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Mannheim ist kräftig dabei, sein Image als liberale Stadt für kreative Köpfe aufzupolieren. Dass die Stadt für Schwule und Lesben besonders lebenswert ist, das bewies der CSD Anfang August.

Von Christian Scheuß

Eigentlich ist ja der Kurfürst an allem schuld. Wenn nicht Friedrich IV. von der Pfalz vor gut 400 Jahren damit begonnen hätte, das Dorf Mannheim zu einer Festung mit einem gitterförmigen Straßennetz auszubauen, wäre der Ort heute nicht als Quadratestadt berühmt. Und hätten nicht diverse nachfolgende Kurfürsten nach mehrmaliger Zerstörung der Stadt immer wieder Leute durch weitgehende Freiheiten der Bürgerschaft angelockt, dann wäre Mannheim nicht so Schwulen- und Lesbenfreundlich, wie sie heute von vielen empfunden wird.

Das ist kein weit aus der Klamottenkiste hergeholter Witz, das empfinden alle so, die man nach dem Lebensgefühl in der Baden-Württembergischen Stadt befragt. Freiheit, Liberalität, Revoluzzertum und Kreativität wurden in dem Ort mit derzeit rund 330.000 Einwohnern in den vergangenen 400 Jahren – zumindest die meiste Zeit über - befördert. Dieses Geschichtsbewusstsein im Rücken, veranlasste die Stadt Anfang 2009, dem am Boden liegenden Christopher Street Day einen dringend benötigten Motivationsschub zu geben. 2008 war der CSD ausgefallen, nachdem man sich in der Szene mit dem bisherigen Hauptorganisator, den Betreiber einer Szenediscothek, überworfen hatte. Zu kommerziell, zu teuer, zu wenig politische Inhalte, lautete die Kritik. Den in Mannheim arbeitenden schwul-lesbischen Gruppierungen gab man den Tipp, dass man bereits sei, logistisch und auch mit Geld unter die Arme zu greifen, wenn man es denn hinkriegen würde, einen CSD auf die Beine zu stellen.

Nächstes Jahr wird der CSD größer

Man hat es geschafft. "Wir konnten innerhalb von vier Monaten einen Verein für die CSD-Organisation aus dem Boden stampfen, und haben sogar die vorläufige Gemeinnützigkeit erhalten", verkündete Harald Blaul, erster Vorsitzender des nagelneuen CSD Rhein-Neckar e.V. Anfang August stolz bei der Eröffnungsveranstaltung, der CSD-Gala im Oststadttheater. Die 300 Gäste jubelten. Premiere hatte außerdem eine neue Broschüre "Queer im Quadrat", ehrenamtlich zusammengestellt, von der Stadt finanziert und nun als offizielles Werbemittel für den Tourismus erhältlich. Nicht zuletzt lud das Amt für Öffentlichkeitsarbeit Journalisten der Szenepresse zum CSD. Bislang waren nur die großen Metropolen wie Hamburg, Berlin oder Köln auf solch eine Idee gekommen, eine professionelle Medienbetreuung von Städten der Größe wie Mannheim kannte man bislang nicht.

Als dann am 8. August Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) als Schirmherr gemeinsam mit einiger Politprominenz auf der Kurpfalzstraße zum Start der Parade das Regenbogenband zerschnitt, und die Polizei dem Zug offiziell 60.000 Zuschauer bescheinigte, frohlockte Mitorganisator Alexander Hendorf erschöpft aber glücklich: "Die Erwartungen wurden übertroffen." Für 2010 plane man nun, auch die Nachbarstadt Ludwigshafen in den CSD mit einzubeziehen.

Was Mannheim sonst noch so attraktiv macht

Szene: Diverse Bars und Tagescafés, zwei Saunen, mehrere regelmäßige Events wie die Himbeerparty, der schwul-lesbische "Andere Buchladen" und der feministisch-lesbische Buchladen "Xanthippe", eine Auswahl aktiver Gruppen- und Beratungsangebote für die Szene, Mannheim ist Anziehungspunkt für die Rhein-Neckar-Region. Und ab und an organsiert die Historikerin Ilona Scheidle Touren auf den historischen Spuren der Frauenbewegung der Stadt, in der natürlich auch viele lesbische Frauen eine wichtige Rolle spielten.

Shopping: Viele Innenstädte haben das Problem, dass sie durch die Filialisten völlig gleichförmig und langweilig sind. Mannheim hat zwar mit dem Unternehmen Engelhorn quasi einen Monopolisten im Fashionbereich, doch der sorgt mit klug designten Häusern und einem Mix aus High Class-Markenware im obersten und günstigen Angeboten im untersten Stock wenigstens für Abwechslung. Wer auf feine Designerklamotten mit Seltenheitswert steht, der geht in den Dschungel, ein unter schwuler Leitung geführter Shop mit integriertem Friseursalon.

Kunst und Kultur Das Angebot ist wirklich üppig, nur ein paar Tipps: Die Kunsthalle Mannheim sammelt seit 100 Jahren systematisch moderne Malerei und Skulptur. Von Edouard Manet über Max Beckmann zu Francis Bacon ziehen Künstler von Weltrang die Besucher an. Mannheim ist auch Austragungsort diverser Festivals. In Kürze stehen das 3. Fotofestival "Images Recalled – Bilder auf Abruf" an (5. Sep bis 25 Okt), bei dem auch der schwule Fotograf Wolfgang Tillmans mit dem Kulturpreis 2009 der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet wird. Das 11. Musikfestival "Enjoy Jazz" geht von 2. bis zum 11. November. Es ist berühmt für seinen Mix aus Stars der Jazz-Szene und Experimenten mit neu zu entdeckenden Künstlern.



#1 alexander
  • 14.08.2009, 14:41h
  • ein kompliment an die stadt mannheim, sie erhebt nicht, wie so etliche andere städte einen anspruch, sondern versucht einen anspruch zu erfüllen.
    wohltuend !!!
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#2 mannemer dreckAnonym