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Erstmals seit 2001 stabilisiert sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen in Deutschland: Im vergangenen Jahr wurde bei 2.806 Menschen der HI-Virus erstmalig festgestellt. Das sind 1,2 Prozent mehr als 2007. Der Anteil der Übertragungen durch schwulen Sex liegt bei den bekannten Fällen konstant bei 65 Prozent. Nur in Berlin ist der Anstieg der HIV-Neudiagnosen ungebrochen.

Von Dennis Klein

In den letzten Jahren hat die Zahl der neu festgestellten HIV-Übertragungen gerade unter Schwulen stets zugenommen. Wurden 2001 noch über 500 Fälle diagnostiziert, hat sich der Wert bis 2007 praktisch verdreifacht. Erstmals meldete das Robert-Koch-Institut in seinem jährlichen Bericht ein Ende des Anstiegs: 2007 mussten die Ärzte noch 1.552 Männern mitteilen, dass sie sich durch schwulen Sex mit dem HI-Virus angesteckt hatten; 2008 gab es mit 1.555 Fällen praktisch keine Veränderung. Damit machen diese offiziell als MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) bezeichnete Gruppe nach wie vor rund zwei Drittel aller Neudiagnosen aus, bei denen der Grund der Übertragung bekannt ist. An zweiter Stelle folgt Hetero-Sex (18 Prozent).

Die immer noch hohe Zahl zeigt, dass Prävention und Forschung weiterhin wichtig sind", erklärte RKI-Präsident Jörg Hacker bei der Vorstellung des Berichtes. Besonders für Schwule versprechen die Ergebnisse keine Entwarnung. Brennpunkt ist dabei Berlin: Gegen den Bundestrend sind die Neudiagnosen unter Schwulen um sieben Prozent gestiegen. Gleichzeitig sorgt ein Anstieg der Syphilis-Fälle für Unruhe – hier wurden 2008 ganze 44 Prozent mehr Fälle gemeldet als im Jahr zuvor (queer.de berichtete). "Die neue, nicht nur in Berlin sondern auch in Hamburg zu beobachtende Syphiliswelle folgt jeweils auf eine dreijährige Periode rückläufiger Meldezahlen", heißt es im Bericht des RKI. "Dies könnte eine Warnung sein, dass eine Zunahme der Syphilisinzidenz auch in anderen Regionen in den kommenden Jahren wieder zu einem Ansteigen der HIV-Neudiagnosezahlen führen kann." Syphilis lässt sich leichter übertragen als HIV und wird in vielen Fällen erst spät bemerkt. Zwar kann die Krankheit mit Penicillin behandelt werden, aber während der Infektionszeit ist der Körper anfälliger für eine HIV-Infektion.

Als weiterer Trend nimmt der Anteil der über 40-Jährigen an den neuen Infektionsfällen immer mehr zu. Teilweise könne diese Tendenz durch den Geburtenrückgang nach dem Pillenknick erklärt werden, so das RKI. Außerdem ließen sich ältere weit weniger oft testen als Jüngere. Anteilsmäßig stellen die 40-49-Jährigen aber inzwischen mehr Neudiagnosen als die 20-29-Jährigen.

Insgesamt, so schätzt das RKI, erkrankten nach wie vor 1.100 Menschen pro Jahr an Aids. Diese Zahl sei "unakzeptabel hoch": "Zwar kann in vielen dieser Fälle durch eine effektive antiretrovirale Therapie wieder eine deutliche klinische Verbesserung erreicht werden, trotzdem wird die langfristige Prognose in diesen Fällen durch den einmal erreichten schweren Immundefekt und den späten Behandlungsbeginn beeinträchtigt", so der RKI-Bericht. Hier müssten neue Strategien entwickelt werden, um HIV bei den Risikogruppen früher festzustellen und damit früher mit der Behandlung beginnen zu können. Denn eines sei klar: "Aids ist heute eine weitgehend vermeidbare Komplikation einer HIV-Infektion. Um Aids-Erkrankungen zu vermeiden, muss eine HIV-Infektion aber rechtzeitig diagnostiziert und konsequent behandelt werden."



17 Kommentare

#1 RabaukeAnonym
  • 26.05.2009, 15:15h
  • Auch wenn man hier von einer "Stabilisierten Zahl" spricht, ist es immer noch zu hoch. Allen Menschen, gleich welcher Sexualität, gehört meine persönliche Solidarität. Denn, diese immer noch tödlich verlaufende "Bestie" HIV, Aids ist nicht besiegt. Von einer wie es heißt "Entwarnung" kann man, gerechnet anhand der letzten Jahre, schon reden. Reden alleine bringt uns aber nicht weiter. Die Gesellschaft, ob "jung" ob "alt" muß sich mehr denje in ihr Bewusstsein holen, daß eine Behandlung, keinesfalls jedoch Heilung möglich ist. HIV und Aids geht uns Alle etwas an!
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#2 LennyAnonym
  • 26.05.2009, 15:29h
  • Und wieder fehlt die Anzahl derer die sich haben testen lassen. Nur dann geben die Zahlen wirklich Aufschluss über Tendenzen bezüglich Neuinfektionen.

    Und damit man mir das auch glaubt ein kleines Rechenbeispiel:
    Stadt A hat 1000 Einwohner. Davon stecken sich jährlich konstant 50 mit HIV an. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden mit einer HIV-Neuinfektion zu finden ist also 5%.
    2007 lassen sich 100 Leute testen. Nach den Regeln der Stochastik sind also 5 Neuinfektionen dabei.
    2008, dank erhöhter Öffentlichkeitsarbeit der einschlägigen Vereinigungen, lassen sich 200 Leute testen. Und nun tauchen da plötzlich 10 Neuinfektionen auf.
    Wenn ich jetzt aber in der Presse melde, dass sich die Zahl der Neuinfektionen verdoppelt hat, so stimmt das nicht.
    Das ist jetzt arg vereinfacht, bringt aber hoffentlich rüber was ich sagen will.

    Höchstwahrscheinlich ist sowohl eine Erhöhung der Neuinfektionen als auch eine Zunahme derer die sich testen lassen verantwortlich für die Zahlen. Aber solange niemand die Anzahl der Negativtestergebnisse erhebt werden wir das auch nicht genauer wissen.
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#4 bananasEhemaliges Profil
  • 26.05.2009, 17:39h
  • Erschreckend, daß 28 Prozent, von derzeit 56000 Infizierten in Deutschland, Ihr HIV Status überhaupt nicht bekannt ist.
    Zu lesen in der Beschreibung zu einem neuen H&M Clip, u.a. mit Robyn und Katy Perry.

    "H&M Fashion Against AIDS 2009"

    www.youtube.com/watch?v=ioG-ZQ6rGDU
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#5 AndréAnonym
  • 26.05.2009, 19:35h
  • Ich frag mich eher, wie da noch HIV-negative übrig bleiben können, seit Jahren steigt ndie Zahl der Neuinfizierten aber wo kommen die alle her, wenn die positiven immer mehr werden?
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#6 religiophoberAnonym
#7 religiophoberAnonym
  • 26.05.2009, 20:31h
  • Ich halte diese ganze Diskussion für einen ziemlichen Humbuk, denn in schwulen kreisen wird geraucht wie die schlote(lungenkrebs), gesoffen bis die heidi wackelt(Fettleber bis zirrhose) und drogen genommen bis zum abwinken(sonstige folgeschäden bis hin zu psychatrie). ansonsten werden lösemittel geschnüffelt(lungenschäden) und darmspülungen angewendet.

    bei all dem zeug, womit sich schwule permanent und voll beabsichtigt schaden, halte ich es für reine heuchelei dann zu sagen "nur mit gummi".

    besser kann mann sich nicht selbst belügen.

    aber egal, ich poppe ohne, mit meinem kerl
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#8 Thomas Birk, MdAAnonym
  • 26.05.2009, 20:45h
  • Antwort auf #2 von Lenny
  • Selbst wenn Deine These stimmt, Lenny, dass der Anstieg der Neudiagnosen auf vermehrte Testbereitschaft zurückzuführen sein könnte, so zeigt dass doch nur, dass wir es auch in den Jahren mit niedrigeren Infektionsnachweisen um den Jahrtausendwechsel mit einem möglicherweise hohem realen Infektionsniveau zu tun gehabt haben. Also in keinem Fall eine Ausrede, jetzt nicht endlich vermehrt in die HIV-Prävention vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, zu investieren. Stattdessen werden viele Einrichtungen und Träger seit Jahren auf dem gleichen niedrigen Niveau gefördert, d. h. angesichts der Teuerungsrate real gekürzt, oder sie wurden, wie in Berlin sogar tatsächlich gekürzt. Ein Skandal angesichts der vorliegenden Daten!
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#9 alfAnonym
  • 26.05.2009, 21:29h
  • @religiophober

    "aber egal, ich poppe ohne, mit meinem kerl"...
    Na toll, Du weisst schon, dass reichlich Infektionen in "treuen" Beziehungen passieren.
    Aber auf die ach so Schlimmen schimpfen,die sich ausserhalb der Ehe infizieren. Verlogener gehts ja wohl nicht.
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#10 untersatz
  • 26.05.2009, 22:46h
  • Antwort auf #8 von Thomas Birk, MdA
  • Meiner bescheidenen Wahrnehmung nach ist die HIV-Prävention durchaus gut aufgestellt (eben auch durch viel persönlichen, sinnbringenden Einsatz, Geld ist hier wahrlich nicht alles). Also wer da gar nichts mitkriegt, muss schon selten autistisch durch die Gegend laufen. Oder er spielt gern mit dem Feuer, aber dann bitte nicht bei den Gutmeinenden und Helfern in allen Lebenslagen (gerade auch wenns passiert ist) beklagen. Überhaupt: ich als Angehöriger einer Riskiogruppe kriegte erst neuerdings "einfach so" die doppelte Hepatitisimpfung, die die Krankenkasse wohl so ca. 200 EUR kostet.
    Wenn man Aidsaktivisten von früher erzählen hört, wird einem ganz anders. Völlig andere Ausgangssituation. Heute sind wir in jeder Hinsicht verwöhnt!
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