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Der 44-jährige Thilo aus Brandenburg hat sich als sogenanntes Rollenmodel beim Präventionsprojekt IWWIT gemeldet, und dort seine Geschichte erzählt. Wir dokumentieren in Auszügen, was Ihr auf www.iwwit.de im Detail nachlesen könnt. Wer will, kann dort auch mit Thilo Kontakt aufnehmen und mit ihm diskutieren.

"Bis in die 90er Jahre gab es für mich HIV und Aids eigentlich gar nicht. Ich habe bis dahin eigentlich auch keinen Safer Sex gemacht. Irgendwann habe ich es dann natürlich mitgekriegt und von da an habe ich eigentlich immer auf Safer Sex geachtet. Ich hatte zu dieser Zeit auch einige Liaisons – bin regelrecht abgetaucht in der Szene. Aber ich habe eben eigentlich immer ein Gummi benutzt und aufgepasst, dass beim Blasen keiner abspritzt.

Natürlich habe ich mich auch auf HIV testen lassen. Meinen letzten negativen Test hatte ich 1994. Da wurde ich aber bereits zwei- oder dreimal nachgetestet. Dann kam eben ein negatives Ergebnis heraus. Ich bin mir aber wirklich nicht sicher, ob ich zu diesem Zeitpunkt nicht doch schon positiv war, denn ich nehme an, dass die Infektion etwa in diese Zeit fiel. Ich hatte auch diese Symptome einer frischen Infektion, jedenfalls nehme ich heute an, dass es durch HIV kam: Heftige Sommergrippe, Allergie gegen alles Mögliche. Ich kam aber auch nicht auf die Idee, dass es HIV sein könnte, da ich ziemlich safen Sex hatte in dieser Zeit. Klar, es gab die eine oder andere Situation, an die ich mich erinnere, zum Beispiel in der Sauna. Aber eigentlich weiß ich bis heute nicht genau, wo oder was es gewesen ist.

Nach dem Testergebnis ging meine Beziehung in die Brüche

Wahrscheinlich hat es mich deshalb auch so hart getroffen, als ich dann 1997 mit einer Hammer-Methode erfahren habe, dass ich HIV-positiv bin. Eigentlich wollte ich an einer Medikamentenstudie teilnehmen. Dafür musste ich eben auch einen Test machen, das habe ich unterschrieben. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, dass ich es haben könnte. Und unter irgendeinem fadenscheinigen Grund wurde ich dann nicht zugelassen zu der Studie. Dann sollte es noch ein Abschlussgespräch dazu geben, um mir den Grund dafür mitzuteilen. Das Gespräch mit dem Arzt war dann recht kurz und knapp. Er sagte nur, dass ich mir ja sicher vorstellen könne, was los ist. Nee, das konnte ich nicht – aber natürlich dämmerte es mir dann schon. "Ja", sagte er, "Sie sind HIV-positiv, davon geht die Welt nicht unter, und wir haben hier auch Studien für HIV-Positive." Dann gab er mir noch die Nummer von der Berliner AIDS-Hilfe, falls ich Fragen habe. Und dann war ich da raus. Gleich nachdem ich mein Testergebnis hatte, da ist auch meine damalige Beziehung in die Brüche gegangen. Er war einfach so voll mit Ängsten, und damit war die Sache erledigt.

Von Anfang an habe ich den gleichen Schwerpunktarzt, mit dem ich ein gutes Arrangement getroffen hatte: Mit der Therapie wollte ich so spät wie möglich beginnen, aber natürlich auch so früh wie nötig. Und 2004 habe ich dann begonnen, Medikamente zu nehmen. Ich hatte massive Nebenwirkungen, vor allem fürchterliche Albträume. Es hat einige Zeit gedauert, die richtige Kombi zu finden. Es ist auch heute noch nicht optimal, aber es wirkt hervorragend, und die Nebenwirkungen sind erträglich. Ich war auch 2001 schon einmal sehr krank. Danach habe ich dann direkt Rente beantragt. Es wäre gut gewesen, wenn man mir am Anfang einmal gesagt hätte, was ich noch zur persönlichen Absicherung hätte machen können. Denn wenn HIV bekannt ist, dann kriegst Du keine Versicherungen mehr. Daher bin ich nicht so gut versorgt, wie ich mir das gewünscht hätte. Unter anderem deshalb bin ich immer auch nebenbei berufstätig.

Nachdem ich dann nach dem Test wieder Single war, hatte ich von Beziehungen auch erst einmal die Faxen dicke. Und ich hatte ja plötzlich auch das Problem: Sage ich, dass ich HIV-positiv bin, oder sage ich es nicht? Ich habe es je nach Bauchgefühl dann eben mal gesagt und ein anderes Mal halt nicht.

Ich hatte auch eine ziemlich exzessive Phase. Ich bin in die Sauna gegangen. Vor dem Sex wurde nicht viel geredet, sondern einfach nur geschaut, ob man sich sympathisch ist. Aber ich habe darauf geachtet, dass ich nicht abspritze und mich nicht ohne Gummi ficken lasse. Das war sicherlich keine besonders befriedigende Zeit, obwohl ich Lust auf eine ganze Menge Sex hatte. Aber ich konnte mich eben nicht so ausleben. Ich hätte gern einfach mal meinen Kopf ausgeschaltet. So nach und nach habe ich versucht, ein Arrangement für mich zu finden. Denn immer habe ich mir die hundert Prozent Verantwortung aufgesackt. Aber es gibt mindestens immer zwei, die diese tragen.

Ich habe mich als Virenschleuder gesehen

Neben dieser exzessiven Phase gab es aber auch Zeiten, in denen ich gar keine Lust auf Sex hatte. Ich habe mich als Virenschleuder gesehen, hatte Angst, jemanden anzustecken. Die meisten Probleme hatte ich dann, wenn ich mich irgendwie im privaten Rahmen getroffen habe. Denn dann hat man oft auch noch ein bisschen Gespräch vorher und nachher. Und dann war da eben die Frage: Wie gehe ich mit HIV um, wenn es plötzlich Thema wird? Wenn ich dann auch noch wusste, dass jemand definitiv nicht positiv war, dann hatte ich sehr kopflastigen Sex. Ich konnte mich nicht richtig fallen lassen. Es hat mich sehr belastet und mein Sexualverhalten stark verändert.

Seit ich positiv bin, ist es mir noch wichtiger, mich selbst zu verwirklichen. Zum Beispiel habe ich nur ein paar Monate nach dem Testergebnis die ersten Nacktfotos machen lassen. Das ist ein Beispiel – aber das sind eben Dinge, die ich schon immer wollte, die ich aufgrund irgendwelcher Zwänge nicht gemacht habe. Die waren mir dann egal. Ich hatte ja damals noch die Panik, jetzt noch zwei oder drei Jahre, und dann ist Schluss. Dann kam aber auch irgendwann die Einsicht: Na ja, Kopf in den Sand stecken geht gar nicht."



35 Kommentare

#1 TommAnonym
  • 28.05.2009, 16:34h
  • Sorry - aber wenn ich den Bericht lese, fällt mir wirklich NIX mehr dazu ein (...)

    Gut - es hat mehr als 10 Jahre gedauert, bis es sich auch nach Brandenburg zu Thilo herumgesprochen hat, das es sowas wie HIV & AIDS gibt (...)

    Aber dann hier noch schreiben: "Ich habe es je nach Bauchgefühl dann eben mal gesagt und ein anderes Mal halt nicht" ...

    Sowas geht ja gar nicht !!! Da krieg ich ja sooooon Hals !!!
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#2 skydiverProfil
  • 28.05.2009, 16:47hStuttgart
  • Eigentlich müsste die Headlein heißen: " Ich würde gern mal beim Sex den Kopf (das Gehirn) einschalten!"
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#3 YavannahAnonym
  • 28.05.2009, 17:03h
  • in jedem zweiten satz so aussagen wie "ziemlich safer sex" und "eigentlich...aber"...himmel, hilf! wie kann man so was dummes nur veröffentlichen? und dass die selbstverwirklichung darin besteht, nacktfotos (!!!) von sich machen zu lassen...ohne worte.
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#4 TiloAnonym
  • 28.05.2009, 17:48h
  • Den Text hier von Thilo, und dann der fette Zusatz der DAH "Ich weiss was ich tu!" iss ja echt der Hammer !!

    Also - wenn ich ficken ohne Gummi auf volles Risiko als Grund zur "Selbstverwirklichung" sehe ... nee näh ?! Geht gar nicht ...
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#5 zielgruppeAnonym
#6 MarstophProfil
  • 28.05.2009, 19:28hBerlin
  • Das wird nur vom *großen IWWIT-Quiz mit Sexifikat* getoppt....
    Ob die Herrschaften und Doktoren von der DAH auch mal lesen, was die Community so von der großartigen Kampagne hält.

    Wenn ich mir überlege wieviel Geld alleine für die Erstellung und Bewertung der Anzeigenmotive draufgeht, wird´s mir ganz schwindlig. Das ist der Jahrestetat der kleinen AIDS-Hilfe für die ich arbeite...
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#7 XDAAnonym
#8 alfAnonym
  • 28.05.2009, 21:10h
  • Wenigstens mal einer, der ehrlich sagt, wie es ihm geht mit der Infektion und wie schwer es ist als Positiver in der sogenannten "Community" zu leben. Es ist auch nicht immer leicht, den Botschaften der Präventionisten zu folgen. Dazu steht aber kaum jemand! Und darüber redet kaum jemand. Danke Thilo für Deine Offenheit und Authentizität!!
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#9 alfAnonym
  • 28.05.2009, 21:42h
  • @marstoph
    Du arbeitest in der Aids-Hilfe? Auweia. Du hast ja gar nichts verstanden. Strukturelle Prävention? Solidarität? Entstigmatisierung? Alles black box für Dich? Schäm Dich!
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#10 alfAnonym
  • 28.05.2009, 22:04h
  • @ marstoph
    Du arbeitest bei der Aids-Hilfe? Aber noch nie was von Entstigmatisierung und Solidarität gehört? Strukturelle Prävention? Auweia. Da wundert´s mich nicht....
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