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Der tschechische Videokünstler Mark Ther kreiert Kurzfilme und Trailer, in denen er lustvoll mit sexueller Identität, Fetischen und vielen Tabus spielt. Er erntet Entsetzen und Entzücken zugleich.

Von Christian Scheuß

Die Besucher des sechsten Kulturfestivals für Toleranz im polnischen Krakau staunten Ende April nicht schlecht über die Filme, die ihnen ein junger Berliner Autor mitbrachte. Im Film "Hanes" liegen zwei Männer leblos vor und auf dem Bett. Der Sex, den sie wohl zuvor hatten, muss etwas härter gewesen sein, denn sie sind blutüberströmt und tragen schwere Verletzungen am ganzen Körper. In "Ther" liegt ein junger Mann gelangweilt auf dem Bett. Eine alte Frau in Omapantoffeln betritt das Schlafzimmer. Erst am Ende sieht man ihr grotesk überschminktes Gesicht. In "Ruhe, im Stall furzt die Kuh" flirtet ein junger Nazioffizier mit einem polnischen Stallburschen, der aber leider ertrinkt.

Der aus Berlin stammende Travis Jeppesen hatte für das schwul-lesbische Kulturfestival in Krakau einen Vortrag über "Queer Art" im Gepäck, und stellte darin einen hierzulande noch völlig unbekannten tschechischen kreativen Kopf vor. Mark Ther heißt der Videokünstler, der zahlreiche Kurzfilme und Trailer produzierte, die eines gemeinsam haben: Sie provozieren, irritieren, sind schräg, spielen mit Geschlechterrollen und diversen Tabus.

Jeppesen hatte zuvor ein paar Jahre in Tschechien gelebt, und dort den heute 30-jährigen Mark Ther kennengelernt. Er ist begeistert von dessen Arbeiten und will ihn nun einem breiteren Publikum bekannt machen. Ther ist für ihn eindeutig ein "Queer Artist". Seine Begründung: "Queer heißt für mich, Widerstand gegen einen Code. Nicht nur einen sexuellen Code, sondern alles, was versucht, eine normative Sprache, Kultur, Denkschule oder ein Wertesystem zu installieren." Ther stellt mit kurzen knappen filmischen Statements Wertesysteme, Schubladendenken und Denk- wie Sehgewohnheiten in Frage.

Dafür reichen ihm mitunter sogar 30 Sekunden, wie er mit seinen Trailern für diverse Kulturfestival beweist. Darin wälzt sich ein übergewichtiger Damenimitator auf dem Boden, der mit seinen Füßen eine überdimensionale Viagrapille streichelt. Ein älterer Mann kriecht in Damenstrumpfhosen auf dem Boden seines Wohnzimmers herum, streckt lüstern seine Zunge in Richtung des Zuschauers. Und das heterosexuelle Techtelmechtel in einem Auto endet mit einem ganz anderen Austausch von Körperflüssigkeiten.

teaserbild
(6 Videos) Clips des tschechischen Videokünstlers Mark Ther, schön schräg und irritierend.



#1 jochenProfil
  • 26.05.2009, 22:14hmünchen
  • mit scheisse, blut im intimbereich und fürzen, mit kotze und mit älteren geilen menschen lässt sich so plakativ natürlich immer sehr leicht "provozieren" ..... ist aber keine grosse kunst.
    es erzeugt bestenfalls aufmerksamkeit für den macher.

    (.... oder sind splatterfilme - in denen mit viel viel blut hantiert wird auch kunst.? - 1. video "hanes")

    für mich ist diese provokation zu billig.

    beeindruckt hat mich es nicht, ...( höchstens abgestoßen das ein oder andere)

    subtiles aus dem alltag, entlarvendes, sich manchmal sogar selbst darin erkennen, .... das zu zeigen wäre schwerer, wäre aber auch beeindruckender .
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#2 gniwerjProfil
  • 26.05.2009, 23:17hdortmund
  • Antwort auf #1 von jochen
  • natürlich sind splatterfilme kunst. sieh dir dawn of the dead (1979) (noch)mal an ...bestenfalls uncut. ziemlich gesellschaftskritisch.
    könnte dir noch massig beispiele nennen, o.g. ist aber wohl eins der besten.
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#3 pupsAnonym