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Auch wenn CDU-Mann Dr. Jürgen Gehb für eine peinliche Rede im Bundestag kürzlich durchaus eine Homogurke verdient hat, geht unsere Auszeichnung erneut an die Grünen. Diesmal an Antje Vollmer, die sich in einem Beitrag des "Tagesspiegels" gegen ein Adoptionsrecht für Homo-Paare ausgesprochen hat.

Vollmer argumentiert so, wie es die Union sonst besser kann: dumm. Zuerst bringt sie die generellen Argumente gegen eine Adoption (Kinder sollten ihre biologischen Eltern kennen), was ja alles zutreffend, aber das Thema nicht mal streifend ist. Dann: Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Pflegeeltern aufwachsen, seien mehr Diskriminierung ausgesetzt. Und es sei besser für sie, bei "Mama und Papa" aufzuwachsen.

Nun gibt es genügend Studien, die das Gegenteil belegen. Es ist sicher kein Glück für ein Kind, zur Adoption freigegeben worden zu sein, aber es ist sicher kein Unglück, bei schwulen oder lesbischen Eltern aufzuwachsen. Es mag Rabeneltern geben, hetero- wie homosexuelle, doch für den Großteil der schwulen und lesbischen Pflegeeltern gilt: für die Kinder sind sie kein Nachteil.

Vollmer macht ihre Argumentation selbst zunichte, indem sie anführt, dass die Paare als Einzelpersonen durchaus Kinder adoptieren können und die Partner das Kleine Sorgerecht besitzen. Denn wenn die Adoption quasi schon "durch" ist, ist es für das Kind sicherlich besser, wenn die Homo-Eltern auch die gleichen Rechte haben wie ein heterosexuelles Elternpaar.

Ansonsten klingt bei Vollmer ein Ansatz durch, der bei vielen SPD-Politikern vorherrschend ist: im Vergleich zu anderen Gruppen stehen Schwule und Lesben doch ganz gut da - schließlich habe man in den letzten Jahren Diskriminierung abgebaut. Schade, wenn die Grünen, von einem Vorzeigeschwulen abgesehen, sich nach und nach diese Argumentationslinie zu eigen machen.

Nun steht die Äußerung Vollmers vielleicht nicht mal für eine einzige Grünen-Politikerin. Mit der Forderung für eine gemeinschaftliches Adoptionsrecht gehen die Grünen gerne mal auf CSDs hausieren, im Bundestag spielte es in den Planungen der Koalition bisher keine Rolle. Es war die FDP, die kürzlich erstmals - neben viel gesetzgeberischem Schwachsinn - die Forderung mit in ein neues Gesetz zur Homo-Ehe packte - wohlwissend, dass die Koalition dem nie zustimmen wird.

Also, Volker Beck, nun hast Du noch ein paar Wochen bis zur Sommerpause des Deutschen Bundestages. Bis dahin gilt es, die versprochenen Gesetzeswerke (Homo-Ehe, Ergänzungsgesetz, Antidiskriminierungsgesetz) wie versprochen endlich und umfassend in den Bundestag einzubringen - nach dem FDP-Vorstoß und dem Vollmer-Rückschritt gehört dazu auch das gemeinschaftliche Adoptionsrecht. Wird daraus nichts, so gehört Ihr Grünen verbannt - vom CSD, aus unseren Herzen und von unserem Wahlzettel. (nb)



17 Kommentare

#1 GeorgAnonym
  • 31.05.2004, 13:15h
  • Das ist keine große Überraschung, nachdem Volker Beck sich kaum noch für Homobelange eingesetzt hat. Die Grünen sind für mich gestorben.
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#2 AnnetteAnonym
  • 31.05.2004, 17:28h
  • Wie können die Grünen es zulassen, dass sich ihre Bundestagsvizepräsidentin ohne Anlass und ausgerechnet vor der Europawahl auf Kosten von Schwulen und Lesben profiliert? Antje Vollmer muss zurücktreten!
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#3 Eric GaudianAnonym
  • 31.05.2004, 19:22h
  • hi ihr lieben,

    der artikel hat mit der kritik vollkommen recht und ins schwarze getroffen, inhaltlich zumindest. das sich die grünen keine mühe geben ist nun nicht richtig, in zeiten der massenarbeitslosigkeit scheinen themen der ökologie oder eben bürgerrechte für die sozialdemokratie im besonderen aber auch einige grüne ein "luxus" zu sein der nachrangig ist. der großteil der basisdemokratischen grünen sieht das aber anders! ihr könnt euch sicher sein das hier keine leere versprechungen auf flyer gedruckt werden von denen klar ist das man gar nicht vor hat diese durchzusetzen! probleme löst man am besten im angriff, durch öffentlichkeit wie hier und durch veränderungsdruck in der partei selbst. hier aufzugeben kann man zwar bestimmt nachvollziehen, aber das ist der falsche weg. ich hoffe, das ihr auch weiterhin grün als die farbe der hoffnung seht ;-)

    junggrüner gruß, eric gaudian (fachforum lesbischwules grüne jugend bundesverband)
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#4 MarstophProfil
  • 31.05.2004, 19:47hBerlin
  • Vielleicht wird hier einigen jetzt mal deutlich, daß die Annäherung der Grünen in vielen Sachfragen (nicht nur in der Homo-Politik) an die Schwarzen nicht erst vor Kurzem begonnen hat. - Das Zueigenmachen von lesbischwuler Bürgerrechtspolitik durch einige wenige Gallionsfiguren (die in Folge von steil ansteigenden Karriereleitern nicht mehr die Zeit für den allmächtigen Alleinvertretungsanspruch haben) ist eine Leimspur, an der viele Homo-Wähler allzu gerne kleben blieben.
    Die Grünen hatten nie einen Alleinvertretungsanspruch lesbischwuler Bürgerrechtspolitik und wir fordern daher unsere führende Koalitionspartei, mit der 1998 endlich der Wechsel in der Bürgerrechtspolitik begann, noch rechtzeitig vor den CSD´s die notwendigen weiteren Schritte einzuleiten. Hier wird sich dann bei den Grünen und der FDP zeigen, wie wichtig ihnen die schwulesbische Bürgerrechtspolitik wirklich ist.
    (M. Schuke, Mitglied der Lesben und Schwulen in der SPD)
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#5 Eva-Maria HertelAnonym
  • 31.05.2004, 20:21h
  • Es geht in dieser Sache um "Adoption". Um Kinder die "niemand" haben will. Um weggeworfene Kinder ,sagen wir es mal ganz krass. Diese Kinder, werden sie erwachsen, werden irgend wann erkennen, dass sie anders sind, ob nun mit hetero- oder homosexuellen Partnern oder Partnerin. Adoptionskinder haben in sich ein ganz anderes Problem, dass was hetero oder homosexuelle irgend wann aussprechen werden : "Du bist nicht unser "gemachtes Kind", aber wir lieben dich trotzdem so wie du bist! Und dann? Ist das bei hetero anders als bei Schwulen, Lesben? Was denken sich Parteien, sind diese Adoptionskinder Urkunden für irgend welche Richtlinien von Ehe-Partnerschaften oder Zeugnisberech-tigungen? Geliebt zu werden ist für diese Kinder das Wichtigste. Ihnen zu helfen sich zu erfahren, zu fühlen und Vertrauen sich geben lassen dürfen auch ohne zu wissen was sie eigentlich ererbt haben an Talenten, an körperlichen Eigenschaften. Sie können nicht sagen, das bin ich in meiner Wurzel! Sie haben keine Wurzel diese Kinder. Sie haben nicht mal das Recht gehabt sagen zu dürfen im Leib der Mutter: lieb mich oder lass mich doch sterben! Es geht um die Verantwortung. Und diese kann jeder geben und das ist nicht abhängig von irgendwelchen Mann und Frau Familienbilder. Im Gegenteil es ist noch viel schlimmer für diese Kinder, wenn so ein Familienbild zusammenfällt. Wenn das Outing eines solchen Kindes zerfällt. Ich denke die Politik gibt es nicht mehr so wie sie einst aus dem Urteil der Deutschen Geschichte entstanden ist. Darüber sollten sich alle Parteien mal erinnern. Alle.
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#6 GerdAnonym
  • 01.06.2004, 12:12h
  • Ja die Homogurke halte ich auf für berechtig, wenngleich die CDU-Rede im Bundestag von Dr. Gehb noch um Meilen viel, viel schlechter und niveauloser war.

    Eigentlich hatte ich mit einem schlechten Zeitungsartikel zur gemeinschaftlichen Adoptionsfrage nicht bei Antje Vollmer gerechnet. Als Grüne-Politikerin hätte sie erst recht mit solch einem Artikel zu Fragen von Bürgerrechten besonnener umgehen müssen.

    Mehr und mehr verlieren die Grünen in diesem für sie wichtigen Politikfeld an Glaubwürdigkeit, während die FDP an gesellschaftspolitischer Liberalität hinzugewinnt, was mich zwar überrascht aber anzuerkennen ist.

    Setzen wir uns inhaltich mit ihrem Artikel auseinander: der erste Teil, wo sie generell gegen Adoption argumentiert, ist überhaupt kein Argument. Denn dann dürfte es halt keine Adoptionen in unserem Land geben, egal ob hetero- oder homosexuelle Erziehungsberechtigte. In diesem Teil des Artikels kann man nur mit dem Kopf schütteln. Was soll das, den Artikel damit inhaltlich zu füllen...

    Dann im zweiten Teil das Argument:: Umweltdiskriminierung der Kinder. Zwar schreibt sie, man könne dagegen "anerziehen und anreden" , dennoch bleibe das Kindeswohl gefährdet.

    Dieses Argument ist bekanntlich sehr schwach. Dies bedeutet ein Nachgeben gegenüber den Kräften in unserer Gesellschaft, die gerade auch die Grünen von ganzem Herzen ablehnen. Und es bedeutet, das auch keine ausländischen Kinder, behinderten Kinder, ... in unserer Gesellschaft letzlich aufwachsen dürfen. Denn sie sind den diskriminierenden Verhaltensweisen von einem Teil der Menschen ausgesetzt. Damit gibt Antje Vollmer den Kräften nach, die sie selbst eigentlich innerlich ablehnt.

    Es bleibt das Argument, Kinder brauchen "Mama" und "Papa". Das ist natürlich das einzige stärkere Argument ihres Artikels. Den Rest des Artikels hätte sie sich lieber sparen sollen, denn er war überflüssig, inhaltsleer und ein Versagen an eigenen Grünen-Wurzeln.

    Diese Ansicht Kinder brauchen "Mama" und "Papa" ist durchaus zu diskutieren und nicht ohne weiteres einfach nur vom Tisch zu "wischen", wenn es um die gemeinschaftliche Adoption geht.

    Aber es greift letzlich zu kurz und ist falsch, denn erstens haben wir bereits seit Jahrzehnten die Möglichkeit zur Einzeladoption. Und bisher wurde noch nie dies kritisiert, sondern diese Regelung wurde immer von allen akzeptiert. Wenn aber eine Einzeladoption erlaubt ist, dann ist es erst recht im Interesse für Kinder, wenn eine gemeinschaftliche Adoption möglich ist.; schließlich erhält das Kind, finanzielle und rechtliche Ansprüche, die zu einer erhöhten Absicherung des Kindes führen.

    Der Artikel von Antje Vollmer ist sehr schwach und eigentlich einer Grünen-Politikerin nicht würdig. Der Artikel wird bestimmt gern bei der CSU willkommen geheissen.

    Zudem finde ich den Artikel unpassend, denn bevor sie darüber schreibt, was sie nicht für homosexuelle Paare will, hätte sie viel lieber erstmal mehrere Artikel schreiben sollen, was denn so alles immer noch fehlt (Beamtenrechtgleichstellung-Ortszuschlag, Gleichstellung in Erbschafs-/Schenkungs und Grunderwerbssteuerrecht, Gleichstellung im Einkommenssteuer-recht...).

    Aber nein Antje Vollmer hat hierzu nicht geschrieben, sondern zum sensiblen Bereich der Adoptionsfrage. Schade, schade, schade...

    Damit hat sie in meinen Augen viel an Kompetenz verspielt, und ich kann nur hoffen, das dies eine Einzelmeinung bei den Grünen bleibt bzw. Antje Vollmer nochmals drüber nachdenkt, was sie denn da so geschrieben hat.

    Ob die FDP gegenüber den Grünen aber wirklich die gesellschaftspolitisch bessere Partei sein wird, werden wir im Bundesrat sehen. Denn bei einem Teil der kommenden Gesetzesinitiativen bedarf es der Zustimmung FDP-mitregierter Bundesländer im Bundesrat. Daran wird gemessen werden, da ansonsten es "dasselbe" Spiel ist, wie damals als die FDP im Bundestag gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz gestimmt hat.
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#7 fish1@gmx.deAnonym
  • 01.06.2004, 12:28h
  • Die Kritik an Antje Vollmer ist berechtigt. Es ist jetzt an den Grünen zurecht zu rücken, was ihre Position ist und ihre Forderungen in der Koalition zur Sprache zu bringen.

    Allerdings sollten wir dann wohl eher denen, die dafür kämpfen den Rücken stärken, als ihnen mit Häme in die Kniekehlen oder Eier zu treten.
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#8 MarkusAnonym
  • 01.06.2004, 17:10h
  • Da hilft nur eins: Bei den Grünen nachfragen, ob das jetzt Parteilinie ist! Beispielsweise unter info@gruene.de oder epost@gruene-fraktion.de. Auch bei den Abgeordneten selbst bzw. vor Ort und auf Landesebene wird jeder auf offene grüne Ohren stoßen - schließlich stehen Europa- sowie diverse Landtags- und Kommunalwahlen an...
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#9 JoachimAnonym
  • 02.06.2004, 05:06h
  • "Wird daraus nichts, so gehört Ihr Grünen verbannt".

    Witzig, welche Alternativen schlagen mir die Herren von der Queer vor, wenn Sie mir schon sagen, dass ich die Grünen demnächst verbannen soll?

    Abgesehen davon soll es ja auch noch Leute geben, denen die fortschreitende Heterosexualisierung der Schwulen und Lesben (damit meine ich die Anpassung an vorherrschende gewünschte Partnerschaftsstrukturen) und damit verbunden auf Aufgabe wirklich alternativer Familienmodelle (die dann auch für die Heteros in Frage kämen) auf den S*** geht.

    Wollte ich nur mal so gesagt haben.
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#10 JoachimAnonym
  • 02.06.2004, 05:09h
  • Nachtrag: dass sich Frau Vollmer eine Homogurke verdient hat, stelle ich übrigens nicht in Zweifel. Aber da ist sie sicher nicht die Einzige.
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