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Für Griechenlands Schwule und Lesben bleibt der Hafen der Ehe vorerst gesperrt. Ein Gericht auf der Insel Rhodos erklärte jetzt die standesamtlichen Trauungen eines schwulen und eines lesbisches Paares für ungültig.

Bei dem Prozess ging es um zwei Trauungen im Juni letzten Jahres, die damals für weltweite Schlagzeilen gesorgt hatten (queer.de berichtete): Gegen den Willen der orthodoxen Kirche, des Justizministers und des Staatsanwalts von Athen hatte der Bürgermeister der gut 500 Einwohner zählenden Ägäisinsel Tilos, Anastasios Aliferis, zwei Männer und zwei Frauen standesamtlich getraut. Aliferis hatte argumentiert, dass die gleichgeschlechtliche Ehe durch eine Gesetzeslücke in Griechenland zulässig sei. Er bezog sich dabei auf das Ehegesetz aus dem Jahre 1982, in dem von der Ehe zwischen zwei "Personen" gesprochen wird.

Das Gericht sah dies jedoch anders und hob die Eheschließungen wieder auf. Die beiden Paare kündigten jedoch umgehend Widerstand gegen das in erster Instanz gefällte Urteil an. Ihr Rechtsanwalt Nikos Kostopoulos will notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen.

In Griechenland wird jetzt mit einem langen juristischen Tauziehen gerechnet. Derzeit ist dort nicht nur die standesamtliche Eheschließung unmöglich. Auch eingetragene Partnerschaften für Schwule und Lesben sind nicht vorgesehen. Zudem hatte die orthodoxe Kirche Homo-Ehen wiederholt als eine "Bombe in den Fundamenten der Gesellschaft" bezeichnet.

Der Verband der griechischen Homosexuellen (OLKE) gibt sich dennoch optimistisch. Aufgrund der Verträge, die Griechenland als EU-Mitglied unterzeichnet hat, komme der Staat über kurz ode rlang um eine Gleichstellung nicht herum. (cw)



#1 SmartiSaar
  • 05.05.2009, 12:59h
  • Ein Hoch auf den Bürgermeister von Tilos, scheint ein weiser und weltoffener Mensch zu sein. "Anastasios Aliferis hatte argumentiert, dass die gleichgeschlechtliche Ehe durch eine Gesetzeslücke in Griechenland zulässig sei. Er bezog sich dabei auf das Ehegesetz aus dem Jahre 1982, in dem von der Ehe zwischen zwei "Personen" gesprochen wird."

    Wenn das Ehegesetz so besteht bleibt allerdings die Frage offen warum und mit welcher Begründung das Gericht die Trauungen für ungültig erklärt hat das würde ja gegen bestehendes Recht verstoßen!? Sprich das Gericht hätte unrecht gesprochen, aber ist ja klar wenn die orthodoxen dagegen schießen muß man ja als Gericht klein bei geben um nicht den Zorn Gottes zu ernten. Wann werden all diese Sekten endlich ins Abseits befördert und halten sich aus politischen Dingen raus.
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#2 Mister_Jackpot
  • 05.05.2009, 14:55h
  • Na als Halbgrieche bin ich jetzt mal gespannt was nun geschieht! Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das Thema Homosexualität vor einigen Jahren noch totgeschwiegen wurde in der griechischen Gesellschaft, aber in den letzten Jahren hat endlich eine öffentlichere Diskussion zum Thema begonnen. Wichtig ist in Griechenland vor einer Ehe Öffnung (oder eingetragener Partnerschaft) aber ersteinmal überhaupt, dass sich mehr Schwule outen können ohne Probleme mit der Familie oder der Verwandtschaft zu bekommen. Das wäre schon ein riesiger Fortschritt....glücklicherweise hat die "Unantastbarkeit" der griechisch orthodoxen Kirche in den letzten Jahren durch so einige Drogen- und Sexskandale erhebliche Risse bekommen, was dazu führt, dass immer mehr Griechen der Kirche dort kritisch gegenüberstehen. Das könnte Schwulen und Lesben schon helfen. Ein CSD (Athens Pride) findet übrigens auch erst seit einigen Jahren statt, aber bis auf einige kleinere Übergriffe sind die Paraden in Athen stets friedlich verlaufen. Die griechische Gesellschaft scheint langsam in der Realität anzukommen. Von daher ist es wichtig, dass der Anwalt beider Paare nicht aufgeben sollte und wenn nötig wirklich bis zum europäischen Gerichtshof gehen sollte. Allein die Diskussion, die damit ausgelöst werden wird könnte sich in dieser Hinsicht sehr positiv für die noch zarte griechische Schwulen (Lesben) Bewegung auswirken.
    Wir werden sehen.... :-)
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#3 Liedel
  • 06.05.2009, 01:56h
  • Immerhin ist im Hamburger Musical "Ich war noch niemals in New York" einer der beiden Schwulen ein Grieche... da haben die Leute im Land zwar nix von, aber vielleicht inspiriert die das ja irgendwann mal
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#4 VolumeProProfil
  • 26.06.2012, 11:31hMönchengladbach
  • Wir müssen ja davon ausgehen, dass das Gericht ein kleines Regional-Gericht ist, wie in etwa ein deutsches Amtsgericht oder sowas in der Art.
    Wie man auch in Deutschland die "zünftige" Rechtssprechung in den ländlichen Gerichten kennt, dürfte das hier ein ähnlich gelagerter Fall sein. Es hat einfach ein Richter aus persönlichen Überzeugungen (z.B. religiöse) wie die Gesellschaft aufgebaut sein soll, das Recht etwas falsch angewendet, man spricht hierbei wohl von einem Subsumtionsirrtum.

    Ich kann mir aber vorstellen, dass ein Gericht höhrer Instanz den ganzen Sachverhalt genauer prüfen wird und dann auch unter Berücksichtigung europäischen Rechts urteilen wird.

    Den Bürgermeister finde ich aber echt mutig. So ein Verhalten zeigt verantwortungsbewusstes Handeln.
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