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Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin ist am Wochenende erneut beschädigt worden.

Die Verglasung des Sichtfensters ist von bislang unbekannten Tätern zerkratzt worden, stellten Mitarbeiter des Wachschutzes am Sonntagmorgen fest. Durch das an einer Stele angebrachte Sichtfenster können Besucher eine Videosequenz mit zwei sich küssenden Männern sehen. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat bereits seine Ermittlungen aufgenommen, da ein politischer Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen werden kann.

Das ist bereits die dritte Attacke auf das Mahnmal innerhalb von acht Monaten: Im August 2008 schlugen Unbekannte das Fenster ein (queer.de berichtete), im Dezember wurde ein Stein auf das Glas geworfen, so dass dieses splitterte (queer.de berichtete). Auch hier fehlt bislang von den Tätern jede Spur.

Homo-Aktivisten verurteilten den Anschlag: "Jede Schändung eines Gedenkortes für Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, ist eine zutiefst abscheuliche Tat", erklärte der Lesben- und Schwulenverband. "Die wiederholten Anschläge auf das Denkmal zeigen: Homosexuellenfeindlichkeit ist nach wie vor stark verbreitet. Allein der Anblick eines Kusses zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts kann massive Gewalt hervorrufen." Das sei auch die "bittere Alltagserfahrung vieler Schwuler und Lesben". Der LSVD forderte die Bundesregierung auf, einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie vorzulegen. Der Verband lobte dabei das Land Berlin, das vor einem Monat ein 26-Punkte-Papier im Kampf gegen Homophobie beschlossen hat (queer.de berichtete).

Das 2008 errichtete Mahnmal soll an die Verfolgung von Schwulen und Lesben in der Nazi-Zeit erinnern. Es wird geschätzt, dass die Nationalsozialisten 100.000 schwule Männer polizeilich erfassten, rund 50.000 wurden nach Paragraf 175 verurteilt. Etwa 10.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt und zum Teil bestialisch gefoltert. Viele von ihnen wurden ermordet. (dk)

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34 Kommentare

#1 nino89
  • 05.04.2009, 20:03h
  • Schade, ich dachte, dass wir im 21.Jahrhundert irgendwann die massenhafte Homophobie hinter uns gelassen hätten, anstatt sie wieder zu verstärken...
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#2 RoggeAnonym
  • 05.04.2009, 20:08h
  • Der Stein des Anstoßes...

    Sollten wir es nicht so beschädigt lassen?
    Hat das nicht eine viel größere Aussage über den Zustand unserer Gesellschaft - als immer und immer wieder zu reparieren? Mahnt ein beschädigtes Mahnmal nicht auch?
    Wie oft soll es noch instant gesetzt werden?
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#3 stephan
  • 06.04.2009, 02:39h
  • Ja, so weit ist es in unserer Gesellschaft mit Toleranz ...
    Ein Aktionsplan gegen Homophobie ist dringend geboten und noch mehr wäre es vonnöten, dass alle Kräfte unserer Gesellschaft vorbehaltlos dahinter ständen und ohne Einschränkung homosexuelle Lebensweisen als vollkommen gleichberechtigt anerkennten und öffentlich so bezeichneten.
    Wenn aber von so vielen gesellschaftlichen Gruppen stets immer nur ein 'Aber' kommt, Konservative auf den Verfassungsschutz der Ehe verweisen, klassische Familienstrukturen immer noch als Idealbild dargestellt werden, Kirchenvertreter homosexuelle Partnerschaften als abartig bezeichnen dürfen, ... dann ist das doch bloß eine Bestätigung für die Täter, die eine Mehrheit hinter sich zu haben glaubt.
    Wenn selbst ein Filmkuss zwischen Männern mitten in Berlin in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel mit der üblichen Präsenz der Staatsmacht solche Reaktionen zeitigt, dann müsste selbst dem ignorantesten Politiker klar werden, wie bedroht sich homosexuelle Menschen irgendwo in der Provinz fühlen müssen, wenn sie z.B. nächtens Hand in Hand über die Straße gehen!
    Ich fürchte nur, man wird das Denkmal wieder herstellen, den Vorgang für zwei Monate vergessen (bis zur nächsten Attacke) und es als Bagatelle oder üblichen Vandalismus herunterspielen - dabei ist es ein deutliches Zeichen für viel Schlimmeres!
    Der vom LSVD geforderte Aktionsplan muss her und die Spitze unseres Staates muss sich offen dahinter stellen. Das wäre ein glaubhafter Anfang!

    Und ich denke auch an die zu Tode gequälten Opfer des NS-Regimes, die 2009 immer noch verhöhnt werden ... widerwärtig, wer das tut oder gleichgültig hinnimmt!
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#4 alexander
  • 06.04.2009, 05:57h
  • spiegelt dieser erneute anschlag doch nur die haltung unserer regierung wieder !
    auch in den medien erscheint , bei aller wichtigkeit der naziverfolgungen, die schwulenverfolgung immer nur als randnotiz !
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#5 AntichristProfil
  • 06.04.2009, 07:35hHH
  • Wie viele Anschläge wurden anfangs auf das Judenmahnmal verübt? Wie viele Zerstörungsakte gehen in Berlin heute noch gegen öffentliche Verkehrsmittel, Hauswände, Zäune, U-Bahnhöfe etc. pp.? Es muss nicht immer homophob sein. Hätte man ein Denkmal für die im dritten Reich getöteten Behinderten dorthin gestellt, so wäre das genauso Opfer von Anschlägen geworden.
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#6 AntichristProfil
  • 06.04.2009, 07:39hHH
  • Nachtrag: Nichts desto Trotz ist es ärgerlich, dass es schon wieder zerstört wurde, wenn auch bezeichnend für die Gesellschaft, in der wir noch immer leben. Hauptsache alles kaputt machen, denn etwas anderes können die doch gar nicht.
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#7 RabaukeAnonym
  • 06.04.2009, 09:58h
  • Solange in diesem, unserem Land noch eine Kanzlerin verkündet, "Es werde mit Ihr und der CDU/CSU keine Gleichstellung und somit keineGleichberechtigung geben"........Solange werden wir" von" und vorallem "in" dieser Gesellschaft keinen "Status Q" haben.
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#8 Tim_ChrisProfil
#9 The RisingAnonym
  • 06.04.2009, 12:32h
  • Und wenn wir schon so schön beim regelmäßigen (aber in aller Regel politisch folgenlosen) "Verurteilen" aus den hinteren Reihen sind: Auch der Bundesvorsitzende des Arbeitskreises Lesben und Schwule in der SPD (Schwusos), Ansgar Dittmar, "verurteilt" laut Pressemitteilung den neuesten Anschlag auf das Homo-Mahnmal und gelangt nach zehn Jahren Regierungsverantwortung der SPD im Bund zu der Erkenntnis, dass dringender Handlungsbedarf gegen Homophobie, insbesondere die Notwendigkeit eines nationalen Aktionsplanes, bestehe!

    Meine Mutter hat sich daraufhin veranlasst gesehen, Herrn Dittmar eine E-Mail zu schreiben, die sie mir und ich euch nicht vorenthalten wollte:

    "Sehr geehrter Herr Dittmar,

    als Mutter eines jungen schwulen Sohnes begrüße ich es sehr, dass Sie sich für umfassende Maßnahmen gegen Homophobie und antihomosexuelle Gewalt einsetzen. Leider haben Sie in Ihrer Pressemitteilung die alltägliche psychische Gewalt, mit denen vor allem junge, homosexuell empfindende Menschen konfrontiert sind, unerwähnt gelassen. Eine Gewalt, die sich u.a. in einer mit schwulenfeindlichen Begriffen durchsetzten Jugendsprache äußert, in ständigen Pöbeleien und Beleidigungen auf den Schulhöfen, in den Klassenzimmern und allgemein dort, wo sich Gruppen von Jugendlichen aufhalten. Auch stellt sich mir die Frage, warum es Ihrer Partei in zehn Jahren Regierungsverantwortung im Bund nicht gelungen ist, einen nationalen Aktionsplan gegen Homophobie, mit besonderem Schwerpunkt in den Bereichen Erziehung, Bildung UND Verantwortungspflichten der Massenmedien (wo besonders gern dümmliche Rollenklischees propagiert und v.a. schwule Männer verunglimpft und eben nicht gleichbehandelt werden) umzusetzen. Leider ist es nicht genug, immer nur punktuell und sporadisch bei offenen Ausbrüchen roher Gewalt die deutlich zunehmende Homophobie in dieser Gesellschaft gerade unter jungen Menschen rhetorisch zu "verurteilen". Ihre Parteiführung sollte sich dringend ein Beispiel an anderen sozialdemokratischen Parteien wie beispielsweise der PSOE in Spanien oder den US-Demokraten nehmen. So hat beispielsweise Barack Obama in seinen nationalen Wahlkampfauftritten und Reden zum Amtsantritt regelmäßig zu Respekt vor homosexuellen Menschen aufgerufen. Auf der Homepage des Weißen Hauses widmet er den allergrößten Teil seiner 24 Punkt umfassenden Agenda für Bürgerrechte den Rechten von Homosexuellen. Ihre Partei bzw. deren Spitzenpolitiker haben in zehn Jahren Regierungsverantwortung nicht ein einziges Mal in vergleichbarer Weise ihre Position auf der nationalen Bühne genutzt, um gegen Homophobie und die Diskriminierung von Homosexuellen einzutreten. Von einem nationalen Aktionsplan - siehe oben- ganz zu schweigen. Was muss noch passieren, dass sich das endlich ändert?

    Mit freundlichen Grüßen"
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#10 The RisingAnonym