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Boston Zahlreiche Gerichtsverhandlungen, Proteste und Gesetzesinitiativen haben es nicht verhindern können: Ab diesem Montag dürfen schwule und lesbische Paare in Massachusetts als erstem US-Bundesstaat ganz legal heiraten - die ersten Paare gaben sich inzwischen das Jawort. Kurz vor Mitternacht öffnete in der liberalen Universitätsstadt Cambridge das Standesamt und gab für die Hunderten von wartenden Paare die Anträge aus. Das erste Paar, Marcia Hams (56) und Susan Shepherd (52), hatte bereits über 24 Stunden in dem Rathaus gewartet, um auch ja das erste sein zu können.

Beim Jawort war jedoch ein anderes Paar schneller. Die 56-jährige Marcia Kadish und die 52-jährige Tanya McCloskey waren das erste homosexuelle Brautpaar im Bostoner Vorort Cambridge. "Ich erkläre Sie hiermit als verheiratet nach den Gesetzen von Massachusetts", sagte die Standesbeamtin Margaret Drury. Cambridge war die einzige Gemeinde, die bereits ab Mitternacht ihr Rathaus öffnete, um die Heiratsunterlagen an mehr als 260 Paare auszugeben. Wer bereits am Montag heiraten wollte, musste einen Antrag stellen, um die dreitägige Wartezeit zu überspringen, die Heiratsurkunde abholen und sich schließlich offiziell trauen lassen. In den anderen Städten öffneten die Standesämter erst am frühen Morgen.

Der Streit um die Homo-Ehe geht in jedem Fall weiter: Nach dem Willen des Gouverneurs Matt Romney sollen keine Homo-Paare aus anderen Bundesstaaten getraut werden, angeblich um einen "Hochzeitstourismus" zu verhindern. Romney kramte dafür ein Gesetz aus dem Jahr 1913 hervor, das entsprechende Ausnahmen ermöglicht, aber seit Jahrzehnten nicht benutzt wurde. Aus drei Gemeinden - Provincetown, Somerville und Worcester - wird jedoch über offenen Widerstand der Staatsbediensteten berichtet: Sie sollen auswärtige Paare zum Heiraten in ihren Gemeinden aufgefordert haben. Ob diese dann im Heimatstaat anerkannt werden, ist eine weitere Frage. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer schrieb an Romney, er werde Homo-Ehen von New Yorkern aus Massachusetts anerkennen - obwohl sein Staat entsprechende Ehen verbietet.

Gegner der Homo-Ehen waren im letzten Moment am Freitag mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Obersten Gerichtshof der USA gescheitert. Zuvor hatte es zahlreiche Klagen auf lokaler wie regionaler Ebene gegeben - ohne Erfolg. Die Eheöffnung geht selbst auf einen Beschluss des Obersten Gerichts des Bundesstaates zurück - trotz zahlreicher Kritik von Republikanern wie Demokraten hatte es die Ehe geöffnet und an dem Beschluss festgehalten. Das Parlament von Massachusetts stimmte im März zwar für eine Verfassungsänderung, die Homo-Ehen explizit verbietet. Die Entscheidung tritt aber frühestens in zwei Jahren in Kraft.

Auch die Kirche zeigte sich betroffen. In einer Erklärung des Bostoner Erzbischofs Sean P. O'Malley heißt es, mit "tiefer Trauer" werde die Schaffung von gleichgeschlechtlichen Ehen zur Kenntnis genommen. (nb)

17. Mai 2004, 12.20 Uhr