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Anfang Mai hat Corine Mauch ihr Amt als Stadtpräsidentin der Stadt Zürich angetreten. Als erste Lesbe in dieser Position ist sie jetzt der neue Superstar in der Community. Queer.de sprach mit der sozialdemokratischen Politikerin am Rande des Europride.

Von Christian Scheuß

Sie sind seit Anfang Mai in Amt und Würden. Ihr erstes Resümee nach rund fünf Wochen?

Es ist arbeitsreich und sehr spannend.

Gab es denn von den ebenfalls gleichgeschlechtlich liebenden Amtskollegen Bertrand Delanoë aus Paris oder Klaus Wowereit aus Berlin Glückwünsche?

Ja, Herr Wowereit hat mir geschrieben und er hat mich eingeladen, zum Leichtathletik-Event im August vorbei zu kommen. Das hat mich sehr gefreut.

Klaus Wowereit hat ja damals das Heft in die Hand genommen, und sich vor der Wahl öffentlich bekannt, um zu vermeiden, dass politische Gegner das eventuell als Argument gegen ihn verwenden. Wie war es bei Ihnen?

Ich habe mir natürlich vorab und gemeinsam mit meinen Freunden Gedanken darüber gemacht. Wird das ein Thema werden, haben wir uns gefragt. Ich habe aber nie ein Geheimnis aus meinem Privatleben gemacht und es stand für mich außer Frage, das irgendwie zu verheimlichen. Dann hätte ich das Amt nicht gewollt, wenn ich es hätte tun müssen. Manche Freunde hatten Bedenken, ich selber war aber recht optimistisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas in Zürich im Jahr 2009 noch passieren kann. Und hätte jemand versucht, das als Argument gegen mich zu verwenden, wäre die Empörung darüber in der Stadt sicherlich sehr groß gewesen.

Und die Medien?

Es gibt hier das Gratisblatt "20 Minuten", die hatte am Tag nach meiner Nominierung getitelt: "Eine Lesbe als Stadtoberhaupt?". Darauf hat das andere kostenlose Boulevardblatt "Blick am Abend" sofort reagiert mit der Zeile: "Eine Lesbe als Stadtoberhaupt – Na klar!"

Jetzt kam ja Ihr Amtsantritt zeitlich genau richtig zum Europride 2009…

Das ist ein Riesenzufall, das war gar nicht geplant. Mein Vorgänger hatte vorzeitig den Rücktritt erklärt. Regulär hätten wir erst in einem Jahr gewählt.

Wie sind denn die bisherigen Reaktionen der Community, welche Hoffnungen und Erwartungen wurden an Sie gerichtet?

Im Wahlkampf war das Interesse sehr stark spürbar. Die schwul-lesbischen Verbände haben sich geäußert und Wahlprüfsteine geschickt. Auch nach der Wahl kamen viele Reaktionen aus der Community. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es etwas unterschätzt, wie stark die symbolische Wirkung meiner Wahl ist. Es gab sehr rührende Briefe. Eine Frau aus einer kleineren Stadt schrieb mir, sie sei lesbisch. Und sie gehe jetzt – nach Jahren endlich wieder - mit Stolz durch die Straßen.

Sie dienen also als Vorbild, aber was können Sie konkret in ihrem Amt für Schwule und Lesben tun?

Zum einen kann ich zeigen, dass es kein Problem ist – auch in so einem Amt – zu sagen, dass man mit einer Frau zusammenlebt. Ich hoffe, ich kann viele andere dazu ermutigen, das in ihrem Beruf und Leben ebenfalls zu tun. Das ist das Wichtigste. Zum anderen kann ich im Rahmen meines Amtes etwas tun. Ein wichtiger Punkt wäre die Nichtdiskriminierung von Lesben und Schwulen bei der Stadt als Arbeitgeber.



#1 gatopardo
  • 09.06.2009, 16:26h
  • Menschlich und warmherzig scheint sie zu sein, was ihre Kommentare aussagen. Und dass sie sich mit Wowi versteht, war vorauszusehen.
    Schade nur, dass es immer Schwule und Lesben aus fortschrittlichen Parteien sind, die offen mit ihrer Identität umgehen. Davon könnte die konservative Rita Barberá, beliebte Bürgermeisterin von Valencia lernen, die sich schamhaft hinter ihrer Tüchtigkeit versteckt und keine einzige schwul-lesbische
    Veranstaltung begleiten möchte.
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#2 schwarzwaldbub
  • 10.06.2009, 13:09h
  • Ich freue mich riesig.

    Es ist sehr wichtig, dass Lesben und Schwule in der Öffentlichkeit prominent präsent sind. Für viele von uns sind Frauen und Männer wie Corine Mauch oder Wowi Vorbilder, natürlich ist aber auch Kritik erlaubt.

    Ich würde vor Stolz platzen, wenn wir in Freiburg einen schwulen Oberbürgermeister oder eine lesbische Oberbürgermeisterin hätten.
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#3 gatopardo
  • 10.06.2009, 13:42h
  • Antwort auf #2 von schwarzwaldbub
  • Je mehr prominente Homosexuelle an die Öffentlichkeit kommen, desto mehr werden wir eines Tages gar nicht mehr als etwas Besonderes wahrgenommen. Mich hat die lesbische Frau in der schweizer Provinz fast zu Tränen gerührt, die nun erst einmal ihre Selbstachtung durch Corine zurückgewonnen hat.
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