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Selbst im harmlosen Online-Fantasyspiel "World of Warcraft" gibt es Streit um Homo-Rechte: Die Aufseher von "World of Warcraft" haben einer deutschen Spielergemeinschaft den Namen "Queerschlag" untersagt – weil dieser diskriminierend sei.

Von Dennis Klein

Seit 2004 zieht das Rollenspiel "World of Warcraft" ("Welt der Kriegskunst") weltweit meist junge Computernutzer in den Bann und produziert für die Firma Blizzard Entertainment satte Rendite in Millionenhöhe: In der Fantasywelt können sich die Gamer eine neue Identität zulegen und gemeinsam mit anderen in einer Spielergemeinschaft – einer so genannten Gilde – Missionen erfüllen. Manchmal können diese aber von Monstern vereitelt werden.

Schlecht ist es dem spielbegeisterten Stephan Soba ergangen: Er hat mit Freunden im Januar 2008 die Gilde "queerschlag" ins Leben gerufen. "Der ursprüngliche Gründungsgedanke war, eine Heimat in den Welten von WoW für Schwule und Lesben zu gründen", so Soba gegenüber queer.de. "Sehr schnell stellt sich jedoch heraus, dass sich mit dem Wort queerschlag sehr viele Heterosexuelle identifizieren konnten und sich unserer Gildengemeinschaft angeschlossen haben. Mittlerweile steht unser Name für Toleranz und Akzeptanz."

Youtube | In der US-Serie "South Park" dreht sich die Folge "Make Love, Not Warcraft" um das populäre Online-Spiel.

Im Dezember war aber Schluss mit lustig: In einem Standardbrief teilte das "Game Master Team" mit, dass der Name gegen die Richtlinien verstoße und geändert werden müsse. Außerdem erhielt der Gildenleiter eine offizielle Verwarnung. In einem späteren Gespräch erklärte ein Verantwortlicher schriftlich, dass der Name wegen der "Anspielung … auf sexuelle Orientierung" geändert werden müsse. Aber nicht nur die Anspielung auf Homosexualität sei verboten, "Queer" sei zudem im Englischen ein Schimpfwort, so Blizzard Entertainment. Auf die Frage, warum sich im "World of Warcraft"-Universum unbehelligt Hitlers und Eva Brauns herumtrieben, hieß es lapidar: "Der Gildenname verstößt gegen unsere Bestimmungen. Dass es schlimmere Namen gibt, ist hierbei kein Argument."

Selbst nach mehreren Gesprächen blieben die Oberen hart: Die Gilde musste ein "e" streichen und sich jetzt mit dem genehmen Namen "Querschlag" begnügen. Der Kampf um schwul-lesbische Bezeichungen in der virtuellen Spielewelt ist nicht neu: Schon 2006 kam es in den USA zu Auseinandersetzungen, weil eine Spielerin für ihre Gilde mit dem Slogan "GLBT-friendly" warb und deswegen verwarnt worden ist. In der daraufhin folgenden Diskussion zeigten manche Spieler in Chaträumen ihr wahres Gesicht: "Die meisten Homos glauben, dass jeder um sie herum, der einen nicht-perversen Lebensstil pflegt, ein paranoider, bigotter Homosexuellen-Hasser ist", erklärte einer.

Das Thema zeigt, wie schwierig es für die Macher von "World of Warcraft" ist, In ihren Antidiskriminierungsrichtlinien verbieten die Spielemacher daher jede Namensgebung auf Basis von sexueller Ausrichtung. Allerdings können sie nicht verhindern, dass die meist jungen, männlichen Spieler beim Chatten "that’s so gay" schreiben – und "das ist scheiße" meinen.



25 Kommentare

#1 lolAnonym
  • 12.03.2009, 19:24h
  • Ja, so ist das mit der "political correctness": Am Ende wird sie gegen Leute gerichtet, die Kreise angehören könnten, welche sie einmal besonders lautstark verfochten haben. Und die "Antidiskriminierungsrichtlinien" werden in vollendeter Form zur Diskriminierung benutzt. Womit "Blizzard Entertainment" nebenher sehr schön, da eindeutig zeigt, wes Geistes Kind es ist. Früher hätte es da Rabatz, Boykott, Konkurrenzgründung gegeben. Heute sucht man das Gespräch - und fügt sich dann in sein Schicksal, nachdem man noch einmal protestiert hat. In aller Form, natürlich. Und gemäß der Richtlinien des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze. Brav.
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#2 EtienneProfil
  • 12.03.2009, 20:59hGladbeck
  • Hallo zusammen ...

    Als Betroffener möchte ich mich hierzu gerne einmal äußern.

    Die Gespräche mit den Blizzard Mitarbeitern sind an Ignoranz nicht mehr zu überbieten. Ein Gespräch mit einer Mauer macht durchaus wesentlich mehr Spaß.

    Das Verhalten von Blizzard zeigt mir letztendlich, das man als Schwuler solange geduldet wird, wie man leise und unauffällig ist, die ach so saubere Onlinewelt nicht infiziert und jeden Monat brav zahlt.

    In einem Gespräch mit einem Freund habe ich erfahren, dass ein Account komplett gesperrt wurde, weil die Besitzerin eine Porondarstellerin ist und irgendwie wurden im realen Leben die Zusammenhänge nach einem Interview mit ihr bekannt. Blizzard hat es damit abgetan, dass man solche Spieler nicht haben wolle.

    Ich würde liebend gerne lieber heute als Morgen meinen Account kündigen, nur habe ich seit bestehen unserer Gildengemeinschaft viele tolle Leute kennen und schätzen gelernt, was mir sehr viel wert ist und bedeutet.

    Just my 2 Cent

    Stephan
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#3 SchlagqueerAnonym
  • 12.03.2009, 22:39h
  • Das zeigt mal wieder, dass jeder, der einen nicht-perversen Lebensstil pflegt, ein paranoider, bigotter Homosexuellen-Hasser ist!
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#4 Kinney
  • 13.03.2009, 00:01h
  • Antwort auf #2 von Etienne
  • Hey da

    Ich selber spiele auch das Spiel schon etliche jahre .Das verhalten von Blizzard bzw des Gm arbeiter ist nicht immer das beste das merkt man all zu oft und ist auch nichts unbekanntes.-
    Aber das SO reagiert wird finde ich hammer hart den wenn ich mir mal so manchen Gilden namen ansehe gibt es weit aus Schlimmere namen ,ja sogar schlimmer USER namen bei WOW als das genannte.Ebenso was so manches mal in ein "oeffentlichen" chat von wow im spiel selber zu lessen ist ,ist mal so gar nicht jugendfrei aber da wird am wenigsten reagiert drauf von Blizzard auch nicht gegen das spamen ....was in mein augen ein viel gröesseres Problem ist als ein gildenname..Ich kann wirklich nur mit den kopf schuetteln und ein beileid an die betroffen aussprechen das so was vor kommen kann..Ich bin wirklich erschuetter ueber das verhalten von Blizzard .-
    Bei mir in der Gilde wissen sie alle das ich homosexuel bin weil ich da kein geheimiss draus mache und bis her gabs da nie probs .
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#5 HannesGastAnonym
  • 13.03.2009, 01:30h
  • Ich vermute fast, dass der Name "Queerschlag" für viele eben mit der möglichen Übersetzung "Gaybash" assoziiert wird. Und das verstößt sehr wohl gegen die Richtlinien, auch wenn das vom Gildengründer so nicht beabsichtigt ist.
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#6 HannibalEhemaliges Profil
  • 13.03.2009, 07:07h
  • Von mir aus sollten Computerspiele sowieso und generell verboten werden! Das ist echt nur was für geistige Tiefflieger mit autistischen Störungen!
    Die sollen mal lieber ein intelligentes Buch lesen - bringt mehr!
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#7 kokAnonym
  • 13.03.2009, 09:20h
  • Antwort auf #6 von Hannibal
  • Dir ist aber schon klar, dass das Geschrei nach Verboten immer von denjenigen kommt, auf die das geistige Tieffliegen oftmals besonders gut passt? Da erkennt man nämlich die Third-Person-Effekt- und Wissenskluft-Opfer *gg*
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#8 The RisingAnonym
  • 13.03.2009, 10:41h
  • Antwort auf #6 von Hannibal
  • Verbote sind nicht die Antwort! Vielmehr sollten wir endlich ernsthaft darüber diskutieren, warum so viele junge Menschen in dieser Gesellschaft es nötig haben, sich in eine virtuelle Scheinwelt zu stürzen und dort unter Umständen auch noch aggressiv herumzuballern oder ähnliches. Die Unterdrückung von Symptomen heilt nicht die Krankheit (der Gesellschaft, wohlgemerkt)!

    Nichtsdestoweniger muss auch dem kommerziellen Missbrauch von und an Kindern und Jugendlichen ein Riegel vorgeschoben werden, der sich aber bei weitem nicht nur auf gewalttätige Computerspiele beschränkt, sondern generell in Werbung und kommerziellen Medien immer aggressiver stattfindet, ohne dass sich irgend jemand daran stören würde.
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#9 TrutscheAnonym
  • 13.03.2009, 11:22h
  • Antwort auf #2 von Etienne
  • Inkonsequent.Wenns nur ums Spielen geht sind die Leute unwichtig und wenns um die Leute geht brauch man das Spiel nicht sondern hält auf andere Weise weiter Kontakt.Dann zeigt sich auch schnell, wie solidarisch die Leutz sind und mit wem es sich lohnt weiter Kontakt zu halten. Wer sich diskriminisieren lässt WILL das auch nicht abschaffen und hat eben andere Prioritäten , sollte sich dann auch nicht darüber beschweren.Basta.
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#10 _sic_
  • 13.03.2009, 11:49h
  • Antwort auf #6 von Hannibal
  • Ein "intelligentes Buch" ?

    Umbedingt!!! Meine Empfehlung an Dich: Duden-Fremdwörterbuch.
    Darin findest Du nicht nur die Bedeutung des Wortes "intelligent", sondern auch das in deinem Fall mindestens ebenso relevante Wort "Ironie".
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