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Die Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU ruft Deutschlands Schwule vom 1. September bis 30. November zum HIV-Massentest auf. Fragen an den Kampagnenmanager Matthias Kuske,

Von Jörg Litwinschuh

HIV-Testwochen klingt ja ziemlich auffordernd und auch ein wenig nach Werbekampagne. Um was handelt es sich hier eigentlich?

Wir starten im Herbst vom 1. September bis zum 30. November die ICH WEISS WAS ICH TU-Testwochen. Mit dieser Aktion wollen wir den HIV-Test und Tests auf andere sexuell übertragbare Infektionen (STDs) in den Fokus rücken. Wir bewerben damit ganz gezielt und bundesweit die bestehenden Testangebote auf HIV und andere STDs, damit sich Männer, die Sex mit Männern haben, verstärkt testen lassen.

Bisher waren die Deutsche AIDS-Hilfe und die lokalen Aidshilfen eher zurückhaltend bei der Bewerbung der Testangebote. Warum wird der Test jetzt so stark propagiert?

Da gibt es eine Reihe von Gründen. Aus Präventionsgesichtspunkten ist es zu begrüßen, wenn sich Menschen mit Risikoverhalten verstärkt testen lassen. Wenn man z.B. weiß, dass man HIV-positiv ist, kann man heute mit den Mitteln der antiretroviralen Therapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und den Ausbruch von AIDS verhindern. Man hat heute bei HIV eine annähernd gleiche Lebenserwartung wie bei anderen chronischen Erkrankungen auch, vorausgesetzt, dass man gut therapiert wird. Wer also weiß, dass er HIV infiziert ist, hat heute einen gewissen Vorteil. Das war nicht immer so. Und wenn man weiß, ob man HIV-negativ oder -positiv ist, kann man sein Safer-Sex-Verhalten und seine Risikomanagementstrategien anpassen. Wir wissen, dass Menschen nach wie vor Angst vor dem Test haben, und wir möchten HIV auch nicht verharmlosen. Wir möchten der Krankheit aber den tödlichen Schrecken nehmen. Nur eine zeitgemäße und ehrliche Prävention erreicht die Männer heutzutage noch. Da bei den Tests immer auch eine Beratung angeboten wird, kann man dabei Informationen zu Risikoverhalten und Safer Sex setzen. Viele Männer wissen z.B. nicht, dass das Risiko, sich mit HIV zu infizieren um ein Vielfaches steigt, wenn man sich z.B. mit Syphilis infiziert hat oder wenn gerade Herpesbläschen am "Blühen" sind. Die Leute wissen noch zu wenig, dass die Infektiösität – und damit das Risiko für andere – in den ersten Monaten der HIV-Infektion besonders hoch ist.

Wo können sich die Männer überhaupt testen lassen?

Es gibt bundesweit eine Vielzahl an Projekten, die sich an den ICH WEISS WAS ICH TU-Testwochen beteiligen. Das sind viele Aidshilfen, Präventionsprojekte und auch einige Gesundheitsämter, die zielgruppenspezifische Angebote vorhalten. Gerade die Aidshilfen und die Präventionsprojekte gehen besonders sensibel auf schwule Männer ein. Nichts zuletzt, weil auch viele schwule Männern beraten und auch viele schwule Ärzte die Tests durchführen. Für viele Männer fällt dadurch die Hemmschwelle, die Testangebote auch wahrzunehmen und Fragen zu ihrem Sexleben und ihren individuellen Ansteckungsrisiken zu stellen. Man wird vor dem Test beraten und man kann auch hinterher mit den geschulten Experten reden. Alle Tests finden anonym statt.

Wo erfahre ich denn, welche Testangebote es überhaupt gibt?

Seit Juli gibt es auf www.iwwit.de einen Bereich für unsere Testwochen, wo man alle Angaben zu den beteiligten etwa 50 Projekten in ganz Deutschland erfährt, die von September bis November im Rahmen der ICH WEISS WAS ICH TU-Kampagne mitmachen.

Kostet der Test etwas?

Das ist von Region zu Region ganz unterschiedlich. Das kommt auch darauf an, welche verschiedenen Tests z.B. auf STD angeboten werden. Zum Teil wird der Standardtest angeboten, d.h. man bekommt eine Nummer und muss einige Tage auf sein Ergebnis warten. Zum Teil wird der Schnelltest angeboten, dessen Ergebnis man nach einer halben Stunde erfährt und wo es nur bei einem positiven Ergebnis zu einer erneuten Blutentnahme und einem Bestätigungstest kommt. All dies kann man sehr transparent aufgebaut auf www.iwwit.de nachlesen.

Wenn sich nun viele Leute testen lassen und vielleicht mehr HIV-Infektionen als bisher angenommen entdeckt werden – ist dies dann ein Erfolg der DAH-Präventionsarbeit oder eine Niederlage für die Kampagne?

Das wäre auf jeden Fall ein "Erfolg", weil wir ja die bisher nicht entdeckten Infektionen erkennen wollen, damit sich die Männer gegebenenfalls behandeln lassen und ihr Präventionsverhalten anpassen können. Je länger eine HIV-Infektion unentdeckt bleibt, desto größer ist die Gefahr irreparabler Gesundheitsschäden bis hin zum Ausbruch von AIDS. Auch die Therapieerfolge sinken, wenn man bereits jahrelang positiv war, da das Immunsystem dann schon sehr stark geschädigt sein kann. Viele ändern ihr Verhalten, wenn sie das Testergebnis kennen – egal ob es positiv oder negativ ausfällt. In der Testberatung bekommen die Leute Hilfestellungen, wie sie sich besser vor HIV und anderen STD schützen können. Manch einer hat nämlich ziemlich vage Vorstellung, was Safer Sex ist und was nicht. Abschließend: Die Testwochen können vorübergehend zu steigenden Neudiagnosezahlen führen, denn wir werden schließlich mehr unerkannte Infektionen entdecken. Das ist allen Beteiligten klar.

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15 Kommentare

#1 axelAnonym
#2 beobachterAnonym
  • 24.08.2009, 04:07h
  • Auf keinen Fall sollte man hingehen, bloß weil man schwul ist! Wer gesund ist und erfährt, daß er trotzdem HIV-positiv ist, der hat ab sofort ein Riesenproblem, das er ohne Test nicht hätte.

    Wer a) noch nie einen Sexpartner hatte, b) sich keine Drogen spritzt, c) weder Sperma schluckt noch sich (blank) ficken läßt - hat sich theoretisch mit STD nie anstecken können.
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#3 Ice-ManAnonym
  • 24.08.2009, 08:52h
  • Antwort auf #2 von beobachter
  • Im ersten Punkt stimme ich Dir da zu; die diversen Tests gehen allen etwas an, nicht nur gays.
    Aber im 2. Punkt nicht mehr, denn wenn man weiß, dass man Positiv ist, kann man das Leben umstellen und entsprechend verhalten, was aber für den betreffenden trotzdem hart werden lässt.

    Der Rest: Gute Argumente, denn wenn man keinen Sex hatte, kann man sich nix holen.

    Jedenfalls kam das beim 2. Punkt so rüber, dass man lieber unverantwortlich leben und handeln soll. Man weiß also nie, ob man jemanden angesteckt hat, wenn der betreffende recht aktiv ist. Schon haarscharf ein Freibrief für weitere Ansteckungen.
    Lieber ein Test gemacht und man weiß es, als keinen Test gemacht und man weiß es nicht und die Unsicherheit wiegt (für mich jedenfalls) sehr schwer.

    MfG
    Ice-Man
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#4 beobachterAnonym
  • 24.08.2009, 09:27h
  • Wer laufend andere Sexpartner hat, womöglich nicht mal bei Lichte genau betrachtet, lebt mit großen Risiken. So etwas ist aber nicht der allgemeine Standard! Soll der alle möglichen Vorkehrungen treffen, alles mögliche bei sich und den anderen zu verhüten, schaden kann das nicht.

    Besagter Test dient nicht zur Beruhigung, weil du falls HIV-positiv getestet 1.) die hochtoxische anti-retrovirale Therapie im Prinzip nicht verweigern darfst, 2.) obwohl symptomfrei als infektiös giltst und entsprechende Verhaltensmaßregeln zu beachten bei Strafe verpflichtet bist. HIV kann aber jeder haben, ohne angesteckt worden zu sein, und damit unbehandelt gesund bleiben, ggf. uralt werden.

    Steckt also mal wieder die Pharmaindustrie dahinter.
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#5 DragonWarrior
  • 24.08.2009, 11:18h
  • Antwort auf #2 von beobachter
  • version C ist kompletter bullshit, werter beobachter, solange du über STDs sprichst...
    einen tripper, chlamydien, feigwarzen oder ne syphillis kann man sich nämlich auch dann holen, wenn man safer sex macht. safer sex, so wie er vermittelt wird ist eine prävention für HIV (und vielleicht noch Hep C) alle anderen STDs sind mit dem konzept nicht sicher zu vermeiden...

    und es macht sinn, sich checken zu lassen. denn derjenige der weiß, dass er infiziert ist kann sich behandeln lassen - und zumindest was STDs wie Tripper, Chlamydien oder Syphilis angeht bedeutet das Heilung, bei Feigwarzen mindestens Schadensbegrenzung, bei den Hepatiten eine Impfempfehlung...
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#6 DragonWarrior
  • 24.08.2009, 11:20h
  • @ beobachter:

    "HIV kann aber jeder haben, ohne angesteckt worden zu sein,"

    der blödsinn ist so haarsträubend, dass ich keinen bock habe ihn weiter zu kommentieren
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#7 MIZAnonym
  • 24.08.2009, 14:19h
  • Beobachter ist einer von den sog. Aids-Kritikern, die nicht an die Existenz von HIV/Aids glauben. Er möchte ganz besonders schlau und kritisch sein und fällt auf diesen Müll der 1980er Jahre herein, der zwischenzeitlich schon längst wissenschaftlich widerlegt ist, aber immer noch in den Weiten des www zu finden ist. Warum? Weil so Heinis wie er das unkritisch übernehmen und weiter kommunizieren.

    HIV-Testangebote sollen sich vor allem an schwule Männer richten, die eine Risiko-Situation gehabt haben. Je früher eine mögliche Infektion heute erkannt wird, desto optimaler die Therapiebedingungen. Ob es ein Risiko gegeben hat oder nicht, das wird in einem Beratungsgespräch zum Thema gemacht. Wer gar kein Risiko hatte, etwa weil er stets safer sex gemacht hat, der muss sich eigentlich auch gar keinem Test unterziehen. Warum auch? Es ist aber wohl so, dass ein Test für viele Schwule zum guten Ton gehört. Ein negatives Testergebnis schafft eben nicht nur Klarheit, es beruhigt häufig auch.

    Insofern ist ein HIV-Test handfeste Gesundheitsvorsorge! Die Kampagne der DAH ist sehr begrüßenswert.
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#8 lotusEhemaliges Profil
  • 24.08.2009, 15:06h
  • Antwort auf #7 von MIZ
  • "Ein negatives Testergebnis schafft eben nicht nur Klarheit, es beruhigt häufig auch."

    So war das bei meinen Freunden, die vor nicht ganz zwei Wochen zum Test gingen. Die hatten beschlossen gemeinsam zum Gesundheitsamt zu gehen. Die Ergebnisse sind bei allen fünf
    negativ.
    Vorgestern haben sie mir erzählt, wie es so war. Die Beratung wollten sie gemeinsam, was auch ging. Die ältere Frau dort fand das auch in Ordnung, meinte aber, daß das so nicht so häufig wäre. War aber gut, da durch Fragen weitere Fragen aufkamen. Kurz verblüfft war sie wohl bei der Frage einer Freundin, ob bei ihr als Frau beim Analverkehr noch weiteres zu beachten sei. Die Beraterin fand die Frage gut und meinte noch, daß das auch sehr selten vorkäme, dass danach gefragt wird. Alle waren von der zwanglosen Atmosphäre überrascht.
    Liegt wahrscheinlich aber auch an der Beratungserfahrung dieser Frau.
    Bei meinen Freunden und meiner Freundin war die Anzahl der bisherigen Sexualpartner der Grund zum Test zu gehen.
    Dass Beratung auch als Gruppe geht, finde ich gut.
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#9 seb1983
  • 24.08.2009, 18:03h
  • Antwort auf #8 von lotus
  • Interessanterweise war ich bei (Hetero)Freunden und Freundinnen schon mehrmals Ansprechpartner wenn es darum ging "wie denn sowas läuft mit so einem Test, wo das geht und was das kostet".
    Lustigerweise wurde mir da als Schwulem zugetraut dass ich mich besser auskenne und verschwiegener bin. War aber positiv überrascht dass sich zumindest in meinem Bekanntenkreis (Uni und Co.) auch bei Heteropaaren ein gemeinsamer Test inzwischen bei vielen etabliert hat.
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#10 beobachterAnonym
  • 25.08.2009, 04:43h
  • Darf man eine anti-retrovirale Therapie - die noch immer extrem toxisch ist - ausdrücklich verweigern, falls man HIV-positiv getestet ist? Nein! Ein wichtiger Grund, sich NICHT testen zu lassen.

    Seit Robert Koch und Max Pettenkofer weiß jeder, der es wissen will: Nicht auf "Erreger" kommt es an sondern auf die Abwehrkräfte.

    Ich hätte kein Problem damit, mich - wie bei jeder Aktiv-Impfung - mit einem "Erreger" infizieren zu lassen, der mir nichts anhaben kann.
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