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Der Regisseur Veit Harlan ist, ähnlich wie Leni Riefenstahl, ein Mitläufer des Nazi-Regimes gewesen. Eine Doku zeichnet das Leben des Filmemachers nach, der auch den schwulen Film "Anders als du und ich" produziert hat.

Mit keinem anderen Namen ist die filmische Begleitung des Holocaust so eng verbunden wie mit dem Namen Veit Harlan, dem Meisterregisseur in den Diensten von Propagandaminister Joseph Goebbels. Sein Propagandawerk "Jud Süß" ist und bleibt der schändlichste antisemitische Spielfilm der NS-Zeit. Als ebenso besessener wie begabter Künstler ist Veit Harlan die schillerndste Figur des Nazi-Films neben Leni Riefenstahl. Ein Spezialist für nationalen Kitsch und Todesverklärung, ein Melodramatiker, ein ebenso verblendeter wie talentierter Vorzeige-Künstler.

Millionen Deutsche und andere Europäer sahen seine Filme. Sie waren Kassenschlager in ganz Europa und prägten die Mentalität unzähliger Zuschauer, die in "Die goldene Stadt" oder "Opfergang" um das Schicksal der blonden Schwedin Kristina Söderbaum bangten, Harlans dritter Ehefrau und ständiger Hauptdarstellerin. Mit dem Monumentalfilm "Kolberg" schuf er 1944/45 das große Durchhaltepos eines untergehenden Regimes. Dennoch sind selbst heute noch Viele von der Ästhetik und düster-verführerischen Kraft der Harlan-Filme fasziniert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Veit Harlan für seinen Film "Jud Süß" zweimal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Beide Male wurde er freigesprochen. Die jetzt ins Kino kommende Doku erzählt die Geschichte des umstrittenen Regisseurs und wie sich seine Kinder und Enkel bis heute mit der Person und den Filmen auseinandersetzen. Sein ältester Sohn Thomas und seine Töchter Maria und Susanne erlebten zwei Prozesse gegen den Vater, aber auch, wie er scheinbar ungebrochen weiter Filme in der jungen Bundesrepublik drehte. Ihre Reaktionen darauf fielen – zerrissen zwischen Vaterliebe und Abrechnung – teilweise extrem aus. Veit Harlan polarisierte die Gesellschaft der 50er Jahre. War er Nazi? War er Antisemit?

1957 erschien unter Harlans Regie der Spielfilm "Anders als du und ich", der unter der wissenschaftlichen Beratung von Hans Giese ursprünglich ein Plädoyer für die Abschaffung des damals immer noch gültigen Sexualstrafparagraphen 175 sein sollte, jedoch in der endgültigen Fassung (durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft erzwungen) als durchweg homosexuellenfeindlich angesehen wird. Harlans Inszenierung zeichnet allerdings auch kein positives Bild der Lebenswelt der Schwulen.



#1 gatopardo
  • 23.04.2009, 16:14h
  • Erinnere mich noch sehr gut an diesen infamen "Homofilm", nachdem wir völlig entmutigt aus dem Kino kamen und uns als 175er straffällig, schmuddeling,schuldig und widernatürlich vorkamen. "Kolberg" stand diesem Machwerk in seiner Infamie selbstverständlich in nichts nach, war aber trotz totaler Geschichtverfälschung ein Meisterwerk, über das wir nach dem Krieg lange diskutiert haben. "Anders als Du und ich" entbehrt dagegen jeglicher Grundlage, ihn überhaupt zu besprechen.
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#2 Friedrich knilliAnonym
  • 23.04.2009, 18:02h
  • Harlan - Im Schatten von Jud Süß
    Ein Film von Felix Moeller, D 2008, 100 Minuten.
    Bundesstart: 23. April 2009. Im Verleih der Edition Salzgeber

    Schade, Felix Moeller hat die einzigartige Chance, alle Harlans beieinander zu haben, vertan. Weit über die Hälfte des Films füllt er mit dummen Betroffenheitsfloskeln von Kindern, Enkel, Nichten und Neffen, die den Spielfilm „Jud Süß“ erst nach 1945 gesehen haben und nicht wissen, dass der Opa vor allem ein genialer Dieb war. Er klaute von Lion Feuchtwanger die wichtigsten Motive aus dem Roman „Jud Süß“, was Feuchtwanger sofort erkannte und bereits 1941 in einem „Offenen Brief“ der Weltöffentlichkeit mitteilte.
    Felix Moeller lässt erst im letzten Drittel die Familie Harlan zu Wort kommen. Einzelne Familienmitglieder erzählen ausführlicher über sich und dabei werden Biographien sichtbar, verbogen von der nach 1945 immer noch geltenden faschistischen Sippenhaftung, von der soziale Ächtung, die die Harlans nach 1945 erdulden mussten, wo immer sie auch lebten, auch heute noch. Ich wünsche mir, dass Felix Moeller dieses Interviewmaterial zu einem Buch über die die Harlans verarbeitet, vergleichbar den „Feuchtwangers“ von Heike Specht. Denn auch die Familie Feuchtwanger lebte und lebt im Schatten von Jud Süß, den Lion Feuchtwanger bekannt machte, mit einem internationalen Besteller, der zweimal verfilmt wurde, 1934 von Lothar Mendes und 1940 von Veit Harlan. Die Autorenrechte an diesem zweiten Film werden Feuchtwanger auch 50 Jahre nach seinem Tod verweigert. Der Spielfilm „Jud Süß“ wurde verstaatlicht, er ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.
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