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  • 27. August 2009, noch kein Kommentar

Pavel Liška spielt die schwule Hauptrolle im tschechischen Film "Der Dorflehrer", der heute in den Kinos startet. Im queer.de-Interview spricht er über die erotischen Szenen.

Von Carsten Weidemann

Bohdan Slámas Film "Der Dorflehrer" bewegt mit seiner Geschichte von Freundschaft und Einzigartigkeit, von drei Menschen auf der Suche nach Liebe und ihrer sexuellen Identität. Sie spielen die Hauptrolle: den Lehrer Petr, der mit sener Freundin in Prag Schluss macht, weil er schwul ist, und aufs Land zieht...

Die Rolle ist sehr dramatisch, allerdings spielen sich die größten Dramen vor allem im Inneren der Figuren ab. Zunächst habe ich aus meinen eigenen Lebenserfahrungen geschöpft, Dramen spielen sich ja in jedem von uns ab, aber hier kam es dazu, dass ich für manche Seelenzustände keine eigenen Erfahrungen hatte. Ich musste mir meine Inspiration vielmehr woanders holen, meine emotionale Vorstellungskraft hinzuziehen und das dann alles irgendwie miteinander verbinden. Bohdan Sláma hat mir das sehr erleichtert, indem er ein sehr tiefgründiges und verständliches Drehbuch geschrieben hat.

Es, gibt es eine besondere erotische schwule Szene zwischen dem Lehrer und dem 18-jährigen Sohn seiner Freundin Marie, die sich in einer einzigen Einstellung abspielt…

Ich weiß nicht, ob sie besonders ist, aber es war eine sehr wichtige Szene, für mich durch ihre Art und Weise eine Schlüsselszene. Nicht nur im Bezug auf meine Figur, sondern auch für die gesamte Geschichte. Und es kam für mich nicht darauf an, ob ich diese Szene mit einem Mann oder mit einer Frau drehe. Die Schauspielerei ist ein perverser Beruf. Man lebt sich in fremde Schicksale oder Zustände ein. Man spielt sie. Man weint, lacht wie irre, leidet wie ein Tier, mordet, furzt... und liebt auch sehr oft. Und man liebt meistens den, den man in der Realität überhaupt nicht liebt. Aber irgendwann hat man doch mal geliebt und deshalb weiß man etwas darüber, oder? Ich glaube, ich weiß, wie ein Mann einen Mann lieben kann. Genauso wie ein Mann eine Frau.

Wie wurde die Szene zwischen dem Lehrer und dem Sohn gedreht?

Die Szene war deshalb schwierig, weil meine Figur etwas sehr Böses gemacht hat und ich sie aber trotzdem teilweise verteidigen musste. Ich habe gespürt, dass ich das brauche, damit ich mit dem Lehrer weitergehen und es so weit kommen kann, wie es kommen soll. Ich musste mich da, auch ich als Pavel Liška, teilweise entblößen. Die ganzen Dreharbeiten waren bis zu einem bestimmten Grad entblößend. Wenn man dann darauf kommt, wie es geht – und ich hoffe, dass uns das gelungen ist – müssen noch weitere Komponenten funktionieren. Beispielsweise muss alles auch noch technisch aufgehen. Letztendlich wurde die Szene viel Mal gedreht, einerseits, weil es gerade schon zu dämmern begann, andererseits, weil sie so schwierig war. Nur zum Vergleich: Üblicherweise haben wir die Szenen für den Dorflehrer auch mehr als 20 Mal gedreht und somit war das hier fast ein Rekord.

Youtube | Deutscher Trailer zum Film

Sie haben schon bei seinem ersten Film "Wilde Bienen" mit Bohdan Sláma zusammen gearbeitet. Dann haben Sie auch noch in "Jahreszeit des Glücks" mitgespielt und nun zum dritten Mal im "Dorflehrer". Wie würden Sie Bohdan Slámas Filme beschreiben?

Für mich sind alle Filme von Bohdan Sláma dadurch wertvoll, dass sie jedes Mal eine Reise zum Licht, zu irgendeinem Sinn sind, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussieht. Im "Dorflehrer" ist dieses Gefühl am tiefsten und am deutlichsten. Das ist ein Gefühl, das ich nicht definieren kann, eine Reise zur Erfüllung und Versöhnung. Dieser Film handelt auch viel vom Verzeihen, es ist eine Reise zu sich selbst und damit auch zu einem anderen Menschen. Vielleicht hört sich das alles banal an. Aber es ist eine ehrliche Reise, eine sehr ehrliche. Dafür habe ich Bohda Sláma als Menschen und als Filmemacher sehr gern.