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"I Look to You" wird als große Rückkehr der Soul-Diva angesehen. Wir haben reingehört.

Von Jan Gebauer

Whitney Houston hat mit der CD "I Look To You" nichts dem Zufall überlassen: Generalstabsmäßig wurde die Rückkehr an die Spitze des Musikgeschäfts geplant, die richtigen musikalischen Partner ausgewählt und auf einer Pressekonferenz Mitte Juli präsentiert. Phoenix aus der Asche, nach jahrelangem Drogenmissbrauch, Ehekrieg mit Bobby Brown und musikalischen Flops. Houston fütterte die Regenbogenpresse teilweise selbst, wirkte sie doch an ihrem tiefsten Punkt bei einer Reality-Show namens "Being Bobby Brown" (2004) mit, die intime Einblicke in das selbstzerstörerische Eheleben der beiden Soulstars preisgab.

Noch im letzten Jahr sah es auch so aus, als ob die Sängerin stimmlich nicht mehr an ihre Glanzzeiten anschließen kann: Bei YouTube kursierten Videos, die Houston schwach bei Stimme auf der Bühne in Marokko oder Kasachstan zeigten. Der tiefe Fall eines Weltstars der immerhin über 170 Millionen Platten verkauft, zahllose Preise erhalten und mit Hits wie "One Moment in Time" (1988) und "I Will Always Love You" (1992) zweifellos Musikgeschichte geschrieben hat.

Youtube | Whitney Houstons Präsentation in London

Steht Houston zu ihrer Vergangenheit und bezieht nun Stellung zu den unzähligen Schlagzeilen der letzten Jahre? Schon 2002, bei ihrem letzten TV-Auftritt im US-Fernsehen, stritt sie gegenüber Diane Sawyer ab jemals Crack konsumiert zu haben. Ein bisschen Alkohol, ein paar Tabletten vielleicht – mehr nicht. Sieben Jahre später kehrt eine Frau auf die Weltbühne zurück, die viel durchgemacht hat. Nur was? Nichts lieben die Amerikaner mehr, als einen Star, der durch die Hölle gegangen ist, um danach geläutert wieder zu Kreuze zu kriechen. Sangesschwester Natalie Cole hat es vorgemacht: Drogenhölle, Alkoholexzesse und Eheprobleme, spätere Rehabilation mit großem Erfolg auf dem Plattenmarkt und einer ebenso schonungslosen wie ergreifenden Autobiografie.

Das neue Album "I Look to You" setzt vor allen Dingen auf Houstons gute, alte Zeit und somit auf den Sound der 80er Jahre moderner Anstrich inklusive. Bei der überaus erfrischenden Eröffnung "Million Dollar Bill" fühlt man sich dank einem Sample eines alten Loleatta-Holloway-Stücks sogar kurzzeitig in die 70er versetzt. Alicia Keys hat daran mitgeschrieben und produziert. Akon wurde für den sanften Groove von "Like I Never Left" verpflichtet. Auch große Bombastballaden gibt es immerhin zwei: R.Kelly setzt Houston mit dem Titelsong strahlend in Szene, Diane Warrens "I Didn't Know My Own Strength" bleibt vor allen Dingen aufgrund des Textes und Houstons rauerer Stimme in Erinnerung. "Ich bin abgestürzt, und gefallen, werde aber nicht zerfallen, ich habe den Schmerz überstanden", singt sie da bewegend. Warren, die wohl erfolgreichste Songwriterin der letzten 25 Jahre, steht ihr als Hohepriesterin des "Auslassens" kongenial zur Seite. Ihre Songwriting-Kunst besteht darin, die großen Gefühle so auszudrücken, dass man am Ende nur eine wage Idee davon bekommt, was die Protagonistin wirklich bewegt. Auch das ist eine Kunst.

Die anderen Songs zeichnen sich durch ihre Eingängigkeit und das Können von Top-Produzenten wie David Foster oder Danja aus. Zweifellos steht über allem Houstons Stimme. Rauchiger ist ihr Organ geworden. Gesanglich zeigt sich Houston nicht mehr ganz so clean und artig wie zuvor. Ihr Timbre ist dunkler geworden, die Höhen erklimmt sie nicht mehr ganz mühelos (und wenn, mit ein wenig elektronischer Hilfe). Wermutstropfen: Der Leon-Russell-Klassiker "A Song For You" fängt stark an, die folgende kalt kalkulierte Dance-Attacke des Produzentenduos StarGate (Beyoncé, Rihanna, Leona Lewis) lässt einen schnell schaudern. In Form einer Ballade hätte Houston viel eher ihre Klasse zeigen können.

Denn genau das braucht eine Diva wie Houston noch immer: Die große Geste, das große Wort, den großen Auftritt – anscheinend ohne den Blick hinter die Kulisse. Die Fassade muss um jeden Preis aufrecht gehalten werden, dass zeigt sich auch im Booklet zur CD. Auf dem Cover sieht Houston verkniffen-maskenhaft aus. Auf den folgenden Fotos strahlt die Sängerin, zeigt sogar ihr legendäres Zahnpastalächeln. Die Artdirektoren haben ganze Arbeit geleistet: Die Falten, die Jahre, die Probleme wurden weg retuschiert. Perfektionismus, der letztendlich auch die Musik auf "I Look to You" auszeichnet. Ihre Fans werden es lieben – ob es zu einem dauerhaften Comeback reicht, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht bringt diese dann auch den erhofften Blick in ihre Seele.



#1 whitney-media.deAnonym
  • 29.08.2009, 16:34h
  • Ich finde das Album musikalisch hochaktuell. Der Retroklang ist doch gerade so aktuell. Nur bei einer Mitt-40erin spricht man von alten klängen. Trotzdem netter Artikel.
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