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Peter (47) ist das neue Rollenmodel der Präventionskampagne "Ich weiß, was ich tu" (IWWIT). Wir dokumentieren hier in Ausschnitten, was der langjährige Kneipenwirt über Safer Sex denkt und seine privaten Erfahrungen damit. Das komplette Interview findet Ihr auf www.iwwit.de. Dort könnt Ihr auch mit Peter diskutieren.

Meine erste sexuelle Erfahrung hatte ich schon recht früh. Ich war elf Jahre alt, und das war mit einem Typen, der aus meiner damaligen Sicht mit seinen vielleicht zwanzig Jahren wahnsinnig alt war. Er hat wohl gar nicht gemerkt, wie jung ich eigentlich noch war, ich war eben sehr frühreif. Es war jedenfalls alles furchtbar aufregend, im Schwimmbad in der Umkleidekabine. Im Grunde ist aber auch nicht viel passiert. Er hat mir einen geblasen, und ich habe ein bisschen an ihm rumgefummelt. Trotzdem bin ich danach tagelang förmlich geschwebt, und für mich war das natürlich auch interessant, weil ich gemerkt habe, dass da was geht. Ich habe mir dann relativ schnell immer irgendwelche Leute aufgerissen, so im Schwimmbad eben. Und ich habe auch ziemlich bald herausgefunden, dass es Klappen gibt. Ich hatte wirklich ein ziemlich ausschweifendes Sexleben. Das war noch in der Zeit vor Aids.

Heute bin ich ein absoluter Beziehungsmensch. Zwar kann ich durchaus auch alleine sein und als Single leben, aber es kommt eigentlich gar nicht wirklich dazu. Und meine Beziehungen dauern auch immer recht lang. Meine erste Beziehung hat fast neun Jahre gedauert, die zweite 13 Jahre. Mit meinem jetzigen Freund bin ich nun seit zweieinhalb Jahren zusammen. Wir leben allerdings nicht in einer Wohnung, sehen uns aber sehr häufig. Unsere Beziehung ist monogam. Das war in den vorherigen aber nicht immer so. Ich habe kein Problem damit, monogam zu sein. Aber es stört mich auch nicht, es nicht zu sein. Das kann sich natürlich auch im Laufe einer Beziehung ändern, oder es ist von Anfang an so. Allerdings kommt für mich auch in einer monogamen Beziehung immer nur Safer Sex infrage. Ganz klar.

Ich bin da total konsequent. Seit es damals mit Aids anfing und klar war, wie man sich davor schützen kann, stand für mich fest, dass es nur noch Safer Sex geben würde. Da gab es auch bis heute bei mir nie etwas zu diskutieren. Darum ist es mir persönlich auch egal, ob jemand positiv oder negativ getestet ist. Danach frage ich eigentlich auch gar nicht. Mir ist das wurscht! Safer Sex bleibt Safer Sex. Mir soll auch keiner erzählen, dass das einen großen Unterschied macht, ob man nun mit oder ohne Gummi fickt. Das ist nach meiner Erfahrung doch völliger Blödsinn, schließlich habe ich ja keinen Autoreifen über dem Schwanz! Am Anfang war es vielleicht noch etwas ungewohnt mit der Hantiererei, aber daran gewöhnt man sich doch schnell. Das dauert keine 30 Sekunden, bis man das Ding drübergezogen hat. Das läuft bei mir völlig automatisch. Gelernt ist gelernt und Übung macht den Meister.

Natürlich habe ich mich auch schon selber testen lassen. Ich war hier in München damals sogar einer der Ersten überhaupt. Viele lassen sich heute regelmäßig testen, davon halte ich persönlich aber gar nichts. Das kann ja kein Freibrief sein. Warum rennt man denn da überhaupt hin? Wenn ich auf mich aufgepasst habe, dann muss ich das doch gar nicht. Klar, wenn mal was passiert ist, dann ist das eine gute Sache. Gerade auch der Schnelltest, hier mitten in der Szene. Mir ist es wichtig, dass man ein sehr persönliches Verhältnis zu den Gästen aufbaut. Es ist immer auch ein bisschen Gequatsche mit dabei. Ich habe aber auch einfach sehr gern Menschen um mich, ich bin sehr fröhlich und lache viel. Daher wenden sich die Gäste eben auch bei bestimmten Fragen an mich. Zum Beispiel: "Ich habe einen Tripper – wo kann ich damit hingehen?", oder so. Für mich gehört es zum Barkeepersein einfach dazu, dann zu helfen. Dann greife ich auch schon einmal auf die Broschüren zurück, die wir natürlich alle da haben.

Beide Kneipen, in denen ich arbeite, haben eine Wirte-Präventionsvereinbarung unterschrieben. An der habe ich übrigens von Anfang an mitgearbeitet. Da machen hier in München wirklich alle wichtigen Szenebetreiber mit, wo Sex vor Ort stattfindet. Also nicht nur Kneipen und Clubs, sondern auch Kinos, Saunen und Sexshops sind dabei. Entstanden ist das Ganze, als es darum ging, möglicherweise von oben etwas aufs Auge gedrückt zu bekommen, also dass es da vielleicht Einschränkungen von den Gesundheitsbehörden geben könnte. Das wollten wir aber lieber selber in der Hand haben. Allerdings sind wir auch aufs Amt gegangen und haben uns das Okay geholt. Die unterstützen uns also auch, und inzwischen sind wir schon im vierten Jahr erfolgreich mit der Präventionsvereinbarung. Alle Läden, die da mitmachen, haben das Logo an der Tür und sind damit erkennbar.

Der Gast weiß dann: Es gibt hier kostenlos Gleitgel und Kondome. Außerdem verpflichten sich die Läden, darauf zu achten, dass keine Prostitution im Lokal stattfindet. Infomaterial liegt natürlich auch aus, und wir weisen auf Safer Sex hin. Regelmäßig kommen die "Sittenstrolche" zu uns. Das ist ein Präventionsteam, und die lassen sich immer lustige Sachen einfallen, um über Safer Sex, HIV und andere Gesundheitsrisiken zu informieren. Dann gibt es noch die Vertrauensleute. Das bedeutet, dass mindestens einmal in der Woche ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der AIDS-Hilfe zu Gast ist, der für alle anderen erkennbar ist. An den kann man sich mit seinen Fragen wenden und kriegt hier unkompliziert Infos und Hilfe. Natürlich kontrollieren wir im Darkroom nicht, ob unsere Gäste auch alle ein Gummi drüber haben. Ich schätze aber einfach mal, dass die meisten unserer Gäste Safer Sex machen. Wenn ich sehe, was da nach einem Abend an benutzten Kondomen da ist – das ist schon eine Menge. So etwa 6.000 Kondome gehen in diesem Jahr im "Camp" sicherlich weg. Und es gibt ja auch viele Sachen, bei denen ein Gummi gar nicht nötig ist und die trotzdem safer sind.

Die Gäste nehmen die Sache schon toll an, finde ich. Bei denen, die es nicht safer machen, da sage ich aber auch: Das sind alles erwachsene Leute. Bislang ist mir eigentlich auch selten Arglosigkeit oder Dummheit begegnet. So von wegen "Man sieht es doch, wenn einer infiziert ist", oder so. Das sind also schon bewusste Entscheidungen, die da getroffen werden. Ich weiß zum Beispiel, dass sich einige Positive bewusst andere Positive suchen und dann eben ohne Kondom ficken. Und überhaupt: Ich kann niemanden erziehen, und wenn sich jemand bewusst dazu entscheidet, ohne Kondom Sex zu haben, der sucht sich dann jemanden, der das auch will – und dann bleiben sie eben unter sich.



#1 beobachterAnonym
#2 dummfugAnonym
#3 beobachterAnonym
#4 NEOAnonym
  • 24.06.2009, 22:38h
  • Antwort auf #3 von beobachter
  • apropos ich bin neuling. man kann sich doch nicht als passiver beim blasen anstecken...geh ich von aus...

    auch versäumins der aids hilfe : wenn mans googelt sollte sie erst kommen, dabei kommen paranoide theorien von laien.
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#5 HannibalEhemaliges Profil
#6 beobachterAnonym
  • 25.06.2009, 23:10h
  • Antwort auf #4 von NEO
  • Wer geblasen wird, kann dabei sich nur holen, was der Bläser im Mund hat, wenn. Feigwarzen, Tripper oder Syphilis im Mund gibt es nicht, wenn ich mich nicht irre. Falls einer an HIV glaubt: Das kann nur über Körpersäfte und eine Läsion in der Haut oder Schleimhaut übertragen werden, beim Blasen auf den Passiven also typischerweise nicht.
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