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In Amerika ist erneut ein Soldat entlassen worden, nachdem er sich geoutet hat. Präsident Obama hat die Abschaffung des Homo-Banns im Militär versprochen - einer Soldatin sogar persönlich. Doch die vom neuen Präsidenten zunehmend enttäuschten Homo-Aktivisten erwarten mehr als nur ein paar Worte.

Von Norbert Blech

Amerika diskutiert erneut über Schwule und Lesben im Militär. Anlass ist das Coming-out eines Leutnants in einer TV-Sendung, der daraufhin entlassen wurde. Der bei der New Yorker Nationalgarde als arabischer Sprachwissenschaftler beschäftige Dan Choi hatte sich live in der Meinungs-Nachrichtensendung von Rachel Maddow bei MSNBC geoutet, in dieser Woche erhielt er sein Entlassungsschreiben. Das öffentliches Einräumen seiner Homosexualität werde als homosexuelles Verhalten gewertet, das nach der unter Bill Clinton erlassenen "Don't ask, don't tell" Regel verboten ist.

Choi habe die Ordnung und Disziplin der Armee negativ beeinflusst, heißt es weiter in dem Schreiben. Der Ex-Leutnant, der für sein Land unter anderem im Irak im Einsatz war, bezeichnete den Entlassungsbrief in einem neuerlichen Auftritt in der TV-Show als "Beleidigung".

Bill Clinton hatte die umstrittene Regelung 1994 als unbefriedigenden Kompromiss eingeführt: früher durften Schwule gar nicht in der Armee dienen, nun durften sie, solange sie sich als solche nicht zu erkennen gaben. Der neue US-Präsident Barack Obama hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, die Regelung aufzuheben. Allerdings sind amerikanische Homo-Aktivisten mittlerweile frustriert über die Diskrepanz zwischen Ankündigungen und tatsächlichem Handeln des Präsidenten - dass Obama noch keine Zeit fand, sich für Homo-Belange einzusetzen, ist sogar schon CNN aufgefallen (Video) - der Sender kritisiert sogar aktives Schweigen.

Bezüglich Lesben und Schwulen im Militär hat Obama aber ein kleines Zeichen gesetzt: In einem Schreiben an den neuen Präsidenten hatte sich Leutnant Sandy Tsao im Januar geoutet und auf die "Don't ask, don't tell" Regelung aufmerksam gemacht. Nachdem die Soldatin den Brief in einem Homo-Magazin aus Chicago veröffentlichen ließ, erwartet sie nun, ebenfalls entlassen zu werden.

Die Überraschnug: Obama setzte einen handgeschriebenen Antwortbrief auf: "Liebe Sandy, danke für Ihren wundervollen und nachdenklichen Brief. Es ist aufgrund der hervorragenden Leistungen von Amerikanern wie Ihnen, dass ich mich verpflichtet sehe, die derzeitige Verfahrensweise zu ändern. Obwohl es einige Zeit in Anspruch nehmen wird (da es Handlung im Kongress bedarf), beabsichtige ich, diese Verpflichtung zu erfüllen."

Choi und Tsao sind Mitglied des Vereinigung "Knights Out", die für die Abschaffung von "Don't ask, don't tell" kämpfen. Seit der Einführung der Regelung wurden rund 12.500 Soldatinnen und Soldaten aufgrund von Homosexualität entlassen, darunter rund 60 Arabisch sprechende Linguisten. "Knights Out" weißt gerne darauf hin, dass das amerikanische Außeministerium am 10. September 2001 eine Nachricht von Irgendwo aus Arabien erhielt, die übersetzt "Morgen ist die Stunde Null" hieß. Sie wurde aufgrund von Personalmangel nicht rechtzeitig übersetzt.

Youtube | Das Coming-out von Leutnant Dan Cho


#2 nino89
  • 09.05.2009, 10:49h
  • Gut, zur Zeit lasse ich bei Obama noch als Argument gelten, dass es noch andere (und leider auch teilweise wichtigere) Themen gab, die es zu lösen galt. Außerdem bekamen die Demokraten vor kurzem erst die absolute Mehrheit in beiden Parlamentskammern.

    Aber trotzdem sollte er sich langsam mal etwas aus dem Käse bwegen, sonst wird er immer unglaubwürdiger.
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#3 FloAnonym
  • 09.05.2009, 14:03h
  • Auch wenn ich die Hoffnung noch nicht aufgebe, so fürchte ich, dass Obama daran nichts ändern wird.

    USA bleibt halt USA!
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#4 seb1983
  • 09.05.2009, 15:05h
  • Selbstverständlich muss diese Regel abgeschafft werden, wobei sie von der Realität schon lange überholt worden ist.
    Habe einige Bekannte im US Militär da wir in der Nähe noch große Standorte haben. Von denen höre ich dass es sehr beliebt geworden ist vor drohenden Irakeinsätzen die Regenbogenflagge zu schwingen, oder auch beliebt: Sich verpflichten, als Flugzeugingeneur etc. ausbilden lassen und nach einer Topausbildung das Outing, gerne auch von Heteros, um dann in die Privatwirtschaft wechseln.
    Im Ergebnis hört man immer öfter vom Vorgesetzen: Machen sie ihren Job, der Rest interessiert mich nicht.
    Trotzdem bleibt Don't ask don't tell eine diskriminierende Regelung die den Zusammenhalt mit Sicherheit nicht stärkt!
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#5 The RisingAnonym
  • 09.05.2009, 21:39h
  • Antwort auf #3 von Flo
  • Eine deutliche Mehrheit der US-Amerikaner befürwortet laut jüngsten Umfragen die Aufhebung von "Don't ask, don't tell". Man darf davon ausgehen, dass Präsident Obama lediglich auf einen günstigen Moment wartet und sich ausführlich mit der Militärführung abstimmen will, um sein ausdrückliches Versprechen, das er bei Amtsantritt nochmals erneuert hat, einzuhalten.

    In diesem Zusammenhang sollte man sich vor Augen führen, dass Barack Obama wohl vor allem nicht die Fehler von Bill Clinton wiederholen will, der bei seinem Amtsantritt 1993 ohne Abstimmung mit der Militärführung und auch mit seiner eigenen Partei vorpreschte, um Homosexuelle offen im Militär dienen zu lassen, dann aber an diversen Widerständen scheiterte (die freilich teilweise auf die damals noch weitaus ungünstigere öffentliche Meinung in dieser Frage zurückgingen) und DADT als "Kompromisslösung" akzeptieren musste.
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