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Die schicke schwule Hotelkette Axel hat am Dienstag in Berlin ihr drittes Haus eröffnet – und das erste in Deutschland. queer.de hat mit dem Eigentümer Juan P. Juliá darüber gesprochen, was es mit dem Slogan "heterofriendly" auf sich hat, an wen sich das Angebot richtet und wie es mit der Prosecco-Versorgung aussieht.

Von Dennis Klein

Starfrisör Udo Waltz, Komiker Thomas Hermanns und Quietsche-Entchen Daniel Küblböck waren nur drei von 500 Gästen, die am Dienstag bei der Einweihungsparty des Axel Hotels in Schöneberg teilnahmen. Eröffnet hat das 13 Millionen Euro teure Luxushaus mit 86 Zimmern Klaus Wowereit persönlich. Der Zimmerpreis beträgt durchschnittlich knapp über 100 Euro - dafür liegt es nicht weit von der schwulen Szene am Nollendorfplatz entfernt. Das Hotel gehört zur ersten schwule Kette dieser Art. Sie hat ihre Ursprünge in Spanien: 2003 öffnete das erste Haus in Barcelona seine Pforten, 2007 war Buenos Aires dran. Erfinder der Kette und Eigentümer Juan P. Juliá stellt sich im Interview den Fragen von queer.de.

Ihr tretet als erstes "heterofriendly" Hotel an. Was bedeutet das?

Eigentlich ist das das Gleiche wie "gayfriendly". Wir als Schwule haben ja Erfahrungen damit, was es bedeutet, diskriminiert zu werden. Daher wollen wir einen Platz schaffen, an dem es keine Diskriminierung gibt und an dem sich jeder wohlfühlen kann.

Richtet sich Euer Angebot nicht hauptsächlich an Schwule und Lesben?

Es ist natürlich auf diese Zielgruppe ausgerichtet, denn sie wird von unserem Angebot mehr angesprochen. Aber jeder ist willkommen, falls er oder sie sich nicht unwohl fühlt in der Gegenwart von Schwulen und Lesben.

Was macht das Axel aus? Gibt es wegen Eurer Zielgruppe einen besonderen Service, etwa einen besonders großen Vorrat an Prosecco?

(lacht) Nein, das nicht, und wir haben auch keine Drag Queens an der Rezeption. Was wir machen wollen, ist, einen besonders hohen Standard im Service zu erfüllen, so dass sich alle Gäste wohl fühlen. Der größte Unterschied ist aber natürlich die besonders offene Atmosphäre. Wenn bei uns zwei Jungs oder zwei Mädels im Hotel-Restaurant sitzen und mit Champagner etwas feiern, guckt keiner schief. Sie können sie selbst sein, ohne sich Gedanken machen zu müssen. Und natürlich haben wir noch manche besonderen Service-Angebote. Beispielsweise kann jeder bei uns Gleitgel und Kondome erhalten, bevor er ausgeht. Wir wollen ja, dass unsere Kundschaft sicher ist, auch in diesem Bereich.

Wie hoch ist der Anteil der Heteros bei Euren Gästen?

Wir überprüfen das natürlich nicht, aber aus Erfahrung würde ich sagen, dass ungefähr 75 bis 80 Prozent Schwule und Lesben sind, der Rest Heteros. Das kann sich aber ändern. Im Sommer sind in Barcelona beispielsweise bis zu 100 Prozent schwul-lesbische Urlauber, während im Winter Geschäftsleute kommen und es sehr viel gemischter zugeht.

Was für Geschäftsleute steigen gerne bei Euch ab?

Das sind viele aus künstlerischen Berufen, also Designer oder Menschen aus der Modeindustrie, aber auch die neuen Technologien sind vertreten. Insgesamt sind es eher kleiner Firmen, wobei sich das in Barcelona schon ändert und wir auch größere Kunden gewonnen haben.

Bislang habt Ihr drei Hotels in drei Metropolen eröffnet. Wie geht’s weiter?

Wir stehen gerade in Verhandlungen. Die sind aber noch nicht abgeschlossen, deshalb möchte ich dazu noch nichts sagen. Es geht aber dabei um Expansion in europäische Hauptstädte und insbesondere in die USA. In zehn Jahren wollen wir ungefähr 15 Hotels eröffnet haben.

Wollt Ihr weitere Hotels in Deutschland eröffnen?

Das ist bislang noch nicht geplant.

Ihr wollt nach den Angaben auf Eurer Website nur in homofreundlichen Städten Hotels eröffnen. Was passiert, wenn sich an einem Ort der Wind dreht und Homo-Rechte wieder beschnitten werden?

Die Tendenz zeigt ja zum Glück insgesamt in eine andere Richtung. Uns kommt es darauf an, dass die Bevölkerung homofreundlich ist. Als wir beispielsweise das erste Axel Hotel in Barcelona eröffnet haben, war in Spanien noch eine konservative Regierung an der Macht, die nicht gerade homofreundlich war. Aber die Bevölkerung war weiter, sie hat die Regierung abgewählt und jetzt sieht es für uns viel besser aus. Ich vertraue auf diese Entwicklung. Aber natürlich können wir kein Hotel in Städten eröffnen, in denen Homosexuelle verfolgt werden.

Also gibt es zunächst kein Axel Hotel in Moskau?

Na ja, vielleicht eines Tages mal.



26 Kommentare

#1 hwAnonym
#2 seb1983
#3 PornoprinzProfil
  • 18.03.2009, 19:24hDüsseldorf
  • Also, ich weiß ja nicht...

    Braucht die Welt wirklich "Homo-Hotels", um zu ihrer wahren Bestimmung zu finden?

    Ich persönlich fühle mich in solchen ghettoisierten Kästen ja eher unwohl - und Gay-Hotels erinnern mich immer an diesen Ralf-König-Comic mit den zwei Homoletten, die in einem Café folgendermaßen bestellen: "Erstens sind wir schwul, und zweitens hätten wir gerne zwei große Eisbecher!". Darauf die Bedienung: "Das erste interessiert mich nicht, und das zweite mit oder ohne Sahne?".

    Muss ich als Schwuler unbedingt in einem Hotel nächtigen, dass extra für mich als Angehöriger einer ach so gebeutelten Zielgruppe errichtet wurde?

    Und dann auch noch durchschnittlich (!) 100 € pro Nacht dafür hinblättern? Na ja, mit den dummen Homos kann man's ja machen, die zahlen jeden Preis... *kopfschüttel*

    Wenn ich als Touri nach Berlin reise, buche ich ein nettes Apartment, ebenfalls in Schöneberg, für 30-40 € die Nacht, habe eine volleingerichtete Küche anstelle einer popeligen Minibar und brauche mich nicht die ganze Zeit als Homo-Hotelgast zu fühlen.

    Auf Homo-Schnickschnack in einem Homo-Hotel verzichte ich dankend. Das ist etwas, das im Jahre 2009 die Welt nun wirklich nicht mehr braucht!
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#4 seb1983
  • 18.03.2009, 20:39h
  • Antwort auf #3 von Pornoprinz
  • Du das sehe ich ja auch so.

    Aber wer meint dafür 100 emanzipierte Euros hinlegen zu müssen soll natürlich die Möglichkeit dazu haben. Er ist glücklich, und die Hotelkette mit ihren fetten Gewinnen auch, eine win win Situation *g*

    Besagte Blicke im Frühstücksraum amüsieren mich nebenbei bemerkt nur.
    "Hast du gesehen, der Schwule da isst Rührei zum Frühstück"

    Hui hui hui
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#5 Maske
  • 18.03.2009, 20:54h
  • Ich habe schon preiswert und luxeriös in H e t e n Hotels gewohnt,hab aber noch nie die Erfahrung von Diskriminierung machen müssen.Lag vieleicht auch an meinem selbstverständlichen Auftreten als wäre Schwul das normalste von der Welt.Da hätte sich auch niemand was trauen dürfen. Allerdings hab ich auch keine schlecht imitierte laute Frau zum besten gegeben.Aber ich kann mir vorstellen dass man dann auch lieber in ein solches Hotel geht.Da ist dann wenigstens keiner verunsichert HuuchhAntworten » | Direktlink »
#6 gatopardo
  • 18.03.2009, 20:58h
  • Antwort auf #1 von hw
  • In Spanien kommt´s ja noch viel schlimmer mit der Vernichtung der Arbeitsplätze, die allein 2009 die 1,5 Mill.-Marke überschreiteten wird und das Gespenst von 4 Mill.(15%) Arbeitslosen an die Wand malt, wobei die Rechte bereits erfolgreich gegen Zapatero mobilisiert. Dagegen bekommt man als erwerbsloser Schwuler die Gelegenheit, umschlungen im "Axel" in Barcelona mit seinem Liebling zu tafeln und ins gemachte Hotel-Lotterbett zu fallen. ¡ Esta es la lucha final !
    Mata Hari soll doch kurz vor ihrer Hinrichtung auch noch nach dem Lippenstift gefragt haben ?
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#7 St.DamianAnonym
#8 ChristianAnonym
  • 18.03.2009, 22:43h
  • 100 Euro , um an der verkehrsreichen, lauten und abgasgeschwängerten Lietzenburger Straße zu übernachten? Da muss man ja wirklich ein gewaltiges Maß an schwuler Solidarität aufbringen. Meine Solidarität hat in diesem Fall jedenfalls ihre Grenzen. Mögen die gay business-men da glücklich werden. Ich suche mir lieber was anderes . Im Grünen vielleicht, ruhig und abgasreduziert und auf den Prosecco verzichte ich auch!
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#9 SchorschAnonym
#10 danielAnonym
  • 19.03.2009, 02:54h
  • ja, also als vielreisender kann ich teilweise die einträge verstehen...wozu brauche ich ein homohotel, für 100 euro werde ich auch im hetenhotel nicht diskriminiert, sondern sehr freundlich behandelt. aber als oftmaliger berlin touri wollte ich mal 4 tage in einem ach so chicen hotel in der fuggerstrasse absteigen und die haben mir doch tatsächlich geantwortet, daß sie unter 5 tagen nicht vermieten (für ungefähr 90 mäuse pro tag) . ich habe drauf geantwortet, um das geld fahre ich 5 tage ans meer inklusive flug und meerblick und nicht blick auf die fuggerstrasse.
    und ein anderes neues hotel im kiez hat auch preise, wofür ich 2 tage im netten apartment in der selben strasse wohnen kann.
    also schwule abzocken ist schon ein begriff, der mir bei berlin besuchen immer öfter einfällt ....
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