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Eine am Donnerstag vom Justizministerium vorgestellte Studie beweist, dass Kinder in Regenbogenfamilien keine Nachteile haben – Ministerin Brigitte Zypries (SPD) will deshalb Schwule und Lesben beim Adoptionsrecht gleichstellen.

Zypries hatte die Studie vor vier Jahren beim Bayerischen Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München in Auftrag gegeben. "Heute ist ein guter Tag für alle, die auf Fakten statt auf Vorurteile setzen - gerade bei weltanschaulich besetzten Themen", verkündete die Bundesjustizministerin in Berlin. Ihr Fazit: "Dort, wo Kinder geliebt werden, wachsen sie auch gut auf. Entscheidend ist eine gute Beziehung zwischen Kind und Eltern und nicht deren sexuelle Orientierung". Die Studie belege "auf wissenschaftlich fundierter Grundlage, dass Familie dort ist, wo Kinder sind".

Kinder haben hohes Selbstwertgefühl

Die Studie fasst zwei Befragungen zusammen, für die rund 1000 Eltern und 100 Kinder interviewt wurden, die größtenteils in Eingetragenen Lebenspartnerschaften leben. Damit sei die Untersuchung nach Ansicht des Ministeriums "überrepräsentativ", da insgesamt nur 2.200 Kinder mit Eltern in einer Homo-Ehe in Deutschland aufwüchsen (eine Sicht, die Paare ohne Homo-Trauschein oder alleinerziehende Eltern unter den Tisch fallen lässt). 93 Prozent der befragten Eltern waren Frauen. Nur sehr wenige Kinder kamen als Adoptivkinder (1,9 Prozent) oder Pflegekinder (6 Prozent) in die Regenbogenfamilien, der Rest wurde in der Partnerschaft oder einer früheren Beziehung von einem Elternteil geboren; bei der Kinderbefragung kamen 78 Prozent aus einer heterosexuellen Beziehung der Mutter. Im Vergleich zu Kindern in Hetero-Partnerschaften hätten diese Kids und ihre Mütter oft mehr und friedlicheren Kontakt zum anderen leiblichen Elternteil.

Bei den Kindern gebe es keine Neigung zu Depression, sie zeigten sogar ein höheres Selbstwertgefühl als Altersgenossen. Auch in schulischen Ergebnissen und der Planung von Ausbildung und Beruf schnitten die Kids besser ab - alles Hinweise auf die individuelle Qualität der Eltern-Kind-Beziehung. Die Kinder selbst gaben an, ihre Familie positiv zu bewerten und fühlten sich nicht beeinträchtigt.

Die Studie ergab, dass die Paare im Arbeits- und Bekanntenkreis sehr offen ihre Familie leben und eher selten auf Diskriminierung stoßen - am schlimmsten seien die eigenen Eltern. Die Kinder erlebten durchaus Hänseleien und ähnliches (63 Prozent hatten aus Sicht der Eltern entsprechende Erfahrungen, bei den Kids berichteten 53 Prozent von Problemen), könnten damit aber umgehen und seien in ihrer Entwicklung nicht beeinträchtigt.

LSVD: Ergebnisse überraschen nicht

Justizministerin Zypries fordert bereits seit längerem das Adoptionsrecht für Lebenspartner (queer.de berichtete), ohne es bislang in ihren jeweiligen Koalitionen umgesetzt zu haben. Derzeit dürfen Schwule und Lesben zwar einzeln Kinder adoptieren, eine Adoption durch ein Homo-Paar ist aber in Deutschland verboten. SPD, FDP, Grüne und Linkspartei sprechen sich für die Gleichberechtigung von verpartnerten Paaren in der Frage des Adoptionsrechts aus, lediglich die Union lehnt dies mit Verweis auf das "Kindeswohl" ab. Zypries will erreichen, dass die Gleichberechtigung in der nächsten Legislaturperiode Gesetz wird.

In Presseinterviews hat die Ministerin am Donnerstag erklärt, dass sie eine Gleichbehandlung von (verpartnerten) Schwulen und Lesben erwarte. Allerdings weist sie darauf hin, dass es zehn Mal mehr adoptionswillige Elternpaare als Adoptionskinder gebe. Auch wenn nur wenige verpartnerte Paare von Adoptionen profitieren könnten, sei eine Gleichberechtigung in dieser Frage dennoch wichtig, erklärte sie im Deutschlandfunk: "Der wesentliche Punkt ist erst mal, dass wir mit den rechtlichen Voraussetzungen eine der formalen Diskriminierungen von homosexuellen Paaren noch beseitigen."

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) zeigte sich von den Ergebnissen der Studie nicht überrascht. Es habe bereits viele Untersuchungen im angloamerikanischen Raum gegeben, in denen nachgewiesen wurde, dass Schwule und Lesben dem Kindeswohl nicht schadeten, erklärte LSVD-Sprecherin Uta Kehr – und appellierte an die Bundesregierung: "Beenden Sie die bestehenden Diskriminierungen von Regenbogenfamilien im Familienalltag! Schaffen Sie ein Recht auf Familiengründung, unabhängig von der sexuellen Orientierung!". (dk)



Gleichbehandlung: Union bleibt beim "Nein"

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53 Kommentare

#1 Tim_ChrisProfil
  • 23.07.2009, 13:08hBremen
  • "Zypries hatte die Studie vor vier Jahren [...] in Auftrag gegeben."

    Dazu braucht es keine vier-jährige teure Studie, sondern lediglich klaren Menschenverstand. Ich hätte ihnen die Antwort sofort und kostenlos geben können. Zudem gab es bereits genug Beweise. Zitat Uta Kehr: "Es habe bereits viele Untersuchungen im angloamerikanischen Raum gegeben, in denen nachgewiesen wurde, dass Schwule und Lesben dem Kindeswohl nicht schadeten" Warum sollte es bei uns anders sein, als dort?
    Aber was für ein Zufall, dass diese Studie ganze vier Jahre - also eine Regierungsperiode lang - bis zum Abschluss gedauert hat. So kann man die Entscheidung guten Gewissens der nächsten Regierung überlassen und wahrt sein Gesicht. Passend, so kurz vor der Wahl

    Das Gesetz hätte bereits vor vier Jahren vorgelegt und verabschiedet werden können. Für meine Begriffe nichts anderes als reine Zeitschindung
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#2 TobiAnonym
  • 23.07.2009, 13:15h
  • Ach was... Das hätte ich auch ohne Studie sagen können.

    Was ist wohl besser: wenn Kinder auf der Straße / im Heim aufwachsen oder in einer liebevollen Familie?

    Und was ist wohl besser: wenn es bei gleichgeschlechtlichen Paaren ein gemeinsames Adoptionsrecht gibt, so dass Kinder beim Sterben eines Elternteils (was eh schon katastrophal ist) nicht auch noch den zweiten Elternteil und die gewohnte Umgebung verlieren? Oder wenn man das aus purer Ideologie verhindert.

    Es gibt doch schon genug Studien (sowohl psychologische, als auch soziologische, als auch medizinische, etc.) die belegen, dass Kinder sich in gleichgeschlechtlichen Familien sehr gut entwickeln und bezüglich Menschenachtung, Toleranz, Sozialkompetenz, etc. oft sogar besonders qualifiziert sind.

    Das Schlimme:
    Parteien wie die CSU/CSU verbreiten Lügen, um dies alles aus purem ideologischen Hass zu verhindern! Man kann uns gerne hassen, aber wer dann auch noch behauptet Kinder schützen zu wollen, in Wirklichkeit jedoch Kinder instrumentalisiert und ihnen schadet, um ganz andere Ziele zu verfolgen, gehört abgewählt!!!
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#3 SmartiSaar
  • 23.07.2009, 13:28h
  • Antwort auf #2 von Tobi
  • "Das Schlimme:
    Parteien wie die CSU/CSU verbreiten Lügen, um dies alles aus purem ideologischen Hass zu verhindern! Man kann uns gerne hassen, aber wer dann auch noch behauptet Kinder schützen zu wollen, in Wirklichkeit jedoch Kinder instrumentalisiert und ihnen schadet, um ganz andere Ziele zu verfolgen, gehört abgewählt!!!"

    Genau aus diesem Grund hat Brigitte Zypries eben diese Studie in Auftrag gegeben um eben diesen Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das die Studie erst jetzt kurz vor der Wahl abgeschlossen ist darüber läßt sich evtl. noch streiten aber das Grundmotiv für die Studie waren eben die o. g. Zweifler die somit keine greifbaren Argumente gegen das volle Adoptionsrecht mehr vorbringen können.
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#4 goddamnedliberalAnonym
#5 stephan
  • 23.07.2009, 14:38h
  • Antwort auf #3 von SmartiSaar
  • "Genau aus diesem Grund hat Brigitte Zypries eben diese Studie in Auftrag gegeben um eben diesen Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen."

    Tja, aber das Problem besteht - nach meiner Auffassung - wohl darin, dass man die ideologisch verblendeten Menschen - z.B. in den Unionsparteien - nicht durch noch so fundierte Studien wird überzeugen können. Bei so vielen Punkten bzgl. Homorechte etc. haben wir doch alle schon gesehen, dass den Konservativen die Argumente ausgehen und dennoch beharren sie auf ihrer sog. Meinung.

    Dennoch muss es an allen Stellen diese argumentative Auseinandersetzung geben - auch fundiert durch wissenschaftliche Studien - so dass es eben für jeden augenfällig wird: Der Widerstand gegen eine vollkommene Gleichstellung von Schwulen, Lesben und ihre Lebensformen beruht auf nichts weiter als ideologischer Verblendung und bei einigen auch auf einem tiefsitzenden Hass.

    Im Fall der Bevorzugung der heterosexuellen Ehe z.B. scheint es mir so, dass es selbst den Konservativen langsam zu dumm wird, sich letztlich immer wieder auf das Verfassungsargument zurückzuziehen, weil dieses Manöver doch wohl zu leicht zu durchschauen ist und für jedermann evident wird, wie sehr dieser (Kurz-)Schluss am eigentlichen Kern der Sache vorbeigeht.

    Zypries sagte im Deutschlandfunk (Interview zu der in Rede stehenden Sudie) - angesprochen auf die vermeintlich nicht so stabilen Homobeziehungen - das hierzu keine Studien vorlägen, da es die Eingetragene Partnerschaft noch nicht lange genug gäbe. - Wenn das untersucht wird, weiß auch schon jeder was wohl herauskommt, aber meinetwegen sollen die Soziologen auch das analysieren.

    Ich benötige derartige Studien auch nicht - es sei denn zur Bloßstellung der Argumentlosen und Verblendeten!
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#6 Jörg-HendrikAnonym
  • 23.07.2009, 14:55h
  • Antwort auf #4 von goddamnedliberal
  • Die sollen das Maul halten. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung wies vor längerer Zeit in einem Kommentar zu Recht darauf hin, dass in den Fällen von Kindstötungen nicht nur die Eltern auf furchtbare Weise versagt haben. "Sie zeugen auch von der Verwahrlosung der öffentlichen Verantwortung." Die Kinder seien nicht an einer unzureichenden Rechtslage gestorben, sondern daran, "dass die Behörden das Recht dieser Kinder nicht verwirklichen konnten oder wollten; daran, dass die Jugendämter überfordert waren und womöglich auch daran, dass das Geld nicht reichte". Die Heimplätze seien teuer, und die Jugendhilfe gehöre zu den großen Sparopfern bei den so genannten Reformen des Sozialstaates.
    Stattdessen werden Kredite bedient, die man mit Finazhaien abgeschlossen hat. Beschlossen von neoliberalen Idioten, quer durch alle Parteien, bis auf die Linke.
    Bundesweit nahmen Jugendämter z.B. im Jahr 2006 zwangsweise 5.800 Kinder wegen akuter Vernachlässigung in Obhut. Der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer schätzt die Dunkelziffer auf 25.000. Seiner Ansicht nach betreffen Fälle von Kindstötung fast immer "Familien am extremen sozialen Rand, von Armut betroffen und überfordert, mit dem zumeist ersten Kind klarzukommen".
    Der Bund deutscher Kriminalbeamter geht davon aus, dass jede Woche drei Kinder an den Folgen von Vernachlässigung oder Misshandlung sterben. Allein in Berlin wurden im Jahr 2005 schon 314 Fälle von mutmaßlicher Vernachlässigung von Kindern registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.
    Der geschäftsführende Direktor des Zentrums für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung Klaus-Peter Strohmeier von der Universität Bochum erklärte einst in einem Artikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, im Revier gebe es Viertel, "in denen die Kinder keinen Erwachsenen kennen, der arbeitet".
    Bei der Bundesagantur für Arbeit liegt eine Studie über 12 Millionen gefährdete Arbeitsplätze.Das nur am Rande

    www.stock-world.de/board/forum_talk/381155/thread.m?backurl=
    board_talk.m&a=_talk&447


    Agenda 2010 (Schröder/Fischer) Neben den massiven finanziellen Kürzungen hat die Hartz-Gesetzgebung auch strukturell vieles geändert. So wurden beispielsweise durch die Einführung von Hartz IV die Jugendhilfe und die Sozialhilfe voneinander getrennt. Das hat zur Folge, dass Jugendämter anders als zuvor nicht mehr erfahren, wenn eine Familie in finanzielle Not gerät und ihr beispielsweise der Strom abgestellt wird.
    Die coolsten CDU-Spacken in Sozial- und
    Jugendhilfeausschüssen werden die
    Adoption "klammheimlich" begrüßen.
    Aus pekuinären Gründen.
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#7 nino89
  • 23.07.2009, 16:18h
  • Das finde ich gut, dass das jetzt endlich mal richtig veröffentlicht wurde. Bin nur mal gespannt, was die CDU/CSU jetzt dagegen setzen will, da ihr altes Argument ja nicht mehr gültig ist. Jetzt wird sie vermutlich sagen, dass es ihren Ansichten der Familie widerspricht, womit sie dann mal ihre wahren Ansichten offen zu gibt und nicht mehr hinter gut klingenden Argumenten versteckt.
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.07.2009, 17:29h
  • Nach dieser Studie ist wohl der letzte Skeptiker (hoffentlich) eines besseren belehrt worden: die Regenbogenfamilie hat sich etabliert. Ein großer Erfolg!
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#9 Adrian
  • 23.07.2009, 17:40h
  • Antwort auf #5 von stephan
  • @ stephan

    Hallo Stephan,

    du schreibst u.a.
    "Ich benötige derartige Studien auch nicht - es sei denn zur Bloßstellung der Argumentlosen und Verblendeten!"

    Das ist zweifellos richtig und auch ich benötige diese Studien nicht.

    Wichtig ist mir allerdings die Außenwirkung, die es mit Sicherheit geben wird (war heute hier im WDR 2 bereits mehrfach in den Nachrichten) und da bleibt erfahrungsgemäß immer "etwas hängen."

    Bin ansonsten mit dir (wie üblich) d'accord.

    Beste Grüße
    Adrian
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#10 TobiAnonym
  • 23.07.2009, 18:40h
  • Antwort auf #3 von SmartiSaar
  • Vielleicht habe ich mich etwas falsch ausgedrückt:

    Auch ich begrüße jede zusätzliche Studie. Mir ist zwar das Ergebnis schon vorher klar, aber jede zusätzliche Studie, jeder Wissenschaftler, etc. nimmt den Ewiggestigen den Wind aus den Segeln.
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