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Bestseller im islamischen Pakistan: Mohammed Hanifs satirischer Thriller "Eine Kiste explodierender Mangos".

Von Carsten Weidemann

Am 17. August 1988 explodiert wenige Minuten nach dem Start in Richtung Islamabad das Flugzeug des pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq. An Bord befinden sich neben dem Militärdiktator und treuesten Verbündeten der USA im Afghanistankrieg auch einige seiner ranghöchsten Generäle und der US-Botschafter Arnold Raphel. Bis heute ist es eine der großen offenen Fragen in der gewaltreichen Geschichte Pakistans, ob es sich bei dem mysteriösen Absturz um einen Unfall oder um ein Attentat handelte.

Mohammed Hanif greift dieses Ereignis und die sich darum rankenden Gerüchte auf und entwickelt daraus einen fiktiven Roman mit anarchischer Komik und schwarzem Humor, der in Pakistan schnell zum Bestseller wurde. Hatte der CIA seine Finger im Spiel? Waren es pakistanische Generäle, unglücklich über ihre bevorstehende Pensionierung? Geschah es wegen des Fluchs einer blinden Frau? Oder durch ein Geschenk der All Pakistan Mango Farmers Cooperative?

Irgendwann merkt der Leser: Auch der Erzähler, der schwule Luftwaffenkadett Ali Shigri, könnte für den Mord verantwortlich sein. Ebenso sein Freund Obaid, der jede Frage des Lebens mit einem Spritzer Eau de Toilette und einem Rilke-Zitat beantwortet und plötzlich verschwindet.

Homosexualität steht in Pakistan unter Strafe, umso mehr Vergnügen bereitete es Mohammed Hanif, diese schwule Romanze in seinen Roman einzubauen. "Das Militär ist ein geschlossenes, von Männern dominiertes System. Das ist wie in einem Internat für Jungen oder in der Kirche: Es ist völlig normal, dass junge Menschen Nähe zueinander suchen. Und wenn Männer nur Männer finden, dann ist das eben so. Das passiert in der ganzen Welt - auch in Pakistan", sagte Hanif in einem Interview. Vor allem Leser aus westlichen Ländern hätten ihn auf den schwulen Strang angesprochen. "In Pakistan hat mich niemand danach gefragt."

Angst vor Bedrohungen durch Anhänger ul-Haqs, durch Islamisten oder durch Angehörige des Militärs hat der als BBC-Korrespondent in Karachi lebende Autor nicht. "Insgesamt betrachtet ist Pakistan kein Leseland", meinte Hanif. "Militärs lesen sowieso keine Bücher, und wenn man den Rest der pakistanischen Bevölkerung sieht, so können 40 Prozent nicht lesen. Von den restlichen 60 Prozent kann, wenn überhaupt, die Hälfte Englisch lesen. Und wer das kann, treibt sich lieber zum Shoppen in Dubai herum, als mein Buch zu lesen."

Mohammed Hanif: Eine Kiste explodierender Mangos, aus dem Englischen von Ursula Gräfe, 383 Seiten, A1 Verlag, München 2009, 22,80 €



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