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Wie sollen Aids-Prävention und Medien mit unsafem Sex in der Szene umgehen? Fragen an Carsten Wittorf von der schwulen Gesundheits- und Präventionsagentur ManCheck in Berlin

Von Jan Gebauer

Welches ist das Hauptproblem, gegen das die Prävention ankämpft?

Es ist eine Zunahme an unsafem Sex in der Szene zu verzeichnen. Ca. 70 Prozent der Schwulen praktizieren zwar nach wie vor Safer Sex. Die restlichen 30 Prozent sind oftmals Menschen, die früher nur ab und zu ungeschützten Sex hatten. Heute praktizieren sie es aber häufig oder ausschließlich. Besonders in Berlin steigen die Zahlen der Neuinfektionen weiter an.

Wie sollte Aids-Prävention auf den Bareback-Trend reagieren?

Das Wort "Bareback" klingt irgendwie gut, es ist cool und "in". Die Berichterstattung über "Barebacking" macht die Sache zum Trend, den eben viele Menschen mitmachen wollen, weil man Trends an sich gerne folgt. Und es wird als neu verkauft, dabei ist es uralt, eben "unsafe sex". Mit solchen reißerischen Begriffen trägt man eher dazu bei, Anti-Prävention zu machen. Das betrifft sowohl die Aids-Hilfen als auch die Medien. "Barebacking" an sich ist eigentlich nur eine kleine Bewegung und kein Massenauftritt. "Barebacking" selbst ursprünglich für eine Bewegung der Positiven, die ungeschützt Sex untereinander haben wollen, da sie ja eh schon infiziert sind. Aber mittlerweile ist der Begriff missbräuchlich eingesetzt worden, es werden u. a. Pornos damit beworben.

Was machen denn die Medien falsch?

Medien berichten viel über Bareback, aber leider meistens nicht besonders reflektiert oder informativ, sondern nur aus Verkaufszwecken. Damit wird Bareback auch zum Trend hoch geredet. Daneben gibt es die Pharmaindustrien, die mit ihrer Werbung oft auf sehr romantische Art und Weise verbreiten: "Och das ist doch alles gar nicht so schlimm, wenn man sich infiziert. Man kann ja Zukunft erleben, man lebt viel besser als vorher. Es gibt ja gute Medikamente." Das entspricht aber nicht ganz der Realität. Natürlich nimmt die Bedrohung faktisch ab, an Aids zu sterben. Aber die großen Nebenwirkungen darzustellen, das ist viel zu kompliziert und kommt daher nicht vor.

Haben die Menschen wirklich hauptsächlich wegen eines Trendes unsafen Sex?

Da kommen ganz viele Faktoren zusammen. Jüngere Menschen können mit Aids oftmals nicht viel anfangen, weil das Thema in den Schulen nicht angemessen behandelt wurde. In der Szene dagegen sieht man Aids einfach nicht mehr. Die Erkrankten sind rein äußerlich nicht zu erkennen, und man bekommt auch weniger mit, welche Nebenwirkungen bei diesen auftreten. Bei über 45-Jährigen hat man mittlerweile oft die Einstellung: "Und wenn ich es kriege, dann habe ich noch ca. 20 Jahre vor mir. Dann bin ich 65 und es ist eh egal." Natürlich gibt es auch die Präventionsmüdigkeit, jemand hat einfach keine Lust mehr, immer Sex mit Kondom zu haben. Früher stand der Tod dagegen, heute "nur noch" eine lebenslange Medikamenteneinnahme, die allerdings im Bewusstsein der Leute kaum realistisch auftaucht. Die wenigsten wissen, was für ein Medikamenten-Cocktail gegen die Krankheit eingenommen werden muss und wie viele starke Nebenwirkungen auftreten, die das Leben erschweren und stark einschränken.

Brauchen wir denn neue Präventionsansätze oder Kampagnen?

Für mich ist Prävention wie ein Strauss Blumen. Man muss viele verschiedene Wege gehen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Sexualität an sich ist eben immer sehr individuell. Nur der richtige Mix aus Medien- und Vorortarbeit, Ernsthaftigkeit und auch Komik bringt den Erfolg. Für manche Menschen brauchen wir seriöse Broschüren, um sie zu erreichen, bei anderen kann schon ein witziger Werbespot Aufmerksamkeit erzeugen.

Hat nicht jeder das Recht, selber zu entscheiden, ob er sich schützt oder nicht?

Eindeutig! Nicht jeder hat allerdings die freie Wahl, da eben Erziehung und Lebenskontext in den unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft sehr weit auseinander driften. Ein Mensch, der wenig Zukunftsaussichten für sich selber hat, der entwickelt oftmals auch eine geringere gesundheitliche Perspektive. Jeder trägt aber letztendlich die Konsequenz seines Handelns selbst.

03. Juni 2004



#1 legalisAnonym
  • 04.06.2004, 08:35h
  • Derjenige, der mit Angst zur Untersuchung ging und von ihr befreit nach Hause, wird dieses Thema anders behandeln als all´die trendys.
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#2 ronnyAnonym
  • 15.08.2004, 11:25h
  • ich muss mal dazu was sagen...ich war gestern samstag,14.aug. in ner gaysauna
    und in meinen alter bin jetzt 48j hätt ich mit 7 jungen burschen sex haben können.aber,die wollten es alle ohne....nein danke..
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#3 martinAnonym
#4 bertholtAnonym
  • 01.11.2004, 17:17h
  • ja, martin, man kriegt den eindruck als würden die mitarbeiter der aidshilfen nur noch in ihren büros sitzen wollen und möglichst keinen klientenkontakt haben wollen.... die engagiertesten leute werden rausgemobbt und wehe dem es kommen mal positive ehrenamtler! aber hauptsache das gehalt stimmt! es ist schon traurig!
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#5 ThomasAnonym
  • 27.03.2005, 17:57h
  • In der bareback-Diskussion fehlt nach wie vor der Blick auf größere Zusammenhänge. In einer Solidargemeinschaft kann es kein Recht auf mutwillige Beschädigung der eigenen Gesundheit geben, denn Behandlung und andere Folgekosten (weitgehend) vermeidbarer Krankheiten belasten ALLE Kranken- und Sozialversicherten. Daneben betrifft jede schwerere Erkrankung auch Familie und Freunde. Was man sich selbst antut, das tut man also auch seinen Bezugspersonen an. Natürlich ist es bequem und "kundenfreundlich", die persönliche Freiheit des Einzelnen zu verteidigen, ohne je auch die persönliche Verantwortung des Einzelnen zu thematisieren, aber besonders AIDS-Hilfen und schwule Medien sollten Toleranz nicht länger als Selbstzweck behandeln. Bareback ist dumm und asozial! Wir dürfen nicht zulassen, daß es Teil "schwuler Sexualkultur" wird (falls es das nicht längst ist)!
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