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  • 10. Juni 2009, noch kein Kommentar

Jan Fischer (26) hat Glück durch Zufälle. Der gebürtige Berliner hörte nebenbei, dass Pornodarsteller gesucht wurden, und erhielt gleich einen Exklusivvertrag für das US-Label Rascal. Später fing er eher zufällig als DJ an, und tourt nun erfolgreich durch die Lande. Jan Fischer ist Rollenmodel für die Präventionskampagne "Ich weiß, was ich tu". Queer.de dokumentiert in Auszügen, was er im Detail zu (safer) Sex im Pornobusiness und im Privatleben zu sagen hat.

Ich habe mich nie schnell in Beziehungen gestürzt. So viele hatte ich bisher gar nicht. Schnellschüsse waren da bisher nie so mein Ding. Zurzeit bin ich sehr verliebt. Meine erste große Liebe habe ich schon kurz nach dem Outing beim Ausgehen getroffen - da war ich 16. Damals bin ich in die gute alte Busche gegangen, das ist damals so etwas wie die "Geburtsklinik" für Schwule gewesen. Zuerst bin ich da völlig verschüchtert rein, den Kopf nach unten. Stück für Stück habe ich gelernt was da abgeht und wie die Menschen dort sind. Schon beim nächsten Mal habe ich da einen Kerl gesehen, der doppelt so alt war wie ich. Der hat mich fasziniert und ich bin dann aus meiner Naivität einfach hin und der erste Satz war: "Kann ich Deine Telefonnummer haben?" Wir haben uns dann öfters gesehen und es hat sich irgendwie entwickelt. Ich habe mich schwer verknallt und ja - das war schön. Das ging dann über zweieinhalb Jahre.

Der Sex in der Beziehung war immer ungeschützt. Für mich war das nie ein Thema. Darüber haben wir nicht gesprochen, es ist einfach passiert. Ich denke aber, dass es eine gewisse Verantwortung auf seiner Seite gegeben hätte, das anzusprechen. Ich war einfach noch zu naiv. Ich würde sogar behaupten, dass HIV mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht recht bewusst war. Mit ihm war halt alles so schön und toll. Das erste Jahr war einfach fantastisch. Aber dann habe ich ein paar Dinge herausgefunden, die das ganze irgendwie zerstört haben. Vielleicht war es auch ganz gut so, sonst würde ich vielleicht noch immer mit so einer rosa Brille rumrennen. Man muss einfach auch die Realität sehen, um zu wissen, was gut für einen ist. Es sind da eben so ein paar Sachen gelaufen, wo ich mir die Frage gestellt habe, ob er in Sachen Sex wirklich ein Verantwortungsgefühl mir gegenüber hat.

Das Vertrauen war dann erst einmal im Keller. Aber die Liebe und die sexuelle Sucht nach diesem Menschen war einfach sehr stark. Es war alles furchtbar anstrengend, Diskussionen, Streit. Abends gab es dann Sex und es war alles wieder okay. Irgendwann war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mich fragen musste, ob ich das alles so will oder ob ich lieber langfristig glücklich sein möchte. Und da konnte ich mich lösen. Durch sein Fremdgehen hat er eigentlich auch gezeigt, dass er kein Verantwortungsbewusstsein mir gegenüber hatte. Ich meine, man fragt sich doch: Passiert das noch mal? Und da hängt ja auch die Übertragung von allen möglichen Krankheiten dran. Erst da habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. Ich möchte gern selber entscheiden, was ich meinem Körper antue und das nicht jemand anderem überlassen.

Was ich heute über HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten weiß, das habe ich aus Funk und Fernsehen und natürlich aus Zeitungen und so. Außerdem habe ich in meinem Bekanntenkreis auch jemanden, der HIV-positiv ist. Aber auch heute würde ich sagen, dass ich sicherlich noch sehr viel Halbwissen habe. In der Pornobranche ist HIV das Thema Nr. 2 – gleich nach dem Geld. Wenn man allerdings sieht, was sich da in der Branche unter dem Begriff "Bareback" so aufgebaut hat oder auch schon vorher existiert hat. Im schwulen Bereich ist das ja total verschrieen – wird aber trotzdem praktiziert. Aber im Heterosektor ist das eigentlich noch viel schlimmer. Ich meine, da ist es ja Standard ohne Kondom was zu machen.

Persönlich hatte ich da echt Glück. Mir wurde die Entscheidung einfach abgenommen. Klar, ich hatte da meine Meinung und wäre sicher nicht bereit dazu gewesen, ohne Gummi was zu machen. Aber ich bin da eben in ein Netzwerk gekommen, was komplett auf Safer Sex setzt. Bei allen Produktionen der Firma wird sich geschützt. So gab es da noch nie den Punkt, darüber nachdenken zu müssen. Natürlich haben die auch Leute gesucht, die zu diesem Image passen. Dieses Image kann und will ich heute auch gern nutzen. Es gibt ja zum Beispiel Leute, die schon auf den nächsten Film warten, die Sache so richtig verfolgen. Vielleicht nehmen die mich dann auch als eine Art Vorbild. Was man konsumiert, das hinterlässt ja vielleicht auch Spuren.

Aber klar, ich bin natürlich auch nur ein Mensch. Ich hatte auch schon schwache Momente in meinem Leben und hatte schon unsafe Sex. Dann trat eine gewisse Panik auf: "Worauf habe ich mich da eingelassen?" Das passiert – deshalb sind wir Menschen. Auch wenn es da keine Regelmäßigkeit gibt, habe ich sicher schon mehr als zehnmal einen HIV-Test gemacht. Wenn man damit mal anfängt, dann kommt das eben ganz automatisch. Irgendwann kommt einfach der Gedanke, dass ich mal wieder hin muss. Und dann ist es eben soweit. Ich denke, es geht doch eigentlich darum, dass man mit den Risiken jonglieren muss. Damit meine ich, dass sich jeder einfach bewusst sein muss, welche Risiken es gibt und damit irgendwie umgeht. Und trotz der Risiken soll man ja nicht den Spaß unterdrücken. Denn Sex gleicht einen ja auch aus. Das schlägt sich auf alles nieder.