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In der kanadischen Hauptstadt Ottawa ist ein 52-jähriger Mann wegen Mordes verurteilt worden, weil er wissentlich HIV verbreitet und seinen Sex-Partnerinnen nichts von seiner Infektion erzählt hat.

Johnson Aziga wusste bereits seit 1996, dass er HIV-positiv ist und hatte nach kanadischem Recht die Pflicht, seine Sex-Partnerinnen darüber zu informieren. Das unterließ er jedoch: Sieben seiner Partnerinnen infizierten sich mit dem HI-Virus, zwei starben daran. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Frauen hätten gerettet werden können, wenn sie frühzeitig von ihrer Infektion erfahren hätten.

"Das ist auf jeden Fall in Präzedenzfall hier in Kanada, weil das die erste derartige Verurteilung wegen Mordes ist", erklärte Staatsanwältin Karen Shea gegenüber dem "Ottawa Citizen". Azigas Strafverteidiger hat bereits angekündigt, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen.

Die Verurteilung hat zu einer regen Debatte in Kanada geführt. Insbesondere Aids-Hilfen sehen darin eine Gefahr für HIV-Positive: "Natürlich sind die Fakten so, dass man mit dem Angeklagten wenig Sympathie haben kann", erklärte Richard Elliott vom Canadian HIV/AIDS Legal Network. "Die Gefahr liegt allerdings darin, dass dieses Urteil die Abneigung gegenüber HIV-Positiven verstärkt und deren Leben in vielen Bereichen kriminalisieren könnte."

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, droht Aziga eine lebenslange Haftstrafe – in Kanada bedeutet das im Falle eines zweifachen Mordes mindestens 25 Jahre hinter Gittern. (dk)



#1 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 08.04.2009, 17:07h
  • Der Typ ist zweifellos ein Arschloch. Was mich beschäftigt ist die Frage, ob er für das, was er getan hat, strafrechtlich belangt werden kann. Ich würde eher sagen nein.
    Wenn ich vom aufgeklärten, mündigen, erwachsenen Menschen ausgehe, was ich jetzt einfach mal tue, hätten die Frauen wissen müssen, welches Risiko sie eingehen, wenn sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Mann haben und haben diesem Risiko bewusst zugestimmt. Er hat sie ja nicht vergewaltigt. Der ungeschützte Sex war einvernehmlich.
    Aber anscheinend waren die Frauen nicht über die Risiken aufgeklärt und waren ziemlich blauäugig, mit fatalen, teilweise tödlichen Folgen. Nur was ist jetzt die Konsequenz daraus?
    Den Typen jetzt als Mörder verurteilen und weiterhin von unaufgeklärten, vielleicht auch nicht voll mündigen Menschen ausgehen, der geschützt werden muss, weil er alleine nicht dazu in der Lage ist? Oder die Menschen so früh wie möglich aufklären, immer und immer wieder, in ihrem Verantwortungsbewusstsein für sich und andere stärken, eben zu voll mündigen Individuen erziehen, damit erwachsene Frauen und Männer ganz bewusst entscheiden können, wenn solch ein Arschloch sie zu unsafen Sex drängt. In diesem Fall kann das Arschloch nicht strafrechtlich belangt werden, solange es kein Vergewaltiger ist.
    Ich bin für die zweite Vorgehensweise.
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#2 QueenMargrethe
  • 09.04.2009, 03:53h
  • Antwort auf #1 von SuperMario
  • Natürlich muss er strafrechtlich belangt werden, da mündige, aufgeklärte erwachsene Menschen zwar natürlich selbst dafür verantwortlich sind sich zu schützen, aber wenn jemand wissentlich das HI-Virus verbreitet, ist das selbstveratändlich strafbar, zweifelsohne allerdings kein Mord!
    Der Bundesgerichtshof sagt dazu:
    "[...] Ein HIV-Infizierter, der in Kenntnis seiner Ansteckung mit einem anderen ohne Schutzmittel Sexualverkehr ausübt,
    wegen gefährlicher Körperverletzung strafbar macht, und dass versuchte gefährliche Körperverletzung gemäß §§ 223, 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB dann vorliegt, wenn in einem
    solchen Fall eine Übertragung des HI-Virus nicht feststellbar ist [...]"
    So die Rechtsprechung bei uns, wie das in Kanada und anderen Staaten aussieht, kann ich nicht beurteilen, jedoch handelt es sich aus meiner Sicht (ohne Berücksichtung der Strafgesetze) nicht um Mord, denn Mord setzt doch eine nachweisbare Tötungsabsicht voraus...
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#3 AntichristProfil
  • 09.04.2009, 07:47hHH
  • Antwort auf #1 von SuperMario
  • @SuperMario: "Der Typ ist zweifellos ein Arschloch."
    Damit hast du absolut recht.

    Jedoch muss man in diesem Fall zwei Seiten sehen, wovon wir eine gar nicht beurteilen können, denn: "hätten die Frauen wissen müssen, welches Risiko sie eingehen, wenn sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Mann haben und haben diesem Risiko bewusst zugestimmt."
    Es waren Frauen die ungeschützten Sex mit einem Mann hatten. Laut Naturgesetz wissen wir, dass das neben STDs hauptsächlich zu gewolltem oder ungewolltem Nachwuchs führen kann. Also sollten wir hier die Frage stellen: Waren es ONS oder feste Beziehungen? Nahmen die Frauen andere Schwangerschaftsverhütungsmittel? Wenn nein, wollten sie vielleicht schwanger werden?
    Des weiteren müssen wir uns in diesem Fall fragen: Darf ein HIV positiver Mann keinen Nachwuchs mehr zeugen, da eine HIV Infektion in einem solchen Fall gleich inbegriffen ist? Wollte er aber vielleicht gerade das? Also nicht die Frauen infizieren, sondern noch mal Nachwuchs in die Welt ficken, ohne daran zu denken, dass er damit auch das HI-Virus weiter gibt?
    Wir können über das meiste nur spekulieren da wir weitere Fakten gar nicht kennen. Jedoch bleibt das Verschweigen unverantwortlich von ihm. Im Falle der nicht geplanten Schwangerschaft jedoch auch blauäugig, sowie selbst mitverschuldet von den Frauen. Seit Mitte der 90er war man selbst in Kanada schon aufgeklärt genug, um zu wissen das sich auch Frauen bei ungeschütztem Sex mit HIV infizieren können.

    Ergo: zwei Seiten. Die von dir erwähnte Arschlochseite bei ihm mit bewusst verschwiegen um ficken zu können.
    Sowie eine einfach-Dumm-Seite bei ihm sowie den Frauen. Hätten einfach mal ihr Hirn einschalten müssen, ehe sie sich auf unsafen Sex eingelassen haben.
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#4 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 09.04.2009, 12:48h
  • Antwort auf #2 von QueenMargrethe
  • "Natürlich muss er strafrechtlich belangt werden, da mündige, aufgeklärte erwachsene Menschen zwar natürlich selbst dafür verantwortlich sind sich zu schützen, aber wenn jemand wissentlich das HI-Virus verbreitet, ist das selbstveratändlich strafbar, zweifelsohne allerdings kein Mord!"

    Na ja, nach dieser Logik macht sich aber auch beispielsweise die Tabakindustrie strafbar, da sie doch wissentlich krebserzeugende Substanzen verbreitet und jährlich damit unzählige Todesfälle verursacht.
    Doch niemand käme auf die Idee, die Tabakindustrie strafrechtlich belangen zu wollen, weil man voraussetzt, dass die Menschen wissen, welchem Risiko sie sich aussetzen, wenn sie Tabak konsumieren.
    Beim Tabakkonsum setzen sich die Menschen ganz bewusst diesem möglicherweise tödlichem Risiko aus und sind ganz alleine verantwortlich.
    Das ist es, was ich meine: Wenn es um die Risiken von ungeschütztem Sex geht, geht die kanadische und auch deutsche Rechtssprechung wohl eher vom unaufgeklärten Menschen aus, der nicht umfassend über die Risiken bescheid wissen und ganz alleine verantwortlich sein kann. Also findet man hier einen Täter.
    Nun gut, der Typ hatte keine Plakette auf der Stirn: "Ungeschützter Sex mit mir kann tödlich sein" (wäre ja auch absurd), so wie auf den Zigarettenschachteln steht: "Rauchen kann tödlich sein". Diese Plaketten gab es aber auch nicht immer und so wie ich das sehe, dienen sie nur noch mal zur Erinnerung und nicht explizit der Aufklärung. Auch ohne diese Plaketten geht man beim Tabakkonsum vom aufgeklärten Menschen aus.
    So würde ich mir das auch beim Sex wünschen: Der vollständig aufgeklärte, mündige Mensch wird vorausgesetzt. Dann gibt es in diesem Fall aber keinen Täter. Dazu müssen die Menschen natürlich erstmal umfassend aufgeklärt werden, was voraussetzt, dass überall völlig unverkrampft über Sexualität geredet werden kann, aber soweit sind wir eben noch nicht.
    Also: Nur weil es die Gesellschaft nicht gebacken kriegt, die Menschen umfassend über Sexualität aufzuklären, so wie sie es doch in anderen Bereichen halbwegs schafft, haben wir hier in diesem Fall einen Täter. Wie gesagt, ich halte es für die falsche Lösung. Nach meinem Rechtsempfinden ist der Typ nur moralisch zu verurteilen (mit einem dicken fetten Arschtritt), aber nicht juristisch
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