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  • 17. Mai 2004, noch kein Kommentar

Bereits als Favorit gehandelt, schaffte die Ukraine mit Ruslana ("Wild Dances", Bild) den Sieg vor den Teilnehmern aus Serbien-Montenegro und Griechenland. Trotz starkem Auftritt reichte es für unseren Max nur zum achten Platz.

Von Jan Gebauer

Es wäre auch zu schön gewesen: Max mit "Can't Wait Until Tonight" auf dem Siegertreppchen und 2005 den 50. Eurovision Song Contest in deutschen Landen. Es sollte nicht sein. Trotz sehr gutem Auftritt und allgegenwärtiger Stimmgewalt reichte es am Ende nur für einen soliden Platz acht. Immerhin vor den anderen "big four" Frankreich, Großbritannien und Spanien. Im anschließenden Interview in der ARD zeigte sich der 22-Jährige etwas enttäuscht, hatte er doch auf die Top 5 gehofft. Eine Passage seines Titels hatte er zur Freude des Publikums auf Türkisch gesungen.

Die Show der Türken fiel weit weniger spektakulär aus als in den letzten Jahren. Die beiden Moderatoren Meltem Cumbuk (bekannt aus dem Film "Gegen die Wand", allerdings nicht zu verwechseln mit Hauptdarstellerin Sibel Kekilli, die zuvor Pornos drehte) und Korhan Abay sprühten zwar vor Fröhlichkeit, konnten aber nicht über konventionellen Verlauf, typische Pausenfüller (Bauchtänzerinnen) und die ultralangweiligen Zwischenfilmchen (Werbung für die Regionen im Land) hinwegtäuschen. Außerdem wirkte Korhan im metallisch-glänzenden Anzug und den graumelierten Haaren wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Eurovisionszeit. Dagegen glänzten die 24 verbliebenen Länder (12 waren im Halbfinale ausgeschieden) mit musikalischer und optischer Vielfalt.

Alles, was das schwule Herz begehrt, war vertreten. Der schon als Vorzeige-Homo angekündigte Bosnier Deen (Bild links) mit seiner Retro-Disco-Hymne "In The Disco" wackelte wie schon im Halbfinale putzig mit dem Hinterteil hin und her, bevor er sich im Refrain mit kurz-geschürzten Ladies und gewagtem Hüftschwung als die ultimative rosa Hupfdohle entpuppte und hinter Max einen ordentlichen neunten Platz belegte. Wem das Ganze dann doch eine Spur zu schrill war, durfte mit den blendend aussehenden Griechen, Spaniern oder Franzosen fiebern. Die gestählte Brust des Griechen setzte sich dann trotz dünnem Latino-Pop deutlich von der Konkurrenz ab und lag bis zum Schluss noch im Kreise der Sieger. Dazu gehörten auch die eher natürliche Männlichkeit der Türken Athena, die mit ordentlich Dampf eine klasse Ska-Nummer ("For Real") aufs Parkett legten, die in den internationalen Charts sicher eine gute Chance hat. Sehr guter vierter Platz für einen beim Song Contest recht ungewöhnlichen Beitrag.

Dabei fiel in diesem Jahr besonders auf, dass eine Vielzahl der Länder meinte, eine große Show auf der Bühne präsentieren zu müssen. Das gilt nicht nur für die Ukraine; waghalsige Akrobatik gab es erstaunlicherweise auch bei ruhigeren Nummern wie dem schönen Chanson aus Frankreich oder der netten Up-Tempo-Nummer aus Russland. Das Spektakel lenkte letztendlich nur vom Lied ab und bescherte den Interpreten Platzierungen im Mittelfeld. Spektakel hatte die an Barbra Streisand erinnernde Zypriotin Lisa Andreas nicht nötig und überzeugte die Wähler Europas mit einer rührenden Ballade, die sie mit viel Gefühl, aber leider auch ohne ein einziges Lachen vortrug. Es langte für Platz fünf. Manche Länder setzten auf eine ganz andere Show. Rumänien (Bild rechts), Schweden und auch Polen setzten ihre Sängerinnen mit reichlich Sex in Szene.

Die ARD dürfte indes zufrieden sein. Sensationelle elf Millionen Zuschauer sahen sich am Samstag das bis zum Ende hin spannende Spektakel an, was eine Sehbeteiligung von 40 Prozent bedeutete. Die strahlende Siegerin Ruslana führt mit ihren "Wild Dances" den European Song Contest (eine erneute Namensänderung) nächstes Jahr nach Kiew in der Ukraine. Es wird das dritte Mal in vier Jahren sein, dass ein Land der ehemaligen Sowjetunion den Wettbewerb ausrichtet.