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  • 05. Mai 2009
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Das 24. Turiner GLBT Filmfestival "Von Sodom nach Hollywood" endete in der vergangenen Woche erfolgreich mit der Verleihung diverser Preise an die besten Filmproduktionen.

Von Christian Scheuß

Eine Woche lang wurden mehr als 200 Filme gezeigt, rund 35.000 Besucher kamen in die Kinosäle, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch wenn die "Programmer", die jedes Jahr die Vorauswahl zu treffen haben, davon sprachen, dass es diesmal schwierig gewesen sei, gute "Ware" zu finden, gab es einige Perlen zu bewundern. Nicht nur die Zuschauer mussten sich entscheiden, welchem Film sie per täglich verteiltem Stimmzettel ihre Gunst erweisen wollten, auch die mit Prominenz und Experten besetzte Jury hatte die Qual der Wahl unter den Spielfilmen, den Dokumentationen sowie den manchmal experimentellen, manchmal auch konventionellen Kurzfilmen. Ohne Sexszenen und viele Tränen kam kaum ein Film aus. Emotionen und Erotik sind nach wie vor wichtige Elemente des schwul-lesbischen Erzählkinos.

So musste unter anderem der Schauspieler Harry Baer die Tage im dunklen Kinosaal verbringen, der in zahlreichen Spielfilmen des Ausnahmeregisseurs Rainer Werner Fassbinder mitgespielt hatte. "Das ist ein Stempel, den man nie mehr loswird", seufzt er im Gespräch mit queer.de. Gesteht aber auch, dass ihm dieses Etikett heute eher nutzt. Nach dem Tod Fassbinders hatte es zunächst geschadet: Es gab keine Engagements mehr für ihn.

Den amerikanischen Regisseur Todd Stephens kennen nur wenige vom Namen, umso bekannter jedoch sind seine Filme. Mit seinem Debüt "Edge Of Seventeen", einer Coming-out-Story, die in den achtziger Jahren spielt, erregte er erste Aufmerksamkeit. Mit seinem schrill-bunten "Another Gay Movie", einer überdrehten schwulen Parodie auf die "American Pie"-Teenagerfilme, sowie der aktuellen Fortsetzung "Another Gay Sequel" hatte er das homophile Publikum in zwei Lager zerteilt. "Die einen hassen meine Filme und finden sie albern, die anderen lieben sie und lachen sich tot", weiß er. Mit der offen lesbischen Schauspielerin Maren Kroymann gab es eine zweite deutsche Beteiligung in der Jury, auch wenn sie erst gegen Ende der Kinowoche in Turin auftauchte. Immerhin brachte sie die Sonne mit, die den typischen trüb-kalten Dauerregen dieser Region vertrieb. Zu erwähnen sei auch noch der aus den Phillippinen stammende Regisseur Auraeus Solito, der sich in Verzicht üben musste. Als Jurymitglied durfte er seinen neuen Film "Boy" nur außerhalb des Wettbewerbs, aber immerhin als Weltpremiere präsentieren. "Boy" spielt, wie schon sein wundervoller Erstling "The Blossoming of Maximo Oliveros" in den Armenvierteln von Manila und erzählt die Liebesgeschichte eines jungen Callboys und Gogo-Tänzers mit einem gleichaltrigen Jungen aus der wohlhabenden Mittelschicht.

Am vergangenen Wochenende vergab die Jury dann die teilweise mit Geld dotierten Preise. Als Bester Spielfilm wurde einstimmig gekürt: "Leonera", eine argentinische-südkoreanische-brasilianische Koproduktion unter Regisseur Pablo Trapero. Gezeigt wird in der Geschichte das Reifen einer jungen Frau und werdenden Mutter während ihres Aufenthaltes im Gefängnis. Mit einem Sonderpreis bedacht wurde die belgische Produktion "Eléve Libre" des Regisseurs Joachim Lafosse. Besonders gelobt wurde darin der junge Nachwuchsschauspieler Jonas Bloquet, der "unschuldig wie Tadzio im `Tod in Venedig` wirke, es aber trotz seiner Jugend geschafft habe, mit Mut eine extrem schwierige Rolle zu spielen". Bloquet spielt einen Teenager, der zwischen Schulversagen und ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mädchen von drei älteren Freunden in den Dreißigern in einen Strudel aus Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung gerät.

So richtig abräumen konnte der chinesische Jungregisseur Kit Hung. Mit seinem Debüt "Wu sheng feng ling (Soundless Wind Chime)" erhielt er gleich drei Auszeichnungen. So nahm er nicht nur den Publikumspreis mit nach Hause, auch die Jury erteilte eine "Special Mention", eine lobende Erwähnung. Und auch der in diesem Jahr neu eingeführte "Nuovi Sguardi"-Preis ging an ihn. Geehrt werden sollen damit vor allem Nachwuchstalente, die neue Ansätze und Erzählweisen wagen, dem Publikum als einen "Neuen Blick auf die Welt" bieten. Kit Hung erzählt in wunderbar poetischen Bildern die Geschichte einer Beziehung zwischen einem Schweizer und einem Hongkong-Chinesen. Herausgekommen ist eine melancholische Fusion aus Schweizer Folklore und chinesischer Mystik, in der über Liebe und Tod sinniert wird.

Die weiteren Preise:
Beste Dokus: "Khastegi (Sex My Life)" von Bahman Motamedian (Iran, 2008). Sowie: "Out in India: A Family’s Journey" von Tom Keegan (USA/Indien, 2007). Besonders gelobt wurde zudem: "Giorgio/Giorgia…storia di una voce" von Gianfranco Mingozzi (Italien, 2008). Das Publikum entschied sich für: "Queer China, Comrade China di Cui Zi'en (China, 2008).
Bester Kurzfilm: "Saliva" von Esmir Filho (Brasilien, 2008). Besonders gelobt wurde: "Même pas mort (Tomboy)" von Claudine Natkin (Frankreich, 2008). Und hier wählten die Kinobesucher: "Tanjong Rhu (The Casuarina Cove)" von Boo Junfeng (Singapur, 2008).