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Der Lesben- und Schwulenverband kämpft für ein "Nein" beim Volksentscheid am 26. April, mit dem das Pflichtfach wieder "Ethik" abgeschafft werden soll – insbesondere die beiden christlichen Kirchen kämpfen für die Wiedereinführung des Pflichtfachs Religion.

Der LSVD ist überzeugt, dass "Ethik" in der Hauptstadt wichtig sei, um die zunehmende Homophobie unter Berlins Schülern zu bekämpfen: "Wir sind für ein Pflichtfach Ethik. Denn Informationsveranstaltungen zu Homosexualität finden zu 90 Prozent im Ethik-Unterricht statt. Dieses Unterrichtsfach bietet die Chance, Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Homophobie anzusprechen und eigene Vorurteile zu reflektieren", erklärte Alexander Zinn, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg. "Es ist wichtig, dass sich alle Schülerinnen und Schüler daran beteiligen und gemeinsam über die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen diskutieren. Das Fach Ethik leistet einen unverzichtbaren Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in unserer Stadt. Es wäre fatal, wenn Jugendliche, die auch am Religionsunterricht teilnehmen wollen, den Ethik-Unterricht künftig abwählen müssten." Der LSVD wird nun Plakate aushängen, Kampagne-Postkarten verteilen und auf Ständen für ein "Nein" werben.

Die SPD/PDS-Koalition hat 2006 beschlossen, dass Ethik künftig ein Pflichtfach für alle Schüler wird. Religion ist seitdem ein Wahlfach, das Schüler freiwillig besuchen dürfen, aber nicht müssen. Zuvor waren Schüler, die den Religionsunterricht besuchten, vom Fach Ethik wie in den meisten anderen Bundesländern freigestellt worden. Die Kirchen liefen gegen die Änderung Sturm, religiöse Eltern klagten sogar beim Bundesverfassungsgericht. Karlsruhe erklärte das Fach "Ethik" allerdings für verfassungsgemäß.

Die Lobby-Gruppe "Pro Reli" hat mit Unterstützung der Kirche im vergangenen Jahr genügend Unterschriften gesammelt, um einen Volksentscheid zum Pflichtfach Ethik herbeizuführen. Am 26. April können die Berliner das Pflichtfach damit wieder zu Fall bringen. Notwendig ist eine Mehrheit aller abgegebenen Stimmen sowie ein Viertel aller Wahlberechtigten (ca. 600.000 Stimmen). (dk)



21 Kommentare

#1 xyAnonym
  • 23.03.2009, 13:43h
  • Erstens sollte man vielleicht etwas früher in dem Artikel sagen, daß es hier nur um das Land Berlin geht, wo, zweitens, Religion - gemäß der "Bremer Klausel" des Grundgesetzes - niemals ordentliches Schul-, also "Pflichtfach" war, sondern immer eine freiwillig zu besuchende Veranstaltung einer Religionsgemeinschaft, welche diese in eigener Verantwortung, mit eigenen Lehrkräften und ohne staatliche Aufsicht in Schulräumen durchführt. Dementsprechend tauchte und taucht Religion in Berlin auf keinem Zeugnis zumindest einer staatlichen Schule auf und geht bspw. auch nicht in den allgemeinen Notendurchschnitt ein. Stattdessen verteilen die Religionsgemeinschaften eigene Zeugnisse über den Besuch ihres Unterrichts, deren Bedeutung für den Staat ungefähr dem einer konfessionellen Trauung entspricht.

    Nachdem vor einigen Jahren moslemische Verbände die sich aus dieser Rechtslage ergebende Möglichkeit entdeckt haben, eigenen Religionsunterricht in den staatlichen Schulen Berlins zu erteilen, wurde als Gegengewicht das Pflichtfach "Ethik" eingeführt, u.a. um allen Schülern wertneutral Grundkenntnisse über die Weltreligionen zu vermitteln.

    Mit dem bevorstehenden Volksentscheid versuchen verschiedene Religionsgruppen - einschließlich der großen Kirchen -, Religion durch die Hintertür als ordentliches Schulfach einzuführen. Der wahre Hintergrund dürfte allerdings sein, daß sie wissen: Wenn Religion weiterhin ein freiwilliges Zusatzangebot darstellt, die Schüler also freiwillig zwei Stunden pro Woche mehr in der Schule zubringen sollen, kommt kaum mehr jemand. Denn so groß ist die religiöse Verzückung, bei all dem seit einiger Zeit wieder beliebten Rumgefrömmel in der Öffentlichkeit, dann doch nicht. Schon gar nicht in Berlin, wo die Mehrheit der Bevölkerung offiziell konfessionslos ist. Entsprechend begeistert sammelten dann auch Schüler, insbesondere aus gutbürgerlichen Bezirken, Unterschriften für die Zulassung des Volksentscheids: Hey, zwei Stunden weniger Schule pro Woche, und trotzdem Mami und Papi zufriedengestellt und die dicken Geschenke bei der Einsegnung gesichert! :-)
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#2 FloAnonym
  • 23.03.2009, 14:28h
  • "insbesondere die beiden christlichen Kirchen kämpfen für die Wiedereinführung des Pflichtfachs Religion."

    Ich weiß gar nicht, was die haben: das Fach Religion ist ja nicht verboten. Jeder Schüler, der lieber Religionsunterricht besucht, kann das tun und hat auch keinen Nachteil, da dann Ethik wegfällt. Nur kann man halt frei entscheiden, was man machen will und wer lieber einen neutralen Ethikunterricht besucht, statt konfessionell diktierten Unterricht, sollte das halt auch dürfen.

    Das zeigt, wieviel Angst Kirchen vor Aufklärung und freier Meinung haben.

    Ich finde eh, dass Religion nicht an die Schule gehört:
    1. das ist (wie der Name schon sagt) Glaube, aber an die Schule gehört Wissen und nicht Glaube
    2. Religion an einer Schule hat nichts mit der Trennung von Staat und Kirche zu tun und zeigt, dass wir keineswegs diese Trennung haben.
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#3 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 23.03.2009, 15:20h
  • Antwort auf #2 von Flo
  • "Ich weiß gar nicht, was die haben: das Fach Religion ist ja nicht verboten. Jeder Schüler, der lieber Religionsunterricht besucht, kann das tun und hat auch keinen Nachteil, da dann Ethik wegfällt. Nur kann man halt frei entscheiden, was man machen will und wer lieber einen neutralen Ethikunterricht besucht, statt konfessionell diktierten Unterricht, sollte das halt auch dürfen."

    Da hast du jetzt etwas durcheinander gebracht. Diese Situation, die du beschreibst, wird gerade von "Pro Reli" angestrebt, nämlich dass mit Wahl des Religionsunterrichts Ethik dann wegfällt. "Pro Reli" will, dass beide Fächer als Wahlpflichtfächer gleichberechtigt nebeneinander stehen und unterstellt damit, dass Religion Ethik beinhaltet oder dass Ethik nicht so wichtig sei.
    Gegenwärtig ist in Berlin Ethik Pflichtfach, also nicht abwählbar und Religion ist fakultativ, das heißt derjenige, dessen Eltern wollen, dass man Religionsunterricht nimmt, muss dass zusätzlich belegen und hat den Nachteil mehr Wochenstunden zu haben.
    So soll es auch bleiben. Ethik ist wie z.B. Mathematik und Biologie wichtig und muss die gemeinsame Grundlage bilden und Religion ist dann zusätzlich.
    Ich finde auch, dass Religionsunterricht prinzipiell nichts an öffentlichen Schulen zu suchen hat. Der kann außerhalb der Schule z.B. im Gemeindehaus stattfinden.
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#4 FloAnonym
  • 23.03.2009, 16:34h
  • Antwort auf #3 von SuperMario
  • Ist mir in der Eile wohl durcheinandergeraten. Sorry.

    Aber aus dem Rest meines Beitrags wird ja klar, dass ich auf jeden Fall für einen wertungsfreien, neutralen Ethikunterricht bin. Im Rahmen dessen kann man dann auch ruhig mal (als einen Themenblock von vielen) die Religionen dieser Welt gleichberechtigt und wertungsfrei nebeneinander darstellen.

    So sieht echte Bildung und Trennung von Staat und Kirche aus.
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#5 Werters_WaechterProfil
#6 BerlinerAnonym
  • 23.03.2009, 19:03h
  • Antwort auf #4 von Flo
  • Eine ganz ernstgemeinte Frage an Alexander Zinn: Wer bezahlt diese Kampagne?

    Für mich klingt das so als wolle sich der LSVD Berlin-Brandenburg beim Senat einschleimen. Verständlich! Der finanziert den LSVD ja auch...

    Die Mitgliedbeiträge reichen für solche Sachen ganz sicher nicht...

    Für mich ist das absolute Verschwendung von Steuergeldern!!!

    Aber darauf kommt es ganz sicher nicht an... Allein der vorgezogene Termin der Abstimmung kostet über 1,5 Mio Euro mehr als ein Termin zeitgleich mit der Wahl zum Europäischen Parlament. Vielen Dank Herr Wowereit und Herr Zinn!!!
    Dieses Geld wäre ganz sicher sinnvoller zur Bekämpfung von Homophobie angelegt wenn man dafür Polizisten oder eben Lehrer eingestellt hätte.
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#7 Simon1979Anonym
  • 23.03.2009, 19:24h
  • Antwort auf #6 von Berlin_
  • Absolute Zustimmung!

    Man darf auch nicht vergessen, dass die Wiedereinführung des Religionsunterichts als Wahlfach in Berlin auch bedeutet, dass die islamischen Schüler islamischen Religionsuntericht bekommen.
    Mit dem Festhalten am Pflichtfach Ethik widerum treibt man die islamischen Schüler jedoch in die Hände irgendwelcher unkontrollierbarer Hinterhofprediger - wärend man innerhlab der Schulen duraus Einfluss auf die Inhalte des Unterichts nehmen kann.

    Herzlichen Glückwunsch!

    Was da teilweise gelehrt wird wollen wir uns möglicherweise gar nicht vorstellen. "Schweinefleisch mach schwul!" ist da vermutlich die harmloseste Aussage.
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#8 FloAnonym
  • 23.03.2009, 20:16h
  • Ethik als Pflichtfach ist absolut nötig! Zumindest bei Berliner Verhältnissen. Man muss aber differenzieren: Denn der Religionsunterricht z.B. in Hamburg ist kein Glaubensunterricht, dieser wird nicht von den Kirchen geführt, sondern entspricht einem Religionskritischen Ansatz.

    Ansonsten ist es schon geschickt, den Abstimmungstermin vorzuverlegen. Allerdings nicht sonderlich demokratisch.
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#9 Kristian
  • 23.03.2009, 20:17h
  • Na toll. Schön, dass der LSVD schwulen Religionslehrern in den Rücken fällt, die eigentlich gerne an Berliner Schulen unterrichten wollen (wie z.B. ich). Aber alles was mit Religion zu tun hat, ist ja schließlich automatisch homophob. *rollt mit den Augen*
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#10 DragonWarrior
  • 23.03.2009, 21:30h
  • Antwort auf #9 von Kristian
  • anscheinend hast du es nicht verstanden: es geht nicht darum, religion als fach abzuschaffen, sondern darum, ethik als fach zu erhalten...
    *an den kopf fass*
    und es ist ja nun wahrlich nicht so, dass alle religionslehrer homosexualität gleichwertig einschätzen...
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