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In der türkischen Metropole Istanbul ist am Dienstag eine Aktivistin für die Rechte von Transsexuellen erstochen worden. Organisationen fordern nun mehr Einsatz der türkischen Regierung für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transsexuellen.

Von Norbert Blech

Die 28-jährige Aktivistin Ebru Soykan wurde am 10. März in ihrer Wohnung niedergestochen. Der Täter hatte sie in den Monaten zuvor offenbar schon mehrfach angepöbelt und angegriffen. Nach einer Mordandrohung hatte sich die Aktivistin Medienberichten zufolge an die Polizei gewandt, die den Mann aber nur vorübergehend festnahm. Nach der Tat hat die Polizei den Mann nun wohl für längere Zeit festgenommen.

Zweiter Mord in einem Jahr

Ebru Soykan war bei der Organisation Lambda Istanbul tätig, die am Donnerstag eine Kerzenandacht vor der Wohnung und einen Protestmarsch abhielt. Ein anderes Lambda-Mitglied, der 26-Jährige Ahmet Yildiz, war erst im letzten Jahr beim Verlassen eines Cafés von einem Unbekannten erschossen worden (queer.de berichtete). Die Organisation, die sich für die Rechte von Homo- und Transsexuellen einsetzt, war nach einem Verbot durch die Regierung erst gegen Ende des letzten Jahres durch ein Urteil des Obersten Gerichtshof für legal erklärt worden (queer.de berichtete).

Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung hat sich am Freitag in einem Schreiben an den türkischen Botschafter in Deutschland gewandt. Die Organisation fordert eine Intensivierung der Aufklärungsbemühungen in beiden Mordfällen. Hassverbrechen an Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern müsse entschieden entgegengetreten werden. Der Botschafter wird in dem Brief zudem aufgefordert, sich bei der Regierung dafür einzusetzen, dass türkische Behörden die Sicherheit von Menschenrechtsverteidigern garantieren. Die Stiftung ruft außerdem zu Spenden für Lambda Istanbul auf.

Human Rights Watch fordert Schutz

Auch die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Türkei zu einem besseren Schutz von Homosexuellen aufgefordert. In einer am Freitag verbreiteten Erklärung reagierte die Organisation damit auf die Ermordung von Ebru Soykan. Solange es kein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz von Homo- und Transsexuellen gebe und die Polizei ihre Schutzpflichten nicht ernst nehme, werde es weitere Morde geben, erklärte Human Rights Watch. Es gebe ein Klima der Gewalt: "Wenn es um Menschenleben geht, kann die Türkei ihre Verpflichtungen nicht weiter ignorieren", sagte eine Mitarbeiterin der Organisation.

Laut Human Rights Watch habe Lambda Istanbul 2007 ganze 146 dokumentierte Fälle von Gewalt und Diskriminierung an Stadtverwaltung und Polizei übergeben, darunter auch Übergriffe durch die Polizei. Die Berichte wurden ignoriert.



12 Kommentare

#1 MalteAnonym
  • 13.03.2009, 15:27h
  • "Es gebe ein Klima der Gewalt: "Wenn es um Menschenleben geht, kann die Türkei ihre Verpflichtungen nicht weiter ignorieren", sagte eine Mitarbeiterin der Organisation."

    Die Türkei zeigt immer wieder, dass sie nicht in die EU gehört.

    Wie mir meine türkischen Freunde erzählt haben (die die Türkei auch nicht in der EU haben wollen, weil das Homorechte in der EU noch mehr blockiert als jetzt schon Polen), ist die Situation auf dem Land und in kleineren Städten noch schlimmer als in Istanbul, was schon die homofreundlichste Stadt dort ist.

    Wenn selbst Amnesty International gegen eine EU-Aufnahme der Türkei ist, sollte das schon nachdenklich stimmen.
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#2 MarcelAnonym
#3 gaylboy20@yahoo.deAnonym
#4 CarstenFfm
  • 13.03.2009, 17:22h
  • Was ist denn jetzt nach dem Mord an Yildiz passiert?

    Hat die türkische Polizei ermittelt, den/die Täter gefunden, verhaftet?

    Gerade bei eine "Ehrenmord" ist es ja naheliegend wo man suchen muss, nämlich in der Familie des Opfers.

    Weiss da jemend was?

    Anm. der Red.: Die Polizei hat den Täter festgenommen. Hatte ich oben vergessen zu erwähnen, Danke.
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#5 CarstenFfm
  • 13.03.2009, 17:41h
  • Das ist doch gut.

    Die türkischen Behörden gehen also gegen "Ehrenmörder" vor, und setzen somit das Zeichen, dass "Ehrenmorde" in eine Rechtstaat geahndet werden.

    Damit ist die Türkei doch auf dem richtigen Weg.

    Ich hoffe auch in diesen Fall wird der Mörder ermittelt.

    Haltet uns auf dem Laufenden.
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#6 MalteAnonym
  • 14.03.2009, 11:11h
  • Antwort auf #2 von Marcel
  • Also bitte! Natürlich passieren auch homophobe Morde in Deutschland. Aber doch bei weitem nicht so regelmäßig wie Du schreibst.

    Meine türkischen Freunde sind so froh, dass sie hier bei uns leben können und dass die Türkei nicht in der EU ist. Was die mir manchmal erzählen, was in der Türkei (gerade auf dem Land und in kleinen Städten) so los ist... Hätte ich es nicht schon von mehreren unabhängigen Quellen gehört, würde ich es kaum glauben können.

    Da geschehen sog. "Ehren"morde an schwulen und lesbischen Verwandten und NIEMAND ermittelt auch nur, geschweige denn, dass jemand zur Verantwortung gezogen wird. Da werden schwule Paare auf der Straße verprügelt und gehen sie zur "Polizei", dann bekommen sie nur zu hören, sie sollen halt in Zukunft die Menschen nicht provozieren. Und noch viel viel mehr...

    Natürlich ist Istanbul die liberalste Stadt, aber dennoch nicht prototypisch für den Rest der Türkei.

    Ich bin wirklich nicht mit der Situation in Deutschland zufrieden. Aber erzähle hier bitte nicht, Deutschland sei schlimmer als die Türkei. Gehe mal dahin und lass Dich mal zusammenschlagen und danch hilft Dir NIEMAND. Und dann komme zurück und schreibe das nochmal...
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#7 Tim_ChrisProfil
  • 14.03.2009, 11:27hBremen
  • Wenn ich das gestern bei "timm today" richtig verstanden habe, soll es sich nicht um einen Mord mit transphobem Hintergrund gehandelt haben, sondern eine Beziehungstat gewesen sein. Gibt es da schon irgendwelche genaueren Informationen zu?
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#8 stromboliProfil
  • 14.03.2009, 15:05hberlin
  • Antwort auf #6 von Malte
  • "Meine türkischen Freunde sind so froh, dass sie hier bei uns leben können und dass die Türkei nicht in der EU ist."
    Ersteres kann ich voll nachvollziehen, letzeres versteh ich nicht!
    Gesetzt den fall, die türkei wäre mitglied, müsste sie , wie polen und andere spastistaaten mit homophober führungs clique ( nicht das ganze volk an sich!) sich mit den forderungen und regeln der EU auseinander setzen. Skeptisch wie immer, blicke ich aber da optimistisch voraus: die mehrheitsbedingungen sind günstig, die grundsätzliche bereitschaft der EU schwule zu schützen, unbestritten! Überlassen wirs also nicht den nationalstaatlichen entscheidungen, wie mit UNS umgegangen wird!!!
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#9 MalteAnonym
  • 15.03.2009, 15:21h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • Das erkläre ich Dir gerne:
    hat sich in Polen was zum Positiven geändert? Nein, weil es nämlich in der jetzigen Form der EU durchaus möglich ist, Schwule zu diskriminieren.

    Und es kommt noch schlimmer: mittlerweile ist selbst den größten Eurokraten klar, dass man sich von der gemeinsamen Verfassung verabschieden kann. Vor der 10er-Osterweiterung war das eigentlich beschlossene Sache und darin steht auch explizit Schutz und Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Dann hat man zu schnell erweitert und jetzt kann man das vergessen. Und die Notlösung Grundlagenvertrag, für die Frau Merkel sich als Retterin der EU loben ließ, wurde nur deshalb diskutiert, weil Frau Merkel u.a. Polen zugesichert hat, dass sie die Grundrechte von Schwulen und Lesben nicht achten müssen. Und mittlerweile ist trotzdem auch der Grundlagenvertrag mit 95%iger Sicherheit gestorben.

    Schutz und Gleichstellung von Schwulen und Lesben in der EU ist damit wohl auf ewig verloren... Und alles nur, weil man zu schnell erweitert hat.

    Und eines ist klar: wenn die Türkei aufgenommenb wird, bekommt sie aufgrund der Größe noch mehr Einfluss in der EU als Polen. Zusammen mit Polen, den baltischen Staaten und anderen Homohassern in der EU droht damit nicht nur (wie jetzt schon) homopolitischer Stillstand, sondern sogar Rückschritt!!

    Ist Dir jetzt klar, warum meine türkischen Freunde den Staat, in dem sie Unsägliches erlebt haben, nicht in der EU haben wollen? (Von den emotionalen Gründen mal ganz zu schweigen oder wolltest Du irgendwo leben, wo dann doch wieder der Staat, der Dich fast in den Selbstmord getrieben hat, einen Teil der Macht hat.)

    Aber das ist ein typisch deutsches Problem: überall sonst kann man sachlich diskutieren, aber in Deutschland meinen manche rosa-bebrillten Gutmenschen, dass man reflexartig Aufregung zeigen muss, wenn jemand sich kritisch über andere Staaten äußert. Da wird auf Fakten und Argumente gar nicht mehr gehört. Aufgrund der deutschen Geschichte kann man das ein Stück weit nachvollziehen, aber das macht es dennoch nicht weniger dumm und gerade solche blinde Ablehnung jeder sachlichen Diskussion ist es, die Nazis und Faschisten in die Hände spielt.

    Wenn selbst Amnesty International gegen eine EU-Aufnahme der Türkei ist, sollte doch langsam auch dem letzten Weltverbesserer klar werden, dass man langsam auch mal genauer hinsehen sollte und nachdenken sollte.
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#10 stromboliProfil
  • 15.03.2009, 15:56hberlin
  • Antwort auf #9 von Malte
  • wusste gar nicht das isch ein typisch deutsches problem bin... früher, als am deutschen wesen die welt genesen konnte waren die fronten klarer, heute, angesichts unserer vergangenheit ist das abwägen und innehalten sicher der bessereweg!

    So: nun zu deinem vorwurf: ich bestreite die rechtmäßigen gefühle keineswegs die deine und auch freunde von mir zu dieser frage des lebens in der türkei haben! Nicht nur du hast türkische freunde!
    Wenn ich mit aller skepsis von der abkehr national bestimmter regelungen schreibe, ist das teil des derzeit gehändelten politverständnisses. Das angela nicht auf einhaltung spezifischer vorlagen beharrt, hat was mit dem wissen um bereits bestehende rechtsvorschriften zu tun , die menschenrechte mittlerweile UNUMSTÖßLICH in der EU regeln. Was von staat zu staat unterschiedlich gehandelt wird (immer noch, auch von unserer seite aus...) ist die klagemöglichkeit im eigenen lande und die am eU gerichtshof für menschenrechtsfragen! Da kann polen ,lettland, estland noch so viel populistisch eiern, auf dauer werden sie auch über die zwangsmaßnahmen die mit gültigen rechtsurteilen verbunden sind zum einlenken gezwungen! Das ist zwar umständlich, aber immer noch sicherer als die jeweiligen staaten sich selbst zu überlassen!
    DAs der vertrag von lisabon nicht meinen vorstellungen entspricht, hat mehr mit der verwässerung der wirtschaftlichen ordnung zu tun. Und die präambel der christlichen grundsätze auf denen europa existiere, ist ebenso ein gewichtiger anlass gegen den vertrag zu sein! Deshalb muß EU sich nun erst mal konsolidieren...! Schlußendlich aber wird sie, die EU, an der türkei nicht vorbei kommen! Das hat auch was mit geopolitik zu tun, nicht nur mit schwulenrechten!
    Insoweit bin ich auch ohne rosa brille auf der höhe der diskussion... und du?
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