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Der Toleranzpreis des Ruhr-CSDs in Essen ging in diesem Jahr an die kirchenkritische Professorin.

Von Christian Scheuß

"So, Leute, ich hab drei Minuten Redezeit und hab‘ mir einen Wecker mitgebracht!" Uta Ranke-Heinemann bedankte sich für die Verleihung des "Blütenfest-Award" am vergangenen Samstag auf dem Kennedy-Platz in Essen auf ihre ganz eigene Weise. Im Schweinsgalopp durchlief sie mehrere tausend Jahre sexueller Unterdrückung durch die katholische Kirche in einer Kurzvorlesung, die mit dem Klingeln ihrer mitgebrachten Eieruhr nach exakt drei Minuten beendet war. Den lang andauernden Beifall des Publikums genoss die 81-jährige sichtlich bewegt.

Kurz zuvor hatte der Oberstadtdirektor der Stadt Essen, Christian Hülsmann die Laudatio auf die streitbare Professorin gehalten. Uta Ranke-Heinemann hätte sich zunächst gewundert, dass ausgerechnet ein CDU-Mann die Lobesrede auf sie halten wolle, verriet Hülsmann. Doch sie habe ihm in einem Telefonat auf den Zahn gefühlt. Hülsmann habe sie davon überzeugen können, dass er "nicht dem Mainstream" zum Thema Homosexualität in seiner Partei angehöre. Die Professorin prangert seit den siebziger Jahren in Büchern und Vorträgen die Sexualitätsfeindlichkeit der katholischen Kirche an und macht als einen der Gründe dafür den Machterhalt des ihrer Meinung nach überwiegend und versteckend lebenden homosexuellen Klerus aus.

Youtube | Drei Minuten mit Uta Ranke-Heinemann

Das Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.), der Verein Essen Andersrum und die Essener Aidshilfe vergaben den "Blütenfest-Award" an Ranke-Heinemann, weil sie "mit ihrem langjährigen Wirken auch ein Stück weit dazu beigetragen hat, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der Stadt Essen abzubauen", betonte Klaus-Peter Hackbarth von der Essener AIDS-Hilfe. Der Preis, eine Skulptur aus einem Regenbogen mit rosa und schwarzem Winkel an der Seite, symbolisiert Verfolgung und Diskriminierung sowie Emanzipation. Und der blümerante Name erinnert an Tanzveranstaltungen vergangener Zeiten, die in Essen als Blütenfest deklariert, verschwiegene Treffpunkte von Homosexuellen waren.

Umringt von Regenbogenfahnen und bei trockenem Wetter bot der 6. Ruhr-CSD auf dem Kennedyplatz ansonsten eine Mischung aus Spaß und Aufklärung, buntem musikalischen Programm und politischen Inhalten. 25 Infoständen von Vereinen und Gruppen präsentierten sich. Das zehnstündige Programm wartete auch mit einer Schweigeminute der Aids-Hilfe Essen auf.



#1 DominiqueAnonym
#2 BündnisAnonym
  • 03.08.2009, 13:21h
  • Ich war ja gespannt.
    Aber die weise Hose ist gut, macht sie jünger.
    Den Preis hat sie echt verdient. Ein Leben lang hat sie klug Positionen errungen, half Breschen zu schlagen,
    um neue Positionen zu besetzen.
    Dabei hat sie mit ihrer unbeschwert agilen und
    motivierenden Art, mitunter wie für mehrere Männer
    ihre Frau gestanden, auch schon wegender Themenbreite ihres seriös erfüllten Engagements.
    Dass sie es sich damals nicht verkniff, als Bundespräsidentenkandidatin für die PDS anzutreten,
    zeigt ihr sicheres Händchen für neuralgische Punkte.

    de.wikipedia.org/wiki/Uta_Ranke-Heinemann

    Die Nummer mit der Eier-Uhr paßt zu ihr.
    Selbstironie ist ein Zeichen von Stärke.
    Mich freut der Preis für sie.
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#3 Ein FreundAnonym
  • 03.08.2009, 15:51h
  • Liebe Uta Ranke-Heinemann,

    meinen herzlichen Glückwunsch!

    Ich freue mich sehr, dass Ihnen der "Blütenfest-Award" ("Toleranz-Preis") verliehen wurde und könnte mir kaum eine würdigere Preisträgerin vorstellen!

    In Jahrzehnten, in denen es überhaupt nicht üblich war, sich mit Homosexuellen auch nur abzugeben, haben Sie mutig und entschlossen dafür gekämpft, dass es Veränderungen gibt. Ich bewundere Sie dafür nicht eingeknickt zu sein gegenüber einer reaktionären Kirchenführung, die auch heute noch Menschen diskriminiert nur weil sie nicht dem sexuellen Mainstream entsprechen.

    Vielen Dank für Ihren Mut, Ihre Unbeugsamkeit. Ich verneige mich vor Ihnen mit Hochachtung.

    Ein Freund
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