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Ein Viertel der deutschen Fußballbegeisterten will nicht einem schwulen Profifußballer entgegenjubeln – bei Österreichern und Schweizern ist die Zahl noch höher.

Den Rufen nach mehr Toleranz zum Trotz können sich laut der aktuellen sozioland-Umfrage 25 Prozent der Deutschen, 32 Prozent der Österreicher und 38 Prozent der Schweizer nicht mit dem Gedanken anfreunden, Anhänger eines schwulen Fußballers zu sein. Das ist eines der Ergebnisse der parallel in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Sozioland, dem Online-Meinungsportal der Respondi AG, durchgeführten Umfrage.

Dabei kam auch heraus, dass offenbar das Klischee vom schwulen Kinderverführer noch weit verbreitet ist: In der deutschen Umfrage vertraten 17 Prozent der Teilnehmer den Standpunkt, Schwule seien ein schlechtes Vorbild für den Nachwuchs, in Österreich waren es schon 28 Prozent. Am größten scheint das Ausmaß der Homophobie allerdings unter den Schweizer Fans zu sein. 30 Prozent der eidgenössischen Befragten fürchten um ihre Jugendlichen, sollten sich deren Idole als schwul herausstellen.

Jüngere Fans engstirniger als die Alten

Auffällig ist, dass insbesondere jüngere Fans Vorurteile hegten: In Deutschland sehen 24 Prozent der unter 18-Jährigen Schwule als schlechtes Vorbild im Fußball, aber nur elf Prozent der 40-49-Jährigen und 15 Prozent der über 50-Jährigen. In der ersten Bundesliga sind die Fans von 1899 Hoffenheim und Bayern München am homofeindlichsten, die Fans von Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach aber am homofreundlichsten.

Das Thema "Kinder als Opfer von Schwulen" sorgte bereits im vergangenen Jahr für Aufregung, nachdem der Kölner Trainer Christoph Daum in einem Interview gesagt hatte, Jugendliche müssten vor Homo-Fußballern geschützt werden (queer.de berichtete). Später entschuldigte sich Daum bei schwul-lesbischen Fanclub für diese Aussage (queer.de berichtete).

Insgesamt waren die Reaktionen auf die Frage, was die Teilnehmer über Homosexuelle im Profifußball denken, sehr vielfältig: Sie reichten von Entrüstung ("Sie fragen ja auch nicht nach Blonden im Fußball") über Pragmatismus ("Dann müsste man halt nur ein neues Wort für ‚Spielerfrau’ finden") bis hin zu augenzwinkernder Gelassenheit ("Mir persönlich sind 100 Schwule 1.000 Mal lieber als ein Schalker").

Wie ein roter Faden zieht sich durch den Großteil der Antworten die Besinnung auf das Wesentliche: Solange die fußballerische Leistung stimmt, ist die sexuelle Orientierung uninteressant. Gleichzeitig herrscht aber auch großes Verständnis dafür, dass sich vorerst kaum ein Profi-Fußballer öffentlich outen wird. Der Tabubruch könnte sie ihre Karriere kosten, von den Schmähungen durch gegnerische Fans ganz zu schweigen.

Von August 2008 bis Januar 2009 wurden über 31.000 Personen zu den Herren-Ligen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz befragt. Dabei drehte es sich vor allem um sportliche Fragen, wie welches Team am sympathischsten (in Deutschland: Werder Bremen) oder am unsympathischsten (Bayern München) ist. (pm/dk)



20 Kommentare

#1 Change we can believe inAnonym
  • 10.03.2009, 11:50h
  • "Auffällig ist, dass insbesondere jüngere Fans Vorurteile hegten: In Deutschland sehen 24 Prozent der unter 18-Jährigen Schwule als schlechtes Vorbild im Fußball, aber nur elf Prozent der 40-49-Jährigen und 15 Prozent der über 50-Jährigen."

    Willkommen in der Zukunft! Aber wen wundert's: Wenn sogar die meisten Schwulen dem Mittelalter hinterrennen (Stichwort: "Gleichberechtigung" durch "Lebenspartnerschaft" oder "Eheöffnung"), dann werden andere erst recht nicht in eine progressive Richtung steuern!
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#2 TimmAnonym
  • 10.03.2009, 12:43h
  • Umkehrschluss:
    75% fänden das ganz in Ordnung. (Politiker würden sich freuen, wenn sie bei ihren Entscheidungen 75% hinter sich hätten.)

    Außerdem ist es so, wie auch in der Politik und den Medien: das kann sich erst mal keiner vorstellen und wenn sich dann die ersten outen, ändert sich das ganz schnell.

    Die Haltung der 25% ist außerdem sehr dumm: sie jubeln bereits Schwulen zu, nur dass sie es nicht wissen. Es gibt nun mal genauso viele schwule Sportler, wie im Rest der Gesellschaft auch. Das ist Fakt! Mit anderen Worten: sie jubeln zwar Schwulen zu, wollen es aber nicht wahrhaben und belogen werden. Das ist ein Zeichen von Dummheit!

    Sportler sollten sich nicht an die 25% dummen Menschen halten, die zwar Schwulen zujubeln, aber belogen werden wollen, sondern sich an die 75% der Vernünftigen halten. (Alleine schon für sich selbst, denn es ist sehr befreiend, endlich nicht mehr lügen zu müssen.)

    Und wenn dann die ersten Outings kommen, wird sich das Verhältnis auch sehr schnell weiter verbessern.

    Es wird Zeit!
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#3 blueAnonym
  • 10.03.2009, 14:50h
  • Ich schließe mich Timms Meinung an. Wenns der Mehrheit vollkommen wurscht ist, wie jemand sexuell orientiert ist, dann sollte einem die Minderheit egal sein, für die die Sexualität eines Spielers offenbar eine wichtigere Rolle spielt als dessen Fußballkünste.
    In unserer Gegend haben wir einen besonderen Fußballfanclub, der von sich sagt: "Die Meenzelmänner" sind eine Vereinigung schwuler, lesbischer, bisexueller und heterosexueller Mainz-05-Fans und ihrer Freunde und Freundinnen

    www.meenzelmaenner.de

    So soll es sein !
    Kopf hoch - und das alles nicht so verbissen sehen
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#4 HannibalEhemaliges Profil
  • 10.03.2009, 17:19h
  • Antwort auf #3 von blue
  • Ich finde die Ergebnisse jetzt auch nicht besonders erschreckend. Das spiegelt so ziemlich die Meinung der Gesellschaft wieder. Und dafür, dass ein Großteil der Fussball-Anhänger zum eher ungebildeten Proletariat gehört, sind die Zahlen eher gering!
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#5 schwarzwaldbub
  • 10.03.2009, 20:33h
  • Antwort auf #4 von Hannibal
  • Den Fußballfans hätt ich mehr Homophobie zugetraut - ich bin einigermaßen positiv überrascht.

    Vermutlich kommt man zu ähnlichen Zahlen, wenn man die Fans zu Frauenfußball, jüdischen Fußballern, Behinderten-Fußball oder MigrantInnen etc. befragt.

    Das Horrormärchen vom Kindsverführer, das ja gerne von PolitikerInnen und religiösen Funktionären in der Öffentlichkeit reproduziert wird, dürfte – leider - von weitaus mehr BürgerInnen geglaubt werden.

    Bei Gayromeo gibt's übrigens gerade "World Soccer Orgy 2" als Download - für die, die sich mehr für die Fußballer als den Fußball interessieren (-;=
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#6 Realismus vs. SchönfärbereiAnonym
  • 10.03.2009, 20:42h
  • Antwort auf #2 von Timm
  • SIMON 2007, Einstellung zur Homosexualität (empirische Basis: 922 Berliner GymnasiastInnen und GesamtschülerInnen (d.h. eine Gruppe mit insgesamt eher ÜBERdurchschnittlichem Bildungsstatus):

    "Zustimmung zur Aussage: 'Wenn sich zwei schwule Männer auf der Straße küssen, finde ich das abstoßend. - 47,7% (!) der männlichen Jugendlichen"

    Dann gab es da noch 2008 eine umfassende Vergleichserhebung der Bundesregierung zur Xenophobie unter jungen Menschen mit durchgehend "positivem" Trend, d.h. einer deutlichen Zunahme von Xenophobie in dieser Altersgruppe.

    Wie man sieht: Man kann sich jede noch so verheerende gesellschaftliche Entwicklung schönreden, aber an den Tatsachen (und an der daraus resultierenden Gesellschaft von morgen) ändert das nichts!
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#8 Realismus vs. SchönfärbereiAnonym
  • 10.03.2009, 21:23h
  • Antwort auf #7 von krise
  • Darf ich aus dem von dir verlinkten Artikel zitieren (übersetzen):

    "Nur zwei von fünf Lehrern an weiterführenden Schulen und nur die Hälfte aller Grundschullehrer [in einer britischen Studie] sagten, dass ihr Schulleiter eine klare Führungsrolle zeige, wenn es darum gehe, homophobes Verhalten [wörtlich: homophobe Schikane] anzugehen."

    Na, das nenne ich doch mal paradiesische Zustände. In Deutschland sind es wahrscheinlich weniger als 1% der Schulleiter, die in diesem Punkt eine "klare Führungsrolle" übernehmen, geschweige denn sich überhaupt mit diesem Thema beschäftigen (gleiches gilt für 99% der Lehrer). Aber ist ja auch verständlich, dass Großbritannien hier angesichts seiner Nazi-Vergangenheit ganz besonders sensibilisiert ist und schon ab der Grundschule aktiv gegen Homophobie unter jungen Menschen vorgeht! Antworten » | Direktlink »
#9 DragonWarrior
#10 TheisentheisAnonym
  • 10.03.2009, 21:45h
  • Antwort auf #6 von Realismus vs. Schönfärberei
  • Gibt es eigentlich zu diesem Thema auch eine Längsschnittstudie?

    Sprich: wie sich die Homophobie im Laufe eines Lebens eines (Hetero)mannes entwickelt?

    Persönlich hab ich schon erlebt, dass gerade 13-17jährige Jungs - vor allem, solange sie noch keine ernsthafte Freundin hatten - besonders homophob sind. Sich dann später aber abregen.

    Rein "gefühlt" habe ich aber auch den Eindruck und die Befürchtung, dass wir es mit einer negativen Trendwende zu tun haben. "Gutmensch", "pol.cor." etc. sind ja bei manchen schon zu Schimpfwörtern mutiert.

    Ich zweifle jedenfalls daran, dass es so etwas wie einen Selbstläufer gibt, nach dem Motto "Kommt Zeit, kommt Toleranz".
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