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  • 04. August 2009, noch kein Kommentar

Jetzt neu als Taschenbuch: Ola Klingbergs Opern-Roman "Der Ring" ist eine berührende schwule Lovestory aus New York – und beileibe nicht nur Operntrinen zu empfehlen.

Von Micha Schulze

Einmal kann man einen guten Fick getrost wiederholen, sagt sich James, doch ein drittes Date mit ein und demselben Mann sollte gut überlegt sein. Mit Raymond zum Beispiel möchte er nicht versehentlich in eine Beziehung schlittern. James hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: gemeinsam Altwerden mit Ehemann plus zwei adoptierten Kindern in einer schicken Wohnung – da ist für ihn ein HIV-positiver Chaot ohne Geld nicht die beste Partnerwahl. So sagt James sein drittes Date mit Raymond, der gemeinsame Besuch von Wagners "Ring", kurzfristig ab – um dann doch in der Oper aufzutauchen. Gegen das Schicksal ist halt nur schwer anzukommen...

Auch wenn Ola Klingbergs Roman "Der Ring" als der schwule Opern-Roman vermarktet wird, ist er in erster Linie eine berührende Liebesgeschichte. Eine intelligente und kurzweilige Reflexion über Sex und Honeymoon, Chaos und Ordnung, über zu wenig und zu viel Geld, Ficken und Geficktwerden: Zwei sehr unterschiedliche Männer begegnen sich in New York City, befruchten sich und verzweifeln doch aneinander. Monate nach der nicht ausgesprochenen Trennung stirbt Raymond im Krankenhaus an den Folgen seiner Infektion.

Klingbergs Erzähler, im Roman ein schwedischer Journalist, der James nach Raymonds Tod interviewt und selbst mit Beziehungsproblemen kämpft, ergreift für keinen der Akteure Partei. Es geht nicht um Schuld oder Fehler, Vorwürfe oder vermeintlich verlorene Jahre, sondern um Authentizität, die Kraft des Augenblicks und das Genießen des Alltags. Selten kommt ein Drama so locker und mit einem so positiven Grundton daher. Jede Beziehung, auch die gescheiterte, so die Message des Romans, lohnt sich, wenn man nur aufrichtig seinen Gefühlen folgt.

Operntrinen werden an diesem Buch freilich ihre besondere Freude haben. Immer wieder lässt Klingberg seine Figuren über Oper im Allgemeinen und Wagner im Besonderen philosophieren, ohne dass es gekünstelt wirkt oder jene Leser nervt, die mit singenden Walküren nichts anfangen können. Gekonnt spielt die Romanhandlung mit den Themen des "Rings", Klingbergs James erscheint als der moderne Wotan, während man in Raymond seine Variation des Feuergotts Loge erkennt.

Doch von Wagners "Ring" zum Cockring ist es nicht weit: Von einem Iren mit rotblondem Schamhaar bekommt James nach einer heißen Nacht einen Cockring geschenkt. Als Heiligenschein auf dem Kopf einer Billy-Puppe bleibt er als Andenken, bis ihn Wochen später ein Pharmavertreter aus Kalifornien entdeckt, probiert - und behalten darf. Der wiederum gibt ihn an einen Literaturprofessor weiter... So verknüpft ein Cockring unbekannte Männer miteinander. Für James ist diese "sexuelle Bruderschaft" so wichtig wie Verfassung und Menschenrechte – solange der Cockring wandert und nicht dauerhaft an einem Ständer bleibt.

Ola Klingberg: Der Ring, Roman, Taschenbuch, 356 S., Männerschwarm Verlag, Hamburg 2009, 12,00 €