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Als eine Art politischen Auftakt des schwul-lesbischen Straßenfestwochenendes in Berlin kann man die Demo in Kreuzberg sehen, bei der gegen einen gewaltsamen Übergriff protestiert wurde.

Von Christian Scheuß

Es herrschte der übliche Verkehr auf der multikultibunten Oranienstraße. Autos, Doppeldeckerbusse und Radfahrer teilen sich die enge Fahrspur, und auch die Bürgersteige sind so schmal und versperrt, dass sich Fußgänger ständig wie bei einem Hindernislauf vorkommen. Am Samstagnachmittag nach 13 Uhr wurde es mit einem Mal so voll, dass die Polizei für eine Weile die Straße sperren musste. Etwa 300 Lesben, Schwule, Transmänner und –Frauen, Drag-Queens und ein bisschen Politprominenz versammelten sich vor dem Falafal-Restaurant "Habibi", um gegen einen gewaltsamen Akt zu protestieren, der eine Woche zuvor vor dem Lokal stattgefunden hatte.

Zwei schwule Männer sind laut ihren Aussagen vom Eigentümer des "Habibi" beleidigt und mit einer Eisenstange angegriffen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen schwerer Körperverletzung (queer.de berichtete). Homo-Aktivist Alfonso Pantisano hatte deshalb gemeinsam mit dem LSVD zur Demo vor dem Imbiss in Kreuzberg aufgerufen. Die Versammelten klatschten vehement, als das LSVD-Transparent vor dem Haus entrollt wurde, das Respekt einfordert. Eher fröhlich gestimmt überlegte man in der Menge, ob man denn jetzt etwas skandieren sollte wie "Nie wieder Habibi". Ein Teilnehmer gestand stolz, dass er extra eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier abgesagt hatte: "Es ist mir wichtiger, hier zu sein". Eine bereits etwas angetrunkene Kiezbewohnerin mit einem Glas Caipi in der Hand forderte lautstark die "Internationale Solidarität", was man rundum nun etwas übertrieben fand.

Der Besitzer des Habibi, gegen den nun ermittelt wird, ließ sich nicht blicken, dafür musste einer seiner Mitarbeiter die Sache ausbaden. Von den Demonstranten befragt, versuchte dieser zu beschwichtigen, statt sich zu entschuldigen. Es sei keine Eisenstange im Spiel gewesen, geschlagen worden sei damit erst recht nicht worden. Aber es habe zwischen den beiden schwulen Gästen und der Bedienung Meinungsverschiedenheiten wegen der Rechnung gegeben, ein Stinkefinger sei gezeigt worden. Und jetzt, nach Bekanntwerden des Falles werde man auch noch bedroht. Er zeigt einen anonym verfassten Brief, in dem steht: "Ihr Kanakenschweine. Euer Haus wird brennen." Auch hier ermittelt nun die Polizei.

Alfonso Pantisano bestellte dem Eigentümer einen schönen Gruß. "Es geht nicht an, dass im Jahr 2009 Menschen auf diese Weise miteinander umgehen, deshalb sind wir heute hier." Nach einer dreiviertel Stunde vertrieb der aufkommende Regen die Demonstranten, die nun in Richtung Straßenfest am Nollendorfplatz aufbrachen. Falafal bei Habibi kaufte niemand. Die Umsätze mit der Community machte an diesem Nachmittag dafür der gegenüberliegende Laden "Pizza a Pezi".



19 Kommentare

#1 xbergAnonym
  • 20.06.2009, 21:11h
  • "Nie wiedi Habibi" - Sorry, aber sind wir im Kindergarten? Das ist ein vermeintliches Zitat, dass nichts aussagt und auch eine Zeile in der Bild hätte sein können. Politisch korrekt klingt sie überdies nicht. Ich finde durch solche Berichte, die zudem offizielle Quellen ausspart, werden unsere eigenen Anliegen und Demos kontakariert.
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#2 Thomas WuestAnonym
  • 20.06.2009, 22:42h
  • Kleine Verbesserung: Nicht der Regen hat die Demonstranten vertrieben. Vielmehr war es so, dass es zu regnen begann, als wir weiter marschiert sind. Das war etwa 15:45 Uhr, nachdem man sich direkt vor "Habibi" etwa 1 Stunde aufgehalten hat.

    Danke an alle, die sich auf den Weg dorthin gemacht haben. Wir sind extra aus Bremen gekommen.

    Nachdem wir zig Tausende Menschen auf dem Strassenfest gesehen haben, waren wir aber schon ein wenig enttäuscht, dass sich nur ca. 300 auf den Weg zu Falafel Habibi gemacht haben.
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#3 Melvin
  • 20.06.2009, 22:43h
  • Antwort auf #1 von xberg
  • Hallo xberg,

    zugegeben der Titel, den Christian Scheuß wählte, hätte etwas "seriöser" und damit "langweiliger" ausfallen können. Ich kann damit aber ganz gut leben, so what?

    Natürlich, war der Anlaß zur Demo ernst, das heißt aber doch nicht, dass wir diese homophoben Ewiggestrigen nicht der Lächerlichkeit preisgeben dürften, oder?

    Warum bist Du eigentlich so "Scheiße" 'drauf? Die Demo war ja, trotz relativ geringer Beteiligung, durchaus ein Erfolg. Wir haben gezeigt, dass es uns nicht gleichgültig ist, wenn jemand aus unserer Community beleidigt und angegriffen wird. Die Signalwirkung wird registriert, glaube es mir.
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#4 AlfonsoAnonym
  • 21.06.2009, 02:10h
  • Ich wollte Euch allen für die Unterstützung in den letzten Tagen danken. Danke auch an all die knapp 250 Menschen, die sich die Zeit genommen haben um mal wieder auf die Strasse zu gehen! Ich werte die heutige Aktion als vollen Erfolg und bin stolz, dass wir gemeinsam so viel Aufmerksamkeit in der Presse gefunden haben.

    Wir hatten heute neben Timm und RBB auch ein spanisches TV Team vor Ort, die eine Doku über das Leben der Homosexuellen in Berlin gedreht haben. Danke auch an Euch hier von Queer.de für die Berichterstattung!

    Ich muss gestehen, der Titel ist ein wenig BILD-sih aber hey, ich bin kein Texter und halte mich da aus dieser Diskussion raus. Eine Korrektur hätte ich gerne, weil die Info einfach nicht stimt: wir sind um 13 Uhr dort vor dem Habibi angekommen und um 13:45 Uhr haben wir uns auf dem Weg zum Bahnhof Kottbusser Tor gemacht. Das gerade dann für 3 Minuten 70 Tropfen vom Himmel gefallen sind war nicht der Grund, der die Versammlung auflösen lies. Wir wären auch bei Schnee und Hagel dort stehen geblieben, wenn der Zeitplan nicht etwas anderes mit uns vor hatte.

    Der Besitzer des Habibi war nicht vor Ort. Sein Mitarbeiter versuchte seinen Chef in Schutz zu nehmen. Angeblich seien die Jungs nicht geschlagen worden... Na ja, die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung sind wohl dann vom Himmel gefallen...

    Bei Dolce Freddo auf der Maaßenstrasse 6 in Schöneberg (direkt am Nollendorfplatz) haben wir Herrn Savaris gebeten, da er ja immer lautstark behauptet, er habe nichts gegen Homosexuelle, die vier Schilder "Privatgrundstück" abzuschrauben. Wir hatten auch ein Schraubenzieher für ihn dabei. Er hat sich geweigert unserem Vorschlag nachzukommen. Schade für ihn. Wir lesen weiterhin auf diesen Schildern "Schwule und Lesben nicht erwünscht!" und fordern nun den Bezirksbürgermeister auf, endlich ein Machtwort zu sprechen und dafür zu sorgen, dass diese diskriminierenden Schilder endlich wieder abgeschraubt werden!

    Ich kann nur sagen, und das ist meine ganz persönliche Meinung: überlegt Euch gut, ob ihr Euer Geld bei der Eisdiele Dolce Freddo ausgeben wollt. Ich würde es nicht tun!

    Was Herr Savaris mit all den Fotos macht, die er heute von uns und vor allen Dingen von mir gemacht hat, bleibt mir ein Rätsel. Wahrscheinlich schickt er sie an Berlusconi oder an Al Capone, nur wird ihm das nichts bringen, denn wir beharren weiterhin darauf, dass er mit seinen Diskriminierungen endlich aufhört.

    Entschuldigt meine sarkastische Note, aber ich habe nun wirklich genug von diesem eiskalten Mann!!!

    Wenn ihr "unsere" Bilder vom heutigen Tag sehen wollt, hier ein Link zu einem Facebook Foto Album:

    www.facebook.com/album.php?aid=274192&id=793855244&l=d7b07cf
    1fb


    Liebe Grüsse, Alfonso
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#5 KameliendameEhemaliges Profil
  • 21.06.2009, 02:13h
  • Ich fand die Aktion gelungen trotz der mickrigen Teilnehmerzahl.
    Es hat ausgereicht um deutlich zu machen das solche Übergriffe nicht geduldet werden!

    Und es ist richtig was Thomas Wuest sagt, nicht der Regen vertrieb die Demonstranten.... Es war einfach an der Zeit weiter zu Dolce Freddo zu ziehen.

    PS: Gruß an Muscleman SuperMario ;)
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#6 TommAnonym
  • 21.06.2009, 11:03h
  • Gratulation zu dieser Aktion vor dem Habibi in Berlin Kreuzberg !! Man(n) sollte derartige "Protestaktionen" nicht unbedingt an der "Teilnehmerzahl" festmachen !? Und wenn nur 10 Personen vor dem Habbi in Kreuzberg demonstriert hätten, wäre der Erfolg sicher genauso gross gewesen !! Wichtig ist doch - das wir Schwule und Lesben (endlich) zeigen: "HALT - jetzt reichts!" und dabei WIEDER auf die Strasse gehen, um unserem Protest öffentlich Ausdruck zu verleihen, und Signale zu setzen !! Wir haben schon viel zu lange die Schnauze gehalten, und uns geduckt ... !!

    Geradezu lächerlich sind da in meinen Augen die CSD (Polit)Paraden, im Gegensatz zu derartigen, spontan Aktionen wie gestern im von Migranten geprägten Stadtteil Kreuzberg !! Beim CSD geht es doch schon lange nicht mehr um eine politische Botschaft /Demonstration !! Sondern viel mehr um "Party" und möglichst viel "Reklame" machen, für Bier, Softdrinks etc. !!

    Das sich 250-300 Teilnehmer in Berlin Kreuzberg vor dem Habibi eingefunden haben um gemeinsam zu demonstrieren, zeigt mir Mut, und macht mich auch stolz, das es doch noch so etwas wie eine "Community" gibt ... Stay together !!
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#7 TommAnonym
  • 21.06.2009, 11:33h
  • Antwort auf #4 von Alfonso
  • @Alfonso: für das Dolce Freddo und den "Eiszapfen" hinter der Eistheke, war der Tag der Demonstration vor seinem Laden mit ca. 2.000 Teilnehmern sowas wie ein "schlecht gelaufener Regentag" was sein Geschäft betrifft !! Der Typ hat "NULL" dazu gelernt, und ich glaube, er will es auch gar nicht ... ?!

    Braucht er auch nicht !! Ich komme täglich mehrmals am Dolce Freddo vorbei, und schau mir an, wie sich manchmal lange Schlangen bilden vor seinem Laden ... und das sind nicht nur unwissende Heten, die da in der Schlange stehen !! Gerade jetzt, wo nur einen Steinwurf entfernt das Motz/ Strassenfest stattfindet scheint sein Eis "verry beliebt" zu sein in der schwulen Szene ...
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#8 AlfonsoAnonym
  • 21.06.2009, 12:14h
  • Antwort auf #7 von Tomm
  • @ Tomm: ja, es kann schon sein. Aber wir müssen einfach begreifen, dass viele nichts von der Story wissen. Viele haben nicht die Zeitschriften zur Hand, die wir in Berlin oder Köln oder sonst wo in den Großstädten haben. Und eins ist sicher: mein Geld bekommt er nicht mehr, das von meinem Freund auch nicht, meine Nachbarin geht da auch nicht mehr hin, meine Kumpels sowieso nicht und viele Freunde ebenfalls nicht.

    Wenn ihn das nicht ruiniert, was denn dann...???
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#9 Melvin
  • 21.06.2009, 12:41h
  • Antwort auf #7 von Tomm
  • Wenn es stimmt, dass schwule Männer vor der Eisdiele dieses homophoben Typen weiterhin Schlange stehen, kann ich nur sagen: "Glückwunsch! Und danke, dass diejenigen Schwulen, die dort immer noch kaufen sich selbst und uns so in den Rücken fallen!"

    Kleine Erinnerung an andere (vielleicht auch "noch" härtere Zeiten, wie ich mir habe erzählen lassen): Da gab es in den USA Firmen, die Schwule und Lesben diskriminierten ... die bekamen bei ihrer schwul-lesbischen Kundschaft "kein Bein mehr auf den Boden" und ... das machte sich bei deren Umsatz bemerkbar. Diese Sprache verstehen solche Typen, denn sie sind ansonsten, was Menschenrechte und sexuelle Vielfalt angeht, Analphabeten.

    Schönen Gruss aus Ffm.
    Melvin
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#10 Victor
  • 21.06.2009, 12:49h
  • Antwort auf #4 von Alfonso
  • Hi Alfonso,
    und ich bin stolz auf Dich! Danke, dass Du weiterhin Zivil-Courage und politischen Durchblick zeigst.
    Wir dürfen solchen Figuren, wie den beiden Bln. Gastronomen, ihr homophobes Verhalten nicht durchgehen lassen.
    Ich denke, Aktionen, wie die gestrige, sind schon deshalb ein Erfolg, weil sie Öffentlichkeit herstellen und deutlich machen:
    Schwule und Lesben sind keine Feiglinge, die "den Schwanz" einziehen, und weglaufen, wenn man ihnen dumm kommt. Ich habe auch übrigens überhaupt keinen Bock darauf mich als wehrloses Opfer zu fühlen und glaube mir, das bin ich auch nicht ;-)
    Ich grüße Dich!
    Victor
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