10 A failed philosophy - enough is enoughAnonym
  • 06.03.2009, 07:18h
  • Erschreckend, dass hierzulande offenbar keinerlei vergleichbares historisches Bewusstsein (weder bei den politischen Eliten noch bei den Verbandsidioten, die sich anschicken, "uns" zu repräsentieren) vorhanden ist und die treffenden Analogien der deutschen Geschichte dementsprechend auch nicht benannt werden!
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