Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?10790

Mit seinem auf Englisch erschienenen Lesebuch "Gay Travels in the Muslim World" zeigt Autor Michael T. Luongo, wie Schwule Reisen in den Nahen Osten und andere islamische Länder erleben.

Von Carsten Weidemann

Von der großen schwulen Feriensause à la Ballermann handelt dieses Buch nicht – die hier behandelten Länder im Nahen Osten, Afrika und Asien zählen wohl kaum zu den Traumzielen von Spaßtouristen mit Vorliebe für Sangria. Dennoch berichten die kurzen Geschichten in "Gay Travels in the Muslim World" von allerhand schwulem Leben: vom netten jüdischen Jungen, der sich in Mauretanien niederlässt und dort Sex mit ausschließlich "heterosexuellen" Einheimischen hat. Oder von einem Mann in Bangladesch, der die Welt von Cruising und Prostitution entdeckt. Oder von den Taliban in Afghanistan, die selbst fleischlichen Gelüsten untereinander nicht abgeneigt sind.

Mit dem Buch will der Amerikaner Luongo dem schwulen Leser die islamische Welt näher bringen, die mehr sei als Verfolgung in Ägypten und Hinrichtungen im Iran. Er berichtet, wie Männer selbst öffentlich zärtlich zueinander sein können und etwa auf der Straße Händchen halten – ohne das selbst als schwul zu definieren. Viele Männer etwa im Nahen Osten oder Afghanistan identifizierten sich nicht als homosexuell, selbst wenn sie ausschließlich mit Männern schliefen. Luongo erklärt das damit, dass andere Identitäten – wie etwa die Nationalität – eine größere Rolle spielten als im Westen, wo jeder Schwule bei CSDs gleich als solcher abgestempelt werde. Dass sie einfach unterbewusst Angst vor Verfolgung haben und daher ihre Sexualität herunter spielen, diese Schlussfolgerung zieht Luongo allerdings nicht.

Viel geht der Autor auch darauf ein, dass für westliche Besucher bis vor wenigen Jahrzehnten islamische Länder Zufluchtsorte waren. So sei etwa Marokko ein Ziel schwuler Touristen gewesen, als im Großteil Europas Homosexuelle noch mit Gefängnisstrafen bedroht wurden. Heutzutage rät Luongo aber zur Vorsicht: "Es ist das Beste, wenn man sich nicht völlig offen im westlichen Sinne zeigt", erklärte er in einem Interview. "So halten im Nahen Osten und anderen muslimischen Ländern Männer zwar öffentlich Händchen. Das heißt aber nicht, dass man das als blonder, blauäugiger Europäer auch tun kann."

Die generelle Abneigung gegen "muslimische Länder", wie sie von vielen Schwulen geäußert wird, kann Luongo nicht nachvollziehen. Er vergleicht das mit Reisen im Westen oder in der "christlichen Welt", auch wenn diese nicht so genannt werde. So verhalte sich ein Schwuler auch völlig anders, wenn er sich in Kopenhagen bewege oder in einem kleinen texanischen Dorf. Solche Verhaltensregeln müssten eben auch in der islamischen Welt beachtet werden.



24 Kommentare

#1 gatopardo
  • 21.07.2009, 18:21h
  • Vor 10 Tagen bin in Marokko gelandet,wo mich ein dort lebender europäischer Freund erwartete. Es war ein Sprung in eine, wenn auch nur 11km über die Strasse von Gibraltar entfernte andere, aber mysteriöse islamische Welt, die man nur beschreiben kann, wenn man sie erlebt hat. Mich als Verteidiger aufklärerischer abendländischer Werte hat diese total erotische Atmosphäre beim Minztee ohne Alkohol in einer ausschliesslichen Männerwelt tatsächlich fasziniert, wo Körperkontakte selbstverständlich sind, ohne dass man Sex haben muss. Diese Reise stellte zweifellos so etwas wie eine Belehrung dar, an die ich gerne in naher Zukunft wieder einmal mit einem Besuch im Nachbarland anknüpfen würde.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 seb1983
  • 21.07.2009, 18:37h
  • So kann man sich als Autor das Ganze natürlich auch schön schreiben...
    Natürlich ist Körperlichkeit in den islamischen Ländern unter Männern völlig normal, das hat aber die gleichen Gründe wie bei uns im Profifußball: Wo Homosexualität eben 100% ausgeschlossen ist, da kann man sich offen geben ohne Gefahr zu laufen als schwul zu gelten.
    Dass man das als westlicher Tourist angehnem finden kann ist eine Sache, als solcher genießt man ja auch große Freiheiten, mit einer, um es mal in Saschis Worten zu sagen, "selbstbewussten schwulen Identität" hat das aber rein gar nichts zu tun, eher im Gegenteil!!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Lästermaul XVIIAnonym
  • 21.07.2009, 19:08h
  • "Schwul reisen in der islamischen Welt - Geniessen Sie einen unvergesslichen Blick über Teheran auf unseren eigens für Sie aufgestellten Aussichtskränen... " (Aus einem Prospekt der Ahmadinedschad Gay Travel Agency)

    Selbstverständlich gibt es in den islamischen Ländern prozentual gesehen nicht weniger homosexuell veranlagte Menschen als anderswo. Das Problem ist einzig und allein das durch den religiös-gesellschaftlichen Druck erzwungene Versteckspiel und die daraus resultierenden, teilweise absurden Verhaltensregeln denen sich Homosexuelle dort unterwerfen müssen falls sie nicht überall anecken wollen.

    Mit einem "besonderen orientalischen Flair" hat dies wahrlich nichts zu tun.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Gay and proudAnonym
#5 RoyAnonym
  • 21.07.2009, 19:28h
  • ---So verhalte sich ein Schwuler auch völlig anders, wenn er sich in Kopenhagen bewege oder in einem kleinen texanischen Dorf. Solche Verhaltensregeln müssten eben auch in der islamischen Welt beachtet werden.---

    Soweit Ich weiß wird man in Texas oder Kopenhagen nicht von einem wilden Mob gesteinigt oder gelyncht wenn man seine "schwule Identät" etwas mehr zeigt. Im krassen Gegensatz zu Saudi Arabien, Iran, Irak, Senegal, Lybien etc.
    Wer als offen Schwuler in Islamische Länder reist ist Lebensmüde.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 gatopardo
  • 21.07.2009, 20:03h
  • Antwort auf #2 von seb1983
  • Unsere "selbstbewusste schwule Identität" würde ich auch auf gar keinen Fall infrage stellen. Ein uns bekannter junger homosexueller Marokkaner würde z.B. lieber heute als morgen in die Festung Europa umsiedeln, wenn es denn ginge. Ich habe mich auch lediglich auf diese uns so angenehme und oft sinnliche Männergesellschaft bezogen, deren meist bildschöne Vertreter uns offen umwerben, was uns natürlich schmeichelt. Das sollte uns jedoch nicht dazu verleiten, westliche Masstäbe zu setzen, weshalb wir besser mit unseren Partnern nach dort reisen, um das Land kennenzulernen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 chuzpeAnonym
  • 21.07.2009, 20:05h
  • Antwort auf #4 von Gay and proud
  • Ich verstehe keine Sekunde, wie man auf den jüdischen
    Staat Israel stolz sein kann, der bisher buchstäblich keinem verfolgten Palästinenser oder anderen Araber,
    wegen dieser Verfolgung Asyl gewährt hat.

    Israelische Menschenrechtsaktivisten, auch Parlamentsabgeornete und Schwulenaktivisten berichten von der Bedrohung arabischer Schwuler
    durch die Instrumentalisierung ihrer Notlage.
    Es handelt sich konkret um Pressionen durch den Geheimdienst Shin Bet.
    Entweder du arbeitest für uns, oder wir werfen dich raus.

    So gesehen ist die Vermarktung von Mordopfern der Schwulenverfolgung für die politischen Stoßrichtungen
    der israelischen Botschaft und deren rassistischen Dienstherrn Lieberman, mehr als zynisch.

    Der Beitrag scheint aus der Ecke zu kommen,
    die einen Angriff auf die iranische Zivilbevölkerung
    mit atomaren Sprengmitteln befürworten und hier mit
    billigsten Methoden Ballarinas der Zivilgesellschaft
    geben wollen.

    Von unerwähnten abgeschlachteten Schwulen während des Gaza-Massekers mal abgesehen.

    Zu jedem Dreck bereit:

    www.focus.de/politik/ausland/broschuere-fuer-armee-kirche-mi
    t-hisbollah-verglichen_aid_418040.html


    The British weekly news magazine, The Economist reports:

    "...despite relatively progressive laws, says Yoav Sivan, a young Israeli gay activist, Israel's liberalism is more selective than its politicians make out. Over the past 12 years some 60 gay Palestinians have asked...for help getting asylum because their lives are in danger back home. Israel has not granted one request. Nor will it give residence permits to those with steady Israeli partners, as it routinely does to its citizens' same-sex partners from other countries. At best...it lets the Palestinians stay a while to seek refuge elsewhere.

    "But other states also show little sympathy. Only 20 of the 60 have won asylum abroad. The rest are in jail or living illegally in Israel, as are hundreds more who have not even sought asylum as it means losing any chance of returning home.

    "Israel does give asylum to Palestinians whose lives are at risk-for collaborating with Israel's Shin Bet intelligence service. And sometimes the Shin Bet blackmails gay Palestinians into working for it by threatening to expose them-as does Palestinian intelligence, for that matter. So Palestinians known to be gay are invariably suspected of being collaborators too-which puts them in even greater danger."
  • Antworten » | Direktlink »
#10 free_worldEhemaliges Profil