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Jasco ist eines der Rollenmodelle auf dem Präventionsportal der Deutschen AIDS-Hilfe "Ich weiss, was ich tu". Seine spannende Biographie – aus der wir hier Auszüge veröffentlichen – ist im Detail auf www.iwwit.de nachzulesen. Dort kann man mit ihm auch direkt über seine Ansichten diskutieren.

Als ich noch als Frau gelebt habe, war ich auch in einem Frauen-Kollektiv hier in Berlin, und dort wurde regelmäßig eine Transgender-Debatte geführt. Es war aber auch dort sehr schwierig, offen damit umzugehen. Aber nach und nach haben sie sich dann geöffnet für andersgeschlechtliche Menschen, was mich sehr gefreut hat.

Die schwule Szene ist da noch ein bisschen hinterher. Da begegnen mir noch viele Anfeindungen. Es fängt schon damit an, dass die schwule Szene von weißen Männern dominiert wird. Deswegen bewege ich mich halt auch gern in der türkischen schwulen Szene. Da fühle ich mich wesentlich wohler. Die Mainstream-Szene interessiert mich nicht so. Ich habe da auch keinen Zugang zu. Das fängt bei rassistischen Äußerungen an und hört bei transphoben auf. Für mich ist die Szene da eben leider nicht offen. Es kommt schon öfter vor, dass mich ignorante Menschen "Neger" nennen. Das muss nicht mal böse gemeint sein – aber die verstehen nicht, dass dieser Begriff einfach nicht angebracht ist.

Ich vermeide es, in solche Situationen zu kommen. Natürlich auch aus Angst, auf die Fresse zu kriegen. Also wenn ich in den Darkroom gehe, ich meine, ich will ja auch niemanden hinters Licht führen und vor den Kopf stoßen. Im Chat sehen sie zuerst mein Bild: Tätowiert und nicht weiße Hautfarbe. Für die bin ich dann natürlich gleich dominant und hab einen großen Schwanz. Diese Diskriminierungserfahrungen machen auch viele türkische Freunde von mir. Da heißt es: "Der türkische Hengst" und so weiter. Wenn sie mein Profil aber richtig lesen, kommt es auch schon mal zu wirklich handfesten Sachen, zum Beispiel so nach dem Motto: "Du hast doch keinen Schwanz, wieso schreibst du mich an?"

Seit einigen Jahren bin ich Mitveranstalter von einer queeren SM-Party. SM ist ein Teil meiner Sexualität, aber es ist nicht unbedingt zwingend so. Ich meine, ich kann auch Blümchen-Sex haben – aber dann stehe ich auch eher auf die härtere Variante von Blümchen-Sex. Es ist einfach schön, dass es etwas gibt, bei dem der Schwanz nicht so eine große Rolle spielen muss. Primäre Geschlechtsmerkmale sind da eben nicht so wichtig, um eine intensive Begegnung zu haben. Es gibt so viele Möglichkeiten der sexuellen Interaktion. Letztlich spielt es nicht einmal eine Rolle, welches Geschlecht eine Person hat. Es ist ein Spiel, das zum Beispiel auf unserer Party in einem geschützten Rahmen stattfindet.

Was Beziehungen angeht, habe ich auch so meine Erfahrungen gemacht. Mir ist da Offenheit wichtig – so SM-Beziehungen, in denen die Rollenverteilung klar ist, also wo geregelt ist, wer die Hosen anhat, das geht für mich gar nicht.

Gerade online wird man sehr viel mit dem sehr freien sexuellen Verhalten vieler Menschen konfrontiert, wo das [Thema HIV] nie eine Rolle spielt. Wenn ich ein Date mache, dann ist es in 99 Prozent der Fälle so, dass ich dieses Thema anspreche. Und es ist oft so finster, darüber zu reden, weil sich da wirklich Abgründe auftun. Oft kommt es dann auch gar nicht zu einem Treffen, weil ich zum Beispiel offen frage, was mit den Bildern da im Profil ist, wo kein Gummi benutzt wird. Man kriegt da nicht immer ehrliche Antworten. Und ich spreche das Thema wirklich immer an. Ich will wissen, was das für ein Mensch ist und welches Bewusstsein er für sich und seinen Körper hat und was das sexuelle Verhalten angeht.

Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass es so viel Nichtwissen gibt. Es sind viele Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass Crisco Kondome durchlässig macht. Es gab da mal einen Typen, der mir erzählte, dass er nach dem Fisten den Typen gern noch fickt. Das war so ein verheirateter Bi-Typ. Und dann meinte ich: "Ja, du weißt aber schon, dass das ziemlich unsafe ist." Der war daraufhin wirklich erstaunt – er wusste das einfach nicht.



#1 yavannahAnonym
  • 02.06.2009, 19:12h
  • so ein unsinn, es wird immer alberner. kommen vielleicht auch mal KEINE freaks zu wort?
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#2 Aramis
#3 Benedictus
  • 03.06.2009, 01:31h
  • Dass "die Szene" nicht ganz so tolerant ist, wie man glaubt, war mir nicht neu.

    Ich erlebe es auch oft am eigenen Leib. Das Beispiel mit dem politisch inkorrekten Wort "Neger" und dem Klischeedenken über schwarze Hengste mit großen Schwanz kann ich voll bestätigen. Diese Klischees gibts tatsächlich.

    Und dass schwule Männer ein Problem mit Transen, Transmännern und manchmal sogar mit Lesben haben, sie in diesem Forum sogar als Freaks beschimpfen, bzw, ihnen gegenüber einfach ignorant sind, habe ich auch schon oft erlebt.

    HIV-Positive und Barebacker dürfen sich in die Gruppe der Diskriminierten ebenso einreihen.

    Das Verurteilen und Abwerten von anderen Sexualpralktiken, die in ihren Augen nicht üblich sind, kommt auch häufig unter schwulen Männern vor, obwohl sie es ja besser wissen müssten, da sie ja selbst wegen ihrer abnormen Sexualpraktik diskriminiert werden.

    Die Altersdiskriminierung muss ich ja nicht erwähnen. Die wird jeder ab 27 Jahren kennenlernen...

    Man glaubt gar nicht, was Schwule so alles an Toleranz von den Heterosexuellen einfordern, aber sie selbst haben diesbezüglich große Defizite, die sie sich nicht einmal eingestehen wollen.
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#4 seb1983
#5 PeterPazacAnonym
  • 03.06.2009, 15:11h
  • Kleiner Tipp an die Redaktion zu Eurer Überschrift:

    Bei der DAH sagt Jasco "Ich will ein Maximum an Spaß bei einem *MAXIMUM* an Schutz" nicht Minimum.

    So wie es hier bei queer.de drinsteht, hiesse es ja, der Junge möchte möglichst viel rumpoppen mit möglichst keinem Schutz! Das ist wohl kaum das, was die DAH sagt... :-)

    ooops! Danke für den Hinweis! Wurde sofort geändert! (Redaktion)
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