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Wolfgang (55) und Andreas (42) leben in Koblenz. Sie erzählen auf ichweisswasichtu.de, wie es ist, wenn in der Beziehung einer HIV-positiv ist.

Wolfang erzählt über seine Erfahrungen mit seinem HIV-positiven Freund.

Weihnachten 1995 kriegt Andreas plötzlich so einen Ausschlag am Bauch. Der Hausarzt hat festgestellt, dass es eine Gürtelrose war, und ihm geraten, auch einen HIV-Test zu machen. Davon wusste ich nichts, ich bin ja nicht mitgegangen zum Arzt. Und so drei oder vier Tage vor Weihnachten hat er mir abends beim Essen erzählt, dass er HIV-positiv ist. Ich hätte mir gewünscht, er hätte es mir erst nach dem Fest erzählt, denn er hat mir Weihnachten und Silvester ziemlich versaut damit. Aber was sollte ich dazu sagen? Andreas meinte, er würde verstehen, wenn er nun ausziehen müsste und so weiter. Aber das kam natürlich gar nicht in Frage. Für mich ist das eine ganz normale Erkrankung. Ich hätte ihn nie aus diesem Grund verlassen. Klar, ich habe auch gedacht: Scheiße, was jetzt? Und natürlich habe ich auch einen Test gemacht. Ich habe angenommen, wenn er es hat, dann habe ich es auch. Aber mein Test war dann doch negativ.

Von Anfang an war das eine Sache, mit der wir gut leben konnten. Nur mit der Therapie war es am Anfang schwer. Andreas musste alle vier Stunden Tabletten nehmen und durfte zwei Stunden vorher nichts essen. Nachts habe ich dann noch dagestanden und gekocht, damit er was essen konnte. Mit den Tabletten heute kommt er gut zurecht. Er nimmt sie nun zweimal am Tag, morgens und abends. Und auch Nebenwirkungen hat er nur wenige.

Es war aber auch nie so, dass ich Angst hatte, nun meinen Partner zu verlieren. Wir leben ganz selbstverständlich damit. Und nachdem er es mir gesagt hatte, war mir auch einfach klar, dass ich ab sofort mit einem Positiven ficken würde. Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, jetzt vielleicht die Sexualität einfach nicht mehr zu leben. Und ich habe auch nicht darüber nachgedacht, dass sich nun was ändern würde bei dem, was wir da machen. Durch die Infektion von Andreas habe ich mich dann eben mehr mit der Materie beschäftigt. Ich bin heute jemand, der versucht, sich zu schützen, aber ich bin sicher auch nicht frei davon, dass es auch mir passieren kann, mal kein Gummi zu benutzen.

Ich meine, natürlich schützen wir uns beim Sex. Oder besser: Wir versuchen es, uns zu schützen. Denn wenn der Schwanz steht, dann setzt der Verstand aus. Und ich bin nicht der liebe Gott! Aber wenn ich wirklich mal mit Andreas ohne Kondom ficke, dann weiß ich auch, wie ich mich zu verhalten habe. Da geht mir auch ganz schön die Muffe: Sechs Wochen warten, dann zum Test, dann wieder zwei oder drei Monate warten und dann noch einmal testen lassen. Und erst dann ist für mich wieder Sex mit einem anderen drin. Wir leben ja nicht in einer monogamen Beziehung. Das kommt auch nicht in Frage.



12 Kommentare

#1 TOTAL EMPÖRTER Anonym
  • 19.04.2009, 17:20h
  • WOW ich beeindruckt besonders die Passage "wenn ich Andreas ohne Gummi ficke" hat es mir tief angetan. WIE BLÖD MUSS MAN SEIN ???? Einen positiven Freund zu haben und zu ihm zu stehen alle Achtung aber dann schütz ich mich entsprechend wenn mir was am Leben liegt.
    Davon mal abgesehen das so ein bewußt in Kauf genommenes Risiko im höchsten Maße asozial ist , denen gegenüber ist die die Krankenkassenbeiträge zahlen und am Ende für solche sorry Deppen die teure Behandlung löhnen.
    Wie hieß es in den ersten Aufklärungskampagnen so schon "HIV bekommt man nicht das holt man sich" und in dem Fall würde ich sagen du hast dir HIV geholt nun sieh zu wo du deine medizinische Versorgung her bekommst von uns nicht.

    Ich versteh die AIDS Hilfe nicht sowas in Umlauf zu bringen das ist die pure Einladung zum Risiko.
    GLÜCKWUNSCH ich hab euch jedenfalls von meiner persönlichen Spendenliste gestrichen.
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#2 KonstantinEhemaliges Profil
#3 richardAnonym
  • 19.04.2009, 18:31h
  • Antwort auf #1 von TOTAL EMPÖRTER
  • Ich finde diese widersprüchlichen Botschaften etwas irritierend: einerseits bekanntzugeben, dass Leute in der ART nicht relevant infektiös seien, andererseits aber sprintet der negative Partner sofort zum wiederholten Test, falls er doch mal unsafe mit seinem festen Freund Sex hatte? Das kann ich nicht nachvollziehen.

    So grundsätzlich, niemand, der sich mal näher mit der Krankheit oder ihrer weiteren lebenslang notwendigen Behandlung beschäftigt hat, würde sich freiwillig HIV zuziehen wollen. Dieses Gerede, die Leute sollen ihre Therapie doch gefälligst selbst bezahlen, sie seien schließlich selbst schuld, ist absolut kontraproduktiv und eigentlich ein Verdrängungsmechanismus. (MIR kann das nämlich nicht passieren!) Auf Spender, die glauben sich moralische Erhabenheit erkaufen zu können, sollte man sowieso besser verzichten.
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#4 EIN TOTAL EMPÖRTERAnonym
  • 19.04.2009, 21:07h
  • Dann klär mich doch mal bitte jemand auf was asozial ist ? Wenn ich bewußt ein Risiko in Kauf nehme mir eine Krankheit zu holen die zu 100 % tödlich verläuft und ich der Allgemeinheit durch mein eigenes bewußt in Kauf genommenes Risiko Kosten verursache.
    Ich spreche jetzt nicht von der Situation wo im Eifer des Gefechts das Gummi reißt und man sich was holt sondern vom BEWUSSTEN in Kauf nehmen sich zu infizieren.
    Die Botschaft die für mich von diesem Statement ausgeht ist die wenn sich jemand bei seinem definitiv infizierten Partner nichts holt dann kann ich ja auch ohne Gummi poppen ich werde mir schon nichts holen auch wenn der andere was ja eher unwahrscheinlich ist positiv ist.
    Ich will mir keine moralische Erhabenheit kaufen sondern wissen das mein sauer Verdientes sinnig eingesetzt wird nämlich dafür HIV Infektionen zu vermeiden und nicht durch ein solches Statement den Barebackern eine moralische Rechtfertigung zu liefern.
    Da spende ich alles für das Lebenshaus und gut ist da wird nämlich mit dem Geld dann das ausgebügelt was durch solche Kampagnen angerichtet wird.
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#5 KonstantinEhemaliges Profil
#6 EIN TOTAL EMPÖRTERAnonym
  • 20.04.2009, 15:11h
  • Antwort auf #5 von Konstantin
  • Klar weil jemand da ist der bigotten Menschen wie dir einen Spiegel vorhält nur brüllen asozial kann ja jeder aber es erklären ist dir ja unter dem Hinweis "mit Leuten wie dir" zuviel.

    Schade eigentlich aber passt zur Szene oberflächlich brüllen und wenn es in die Tiefe geht weglaufen hat man ja nix mit zu tun.
    Klingt nach dem bayrischen St. Florians Prinzip verschon meine Häuser zünd andere an.
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#7 Benedictus
  • 20.04.2009, 15:58h
  • "Ich bin heute jemand, der versucht, sich zu schützen, aber ich bin sicher auch nicht frei davon, dass es auch mir passieren kann, mal kein Gummi zu benutzen.

    Ich meine, natürlich schützen wir uns beim Sex. Oder besser: Wir versuchen es, uns zu schützen. Denn wenn der Schwanz steht, dann setzt der Verstand aus. Und ich bin nicht der liebe Gott! Aber wenn ich wirklich mal mit Andreas ohne Kondom ficke, dann weiß ich auch, wie ich mich zu verhalten habe. Da geht mir auch ganz schön die Muffe: Sechs Wochen warten, dann zum Test, dann wieder zwei oder drei Monate warten und dann noch einmal testen lassen. Und erst dann ist für mich wieder Sex mit einem anderen drin. Wir leben ja nicht in einer monogamen Beziehung. Das kommt auch nicht in Frage."

    Also für mich ergibt dieser letzte Absatz auch keinen Sinn. Ich finde das auch ziemlich gewagt, dies unter der Kampagne "Ich weiß was ich tue" laufen zu lassen, denn ich habe den Eindruck, der Typ weiß es eben nicht. Und wenn er sich schon bei einem ihm bekannten HIV-Positiven, seinem Partner, nicht unter Kontrolle hat, wie soll er sich dann bei seinen weiteren sexuellen Kontakten außerhalb seiner nicht monoganem Beziehung unter Kontrolle haben?

    Also was will man mit diesem Text eigentlich erreichen? Ich sehe in dem Text eigentlich nur die Botschaft, Positive nicht zu stigmatisieren und den Leuten zu zeigen, dass man auch mit einem Positiven eine ganz normale Beziehung führen kann. Aber als Aufklärung und als Kampagne für Safer-Sex eignet sich dieser Text irgendwie überhaupt nicht.

    Ich teile zwar die Empörung des "Total Empörten" nicht, kann sie aber irgendwie nachvollziehen. Wenn das die neue Strategie der AIDS-Hilfen ist, dann sollte man den Slogan vielleicht mal auf sie selbst beziehen und dahingehend überprüfen. Ich finde es aber spannend, dass ausgerechnet die AIDS-Hilfen durch diesen Text eingestehen, dass man in manchen Situation, insbesonderer sexueller Natur, nicht immer beherrscht, klar bei Verstand und diszipliniert zum Kondom greift. Es sei denn, man hat bereits einen Kondomfetisch entwickelt... Ich hatte immer den Eindruck, dass die AIDS-Hilfen von uns erwarten, dass wir uns in jeder Situation schützen sollen, selbst dann wenn der Verstand aussetzt und der Schwanz die Oberhand gewinnt, jetzt mal völlig davon abgesehen, ob dies realistisch ist oder nicht.

    Aber schön zu wissen, dass der Wolfgang dann weiß, wie er sich "danach" zu verhalten hat. Wichtiger wäre es vielleicht zu wissen, wieviele "Versuche" er noch frei hat, bis er es sich endgültig schenken kann und mit seinem 13 Jahre jüngeren Freund mehr teilt als nur die Liebe
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#8 richardAnonym
  • 20.04.2009, 16:30h
  • Antwort auf #4 von EIN TOTAL EMPÖRTER
  • Asozial bedeutet in diesem Zusammenhang zum Beispiel sein persönliches Spendenverhalten argumentativ von einem eingeforderten Verhalten der potentiell Betroffenen abhängig zu machen bzw. den direkt Betroffenen pauschal zu unterstellen, sie seien sowieso selbst schuld an ihrem Zustand. Überhaupt eine Schuldfrage in diesem Zusammenhang aufzubringen, halte ich für perfide, stellst Du dich auch ans Bett deines an Lungenkrebs erkrankten Onkels und sagst: "Tja, selbst schuld, ich hab´dir schon immer gesagt, dass Rauchen scheiße ist. Und das muss jetzt alles meine Krankenkasse mit bezahlen!" ?
    Oder sagst dem Junkie am Bahnhof: "Spritz´ dich doch endlich tot, das spart der Gesellschaft Geld und Ärger!" ?

    Dein gespendetes Geld kann sowieso keine einzige der HIV-Infektionen vermeiden, die auch zukünftig stattfinden werden, weil die meisten HIV-Infektionen in Deutschland nicht aufgrund mangelnder Prävention oder aus Unwissenheit über die Risiken stattfinden, sondern trotzdem. Du kannst höchstens noch einen draufsetzen und HIV-Kranke ächten, (selbst schuld, verantwortungslos,etc.) um ihren Zustand als möglichst grässliches Übel und allgemein abschreckendes Beispiel zu manifestieren und genau das ist mit asozial gemeint.
    Ein mitleidloses, verurteilendes Verhalten, das obendrein ökonomisch begründet wird, als ginge es hier um die Sanierung maroder Betriebe und nicht um menschliche Biographien. Noch einmal, das ist ein Abwehrmechanismus, sehr ähnlich dem der heterosexuellen Bevölkerungsmehrheit, wenn sie das HIV-Risiko auf sogenannte Risikogruppen auslagert.
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#9 stromboliProfil
  • 20.04.2009, 16:49hberlin
  • Antwort auf #6 von EIN TOTAL EMPÖRTER
  • vieleicht richtig , vieleicht auch nicht, dein floriansprinzip..
    Aber das macht deine wut , deine empörung nicht durchlässig. Jemanden asozial zu nennen weil er nicht kondom nimmt ist anmaßend und an der eigentlichen sache vorbei schießend. Oder besser : mit kanonen auf spatzen geschossen! Oder nennst du die autofahrer , deren verursachten gesamtgesellschaftlichen kosten ebenfalls asozial? Die raucher? Last but not least die trinker... natürlich alle belastungstäter der krankenkassen und folgeeinrichtungen. Folglich alle asoziale!
    Das ist der punkt an dem man zweifelt: dieses herholen des hammers wenns um auf&abrechnungen geht! Volksschädling, parasiten.. was fällt einem denn sonst noch ein um sich abzugrenzen. Und wenn, natürlich zufällig, weil mal wieder das kondom undicht oder geplatzt ( was für ein schönes bild der selbstreinigenden wortklauberei...!) , dir selbiges widerfährt, du dann doch, trotz ganzkörperschutz dich infizierst, andere dann hämisch den finger heben und vom sozial-asozialen schwadronieren, bleibt die erkenntnis: nichts ist so wie man es sich denkt, meist kommst anders und irgend wann auch bei einem selbst...
    Und dann wird dein freund vieleicht auch sagen.. was solls, werden eh gemeinsam den weg gehen (wollen) , was machts dann noch aus? Will nicht sagen, dass dies der richtige weg , aber konfrontiert mit solchen phantasien, kann ich sie nachvollziehen.
    An anderer stelle hatten wir die diskussion mit einer frau/mutter die ähnlich ihre söhne zu schützen sucht. Rationalität als schutz aber in sexuellen nur beschränkt und auf beschränkte zeit funktioniert; ja zumutbar ist! Da kommt die dah und alle weiteren beteiligten an grenzen. Was ist öffnungsbedürftig? Darüber muß, ohne die polemik deines zuschnittes, nachgedacht und öffentlich diskutiert werden!
    Ob das dann über einen solchen beitrag genügend vermittelt ist, sei eine andere frage! Berechtigt ist sie auf jeden fall!
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#10 PierreAnonym
  • 21.04.2009, 18:58h
  • Die Aussagen sind konfus und widersprüchlich.
    Dass man zu einem Partner hält, auch dann, wenn sich herausstellt, dass dieser HIV-positiv ist, ... daran ist ja nichts auszusetzen.
    Aber ohne Kondom ficken und danach zum Arzt zum Test rennen, nur weil beim Sex der Verstand ausgesetzt hat... also... nur krank.
    Und das Beste zum Schluss..., schließlich sei man ja nicht monogam.
    Toll.
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