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  • 10. August 2009, noch kein Kommentar

Das neue Album "Dos lágrimas" (Zwei Tränen) des großen Flamenco-Sängers

Von Carsten Weidemann

Er gilt als einer der bedeutendsten Flamenco-Sänger unserer Tage. Nicht wenige nennen Diego el Cigala bereits im einem Atemzug mit dem berühmten Camarón.

Wie ein Blitz trifft ihn nachts die Inspiration. Er springt aus dem Bett, trommelt seine Musiker zusammen, um an einem Lied weiter zu arbeiten, das noch nicht ganz fertig geworden ist und ihn jetzt ruft. So sind Lieder nun einmal, sie rufen ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit, und El Cigala antwortet ihnen. Er muss, wie jeder andere Mensch, schlafen und leben, aber wenn ein Lied drängt, vergisst er alles andere und folgt ihm. So war es schon, als er noch Kind war – warum sollte es jetzt anders sein?

Sein neues Album "Dos lágrimas" (Zwei Tränen) ist die Fortsetzung jener Leidenschaft, die seine CD "Lágrimas negras" (Schwarze Tränen) mit Bebo Valdés weltweit zu einem Bestseller machte (weltweit 1,7 Million Verkäufe und mit dem Grammy® ausgezeichnet) und zu einer Aufnahme, durch die viele Menschen die Fähigkeit zuzuhören wiederentdeckt haben. Der Titelsong ist wohlbekannt aus der großen Tradition des Boleros. Aber El Cigala fügte diesen Tränen ein wenig Salz hinzu, das gewisse Etwas, was vorher noch niemand gemacht hatte. Die Musik und Bebos Klavierspiel würzten es auch noch mit Pfeffer und den Zutaten für eine Version, die nun wie ein verinnerlichtes Symbol der Trauer erscheint.

Jetzt gibt es "Dos lágrimas". El Cigala hat daran gearbeitet, als trainiere er darauf, zu Fuß zum Mond zu kommen. Als er ein Video von der Entstehung der Aufnahme zeigt, ist aber nicht nur diese Anstrengung sichtbar. Auf einer viel tieferen Ebene erkennt man den emotionalen Preis, den er für die Fertigstellung des Albums zu zahlen bereit war.

Denn hinter all dem steht eine Widmung. Er wollte das Album Isabel Polanco – der Produzentin und Beraterin von Santillana – widmen, die am 28. März 2008 im Alter von 51 Jahren starb. Sie war hingerissen von seiner Musik, lauschte ihr im Studio, zu Hause und auf Festen, als wäre sie ihre Lebensgeschichte. El Cigala beobachtete das und sang, als sei die Musik "Zwei Tränen" allein für sie.