Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?10380

Am Gründonnerstag soll ein junger Mann mit einem Freund seine Eltern und zwei Schwestern erschossen haben. Das Magazin "Stern" fragt nun: Waren die vermuteten Täter ein schwules Paar? Und liegt in der Homosexualität ein Motiv?

Von Norbert Blech

Es könnte das umstrittenste Outing der letzten Jahre werden: Der "Stern" lässt in seiner neuen Ausgabe Zeugen zu Wort kommen, die den beiden Verdächtigen des Vierfach-Mords in Eislingen eine Beziehung unterstellen und darin ein Motiv sehen.

Mit zwei Kleinkaliberpistolen wurden in der 20.500-Einwohner-Kleinstadt zwischen Ulm und Stuttgart das Elternpaar Hansjürgen (58) und Else H. (55) sowie bereits zuvor deren beide Töchter Annemarie (22) und Ann-Christin (24) erschossen. Die Polizei nahm wenig später Familiensohn Andreas (18) und seinen Kumpel Frederik B. (19) fest, nachdem Schmauchspuren an ihren Händen gefunden wurden. Frederik gestand über seinen Anwalt: "Wir waren das zusammen".

Es ist teilweise eine Story mit Klischee-Vokabeln, die der "Stern" nun von fünf Reportern erzählen lässt: Kleinstadt, eine Familie, heile Welt: "So bleibt die Frage, die alle quält: Warum? Ausgerechnet die H.s, die so nett waren, so höflich so perfekt? (...) Heraus kam ein Bild, das gar nicht dem entsprach, das sie nach außen vermittelte." Der Vater, Heilpraktiker und CDU-Mitglied, wird als streng und cholerisch gezeichnet, was freilich in nicht wenigen Familien vorkommen soll.

Kichern und totschweigen

Der Sohn, Jakobsweg-Gänger und Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, soll "ein arg netter Kerl" gewesen sei, der, spekuliert der "Stern", Probleme hatte, eine angeblich hohe Erwartungshaltung der Vaters zu erfüllen. Niemand im Ort habe ihn mit einer Freundin gesehen, und nach der Tat - nach der Tat - interpretieren nun zwei Bekannte Fotos, die den Sohn und seinen Kumpel Frederik zeigen, als schwul: "Zwischen denen war einfach was", vermutet nun einer, ein anderer ergänzt: "Ich mag nicht glauben, dass ich das bis zuletzt nicht gemerkt habe".

Nur ein dritter Zeuge, Wirt einer (heterosexuellen) Szenekneipe, behauptet über frühere Besuche der beiden Teenager, die sich in der zehnten Klasse kennengelernt und seitdem viel Zeit miteinander verbracht hatten: "Hier war allen klar, dass die beiden homosexuell sind." In der Schule hätten Mitschüler gekichert, die beiden Schwestern hätten Bescheid gewusst und sich ebenfalls amüsiert.

Mehr "Beweise" führt der "Stern" nicht auf, geht nun aber auf Motivsuche. "Aber sich outen? In diesem Kaff, in dem jeder jeden beobachtet", fragt das Magazin. Familenvater H. wäre mit der Homosexualität seines Sohnes nicht zurecht gekommen, attestiert jedenfalls eine "Freundin der Familie". Auch die "Bild" fragt nun: "Liegt hier etwa das Motiv für das Familiendrama? Wollte Andreas mit Hilfe seines Freundes aus dem strengen Familienleben ausbrechen?"

Ein Mord aus Schande über die eigene Homosexualität, ein Mord aus Wut über Homophobie? Eine gewagte, sehr monokausale These, mit der sich aber die Gesellschaft auseinandersetzen muss, sollte sie sich bewahrheiten. Fest steht, dass die Tat lange im Voraus geplant war: bereits im Oktober 2008 hatten die vermuteten Täter Waffen aus einem Schützenhaus gestohlen. Viel mehr steht nicht fest. Die Beklagten schweigen, und ob ein Prozess die Motive der Tat herausstellen kann, wird sich zeigen müssen.



32 Kommentare

#1 beobachterAnonym
  • 07.05.2009, 15:51h
  • Geplant? Sie hätten zusammen weggehen sollen in eine Großstadt und den Kontakt zur Familie kappen. Als Volljährige hätte man sie nicht zurückschicken dürfen. Nach dem Mord haben sie für viele Jahre keinen Nutzen von Anwesen und Vermögen der Eltern.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RabaukeAnonym
  • 07.05.2009, 16:13h
  • @ Beobachter

    "haben sie viele Jahre keinen Nutzen von Erbe und Anwesen."

    BIIIIIIITTTTTTTTEEEEE?????

    Also noch biätätloser kann man es wohl kaum ausdrücken! Hier sind 4 menschen getötet worden! Hallo? Ich glaube , es geht noch oder wie?
    Ich kenne die gesamten Hintergründe nicht. Ich kann auch nicht Gutheißen, was die Beiden da gemacht haben! Es gibt Beratungsstellen (Aidshilfen, Pro Familia etc). Hätte, wäre , könnte........zu spät! Das macht die vier menschen nicht wieder lebendig. Neutral betrachtet ist es sehr schlimm was hier, durch vielleicht jahrelange verunglimpfung, diskriminierung, beschimpfungen, Beleidigungen und sonstigen Denunziösen Dingen, von den Opfern heraufgeschürrt werden konnte. Hier brauchen wir einmal mehr die Forderung, Schwule und Lesbische Lebensweise, in dieser, unser aller Gesellschaft endlich als normalste Sache der Welt, wenn nötig per Gesetz zu verstehen. Es ist schlimm, daß immer erst etwas passieren muß, ehe man die notwendigen "Register" zieht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 RoyAnonym
#4 DariusAnonym
  • 07.05.2009, 17:10h
  • Hey sagt mal... da oben steht doch nur der Stern VERMUTET die wären schwul gewesen... bzw nicht mal der Stern, sondern eher Bekannte, die nun nachträglich irgendwo etwas hinein interpretieren.

    Das klingt total nach Klatsch und Tratsch, was im Dorf halt so rum geht.

    Natürlich finde ich es auch komisch, wieso ein Kumpel dem Sohn helfen sollte die Familie zu töten, aber niemand hat je behauptet die wären
    a) schwul
    b) zusammen ;)
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MarcusAAnonym
  • 07.05.2009, 17:41h
  • Du hast das falsch verstanden: Dem Kommentar von Rabauke zufolge ist zumindest er dabei gewesen bzw. besitzt intime Kenntnisse der Familie, ihres Umfeldes, des Ortes usw.

    Es kann schließlich nicht sein, daß jemandem jeder Anlaß recht ist, um erst mit ebenso wohlfeiler wie wirksamer Empörung lauthals Pietät einzufordern und dann das angeblich so pietätlos behandelte Geschehen nur als weitere Gelegenheit zu benutzen, um einen politischen Forderungskatalog abzulassen. Nein, so ist es sicher nicht!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 stromboliProfil
  • 07.05.2009, 18:19hberlin
  • Antwort auf #1 von beobachter
  • im falle einer verurteilung, insbesonderer wen niedere bewegkründe im urteil festgestellt werden ( eben mord aus habgier!) fällt ein erbanspruch völlig weg!

    Sollte es so sein wie da getratscht wird, hat rabauke insofern recht: jegliche amok-tat ist zeichen eines unlösbaren konfliktes, der sich seine lösung in gewalt sucht. Und wenn es so ist wie beschrieben , hat sich das in jahren aufgebaut, somit sind auch leider die opfer beteiligt. Und, gesetzt den fall , es hat seine ursache in der ablehnung der homosexualität der beiden, dann ist eine grenzsituation erreicht, die auch nicht mehr über hilfsangebote,beratungshilfen ,aidshilfen oder gar pro familia zu bewältigen wäre/war.
    Alles hypothetisch gedacht; mein gefühl sagt ja! Aber meine ratio lässt sich nicht gerne auf stern und bildgeplappere ein. Deshalb sollte hier die devise sein: abwarten!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Liedel
  • 07.05.2009, 19:12h
  • Ach Mensch Stern, da hast du erst in der Ausgabe 2/08 so ne fantastische Reportage über Schwule und ihre Eltern gebracht (ausführliches Thema: Coming Out), und jetzt? Rückfall in Räuberpistolen- Journalismus. Schade
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Werner Hinzpeter, HamburgAnonym
  • 07.05.2009, 20:31h
  • Lieber Kollege Norbert Blech,

    in meiner Journalistenausbildung habe ich gelernt, dass vor der Meinung immer die Recherche kommt. Bei mir hat sie folgendes ergeben: Der stern outet die beiden Täter. Aber es steht im ganzen Beitrag kein einziges Zitat von wem auch immer, dass zwischen der Homosexualität der beiden und der Tat einen Zusammenhang herstellt.
    Die Frage, ob man sich dem "Kaff" outen könne und ob der Vater damit klar gekommen wäre, hätte man in jeder anderen Geschichte über zwei Jungs stellen können, die sich auf dem Dorf verlieben. Die Unterstellung, hier würde ein Motiv hergestellt, halte ich für an den Haaren herbei gezogen.

    Der stern-Report endet übrigens mit folgenden Worten: "Gegenüber den Ermittlern schweigen Andreas und nun auch Frederik. Warum die Familie Häussler sterben musste, wissen nur sie. Wenn überhaupt."

    Also: Bitte den Schaum vom Mund nehmen und keinen stern-Skandal herstellen, der keiner ist.

    Den "Bild"-Artikel kenne ich nicht. Falls die Kollegen dort tatsächlich Unsinn gemacht haben, dann wären die allein doch auch gute Prügelknaben – oder?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 queer_norbert (Admin)Profil
  • 07.05.2009, 21:02hDüsseldorf
  • Antwort auf #8 von Werner Hinzpeter, Hamburg
  • Lieber Werner Hinzpeter,

    und in meiner Journalistenausbildung habe ich sogar gelernt, wie man Dinge zwischen den Zeilen schreibt und wie Anspielungen auf Leser wirken. Und wie man dabei vielleicht sogar recht sensibel vorgeht, was Deinen Kollegen durchaus gelingt.

    Und ohnehin: was soll der Unterschied sein zwischen der angekündigten "Spurensuche" und einer Suche nach einem Motiv? Es ist ja auch nicht so, dass die 6-Seiten-Reportage weitere Spuren finden würde außer Zitaten à la "Die Polizisten aus dem Ort weinen, als sie die Leichen sehen" und ähnlichem Betroffenheitskram, den ich in meiner Ausbildung gottseidank zu vermeiden gelernt habe.

    Grüße in die "Stern"-Redaktion,
    Norbert Blech
  • Antworten » | Direktlink »
#10 The RisingAnonym
  • 07.05.2009, 21:23h
  • Antwort auf #8 von Werner Hinzpeter, Hamburg
  • Damit man eine Idee davon bekommt, mit wem wir hier das Vergnügen haben - aus einer (übrigens wohlgefälligen) Kundenrezension bei Amazon.de:

    "Hinzpeter versucht...nachzuweisen, dass die Diskriminierung von Schwulen in Deutschland bei weitem nicht (mehr) so extrem ist, wie dies von vielen "Bewegungsschwestern" dargestellt wird. Ebenso bemüht sich Hinzpeter AIDS positive Seiten abzugewinnen, indem er darstellt, dass die Bewegung in den 80er Jahren praktisch am Ende war und nur durch das Aufkommen von AIDS durch die sog. AIDS-Hilfen wiederbelebt werden konnte.
    In seiner Abschlußbetrachtung zieht Hinzpeter den Schluß, dass die politische Schwulenbewegung am Ende ist und wohl nur als Freizeitbewegung überleben kann."
    www.amazon.de/Sch%C3%B6ne-schwule-Welt-Werner-Hinzpeter/dp/3
    896560166


    In Zeiten einer dramatisch zunehmenden Homophobie und insbesondere Schwulenfeindlichkeit gerade unter jungen Menschen, eines aggressiven Heterosexismus in den kommerziellen Medien, dem Erstarken homofeindlicher Propaganda à la "Wüstenstrom" etc. können solche Ausführungen für jeden Betroffenen nur wie Spott und Hohn klingen. Und natürlich für jeden, der mit offenen Augen und Ohren durch das öffentliche und alltägliche Leben geht und inzwischen festgestellt haben sollte, dass man sich im Jahre 2009 nicht einmal fünf Minuten in der Nähe einer Gruppe von Jugendlichen aufhalten kann, ohne eine ganze Sammlung schwulenfeindlicher Schimpfwörter und Beleidigungen zu vernehmen.

    Angesichts solcher gesellschaftlicher Realitäten ist es nicht nur angemessen, sondern dringend notwendig, gerade bei einer "Geschichte", die eben keine ist wie jede andere, eine entsprechende journalistische Sensibilität walten zu lassen, bevor man die vermeintliche Homosexualität der jugendlichen Täter in irgendeine Verbindung zu ihrer Tat bringt oder zumindest billigend in Kauf nimmt, dass dies von einem großen Teil der Leserschaft so aufgefasst werden könnte. Daher sind Norbert Blech, queer.de und hoffentlich alle vernünftigen Menschen in der Community voll darin zu unterstützen, hier kritische Fragen zu stellen und einen sensibleren Umgang mit der geschilderten Thematik einzufordern.
  • Antworten » | Direktlink »