Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?10965

Günter Kießling ist im Alter von 83 Jahren gestorben – der heterosexuelle Ex-General war vor 25 Jahren Opfer einer homophoben Kampagne.

Wie der Deutschlandfunk berichtet, starb Kießling am Freitagmorgen in seinem Heimatort Rendsburg (Schleswig-Holstein). Der Vier-Sterne-General wurde 1983 vom damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner gefeuert, weil er nach Erkenntnissen des Militärischen Abschirmdienstes schwul gewesen sein soll. Der MAD wollte erfahren haben, dass ein "Günter von der Bundeswehr" im Kölner Schwulenetablissement "Tom-Tom" verkehrt habe – was in der gerade ins Amt gekommenen Kohl-Regierung als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Kießling war ohnehin verdächtig, da er nicht verheiratet war.

Als der Fall in die Öffentlichkeit gelangte, geriet die Regierung in Erklärungsnot. In den Medien wurde debattiert, ob Homosexualität wirklich eine Gefahr für die westdeutsche Armee sei. Auch um diese Diskussionen zu beenden, stellte Wörner den General schließlich Anfang 1984 wieder ein und entschuldigte sich bei ihm. Wenige Monate später wurde Kießling dann in allen Ehren mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand versetzt.

Bis heute ist unklar, ob die Affäre bewusst inszeniert wurde. So gab es Berichte, dass der DDR-Geheimdienst die Kampagne befeuert haben soll, um den westdeutschen Staat bloßzustellen. Kießling war Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte und damit höchster deutscher Vertreter im westlichen Verteidigungsbündnis.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) würdigte Kießling und bescheinigte ihm eine "beeindruckende militärische Karriere". "Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst blieb er der Bundeswehr als geschätzter Ratgeber und treuer Begleiter verbunden. Wir werden ihn als herausragenden Soldaten in Erinnerung behalten, der sich bleibende Verdienste um unser Vaterland erworben hat", erklärte Jung. (dk)



#1 Stephan EbersAnonym
  • 28.08.2009, 22:04h
  • An diese peinliche Affäre erinnere ich mich noch zu gut. Es war noch gar nicht so lange her, dass mein Freund und ich im Studentenwohnheim als schwules Paar akzeptiert worden waren. Da brach der Skandal um General Kießling über die BRD hinein. Es ist eine typische Verschwörungstheorie kalter Krieger wieder einmal der DDR, bzw. "Schild und Schwert der Partei" die Affäre anzuhängen. Tatsache war, dass Kießling sich bei der Führung der Bundeswehr unbeliebt gemacht hatte und deshalb auf die Abschussliste kam. Es war immerhin die Zeit der fortschreitenden Hochrüstung und die Wahrscheinlichkeit eines 3. Weltkrieges wurde größer. Daher wollte man den lästigen Nörgler gern geräuschlos in den vorgezogenen Ruhestand schicken. Der ließ sich das aber nicht gefallen und so kam dann das Gerücht auf, er sei homosexuell und sei deshalb sofort zu entlassen.

    Die CDU moralinsauer, wie man sie heute noch auf Kommunalebene erleben darf, tat in Form des Herrn Wörners ein Übriges. Der Rest ist bekannt.

    In Vergessenheit ist aber die zwielichtige Rolle von Alexander Ziegler geraten. Jener Schweizer bekennende Schwule, Autor des Films "Die Konsequenz" und Mitherausgeber von "Du und ich" nutzte den Kießlingskandal um sich im Fernsehen wirksam in Szene zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte man in Köln einen Stricher an Land gezogen, zu dem angeblich der General Kontakt gehabt haben sollte. Scheinheilig erklärte Ziegler vor der Fernsehkamera: er wisse gar nicht, warum das für den Herrn Kießling so ein Problem sei sich nicht als schwul zu bekennen. Es wäre doch letztendlich für ihn viel befreiender.

    Diese Affäre stank zum Himmel und erinnerte im Drehbuch sehr stark an den Versuch der SS die Wehrmacht kalt zu stellen, als man seinerzeit den Oberbefehlshaber des Heeres Freiherr von Fritsch der Homosexualität bezichtigte und als Belastungszeugen einen vorbestraften Stricher präsentierte. Das Ganze brach in beiden Fällen wie ein Kartenhaus zusammen.

    Nach 25 Jahren hat sich die Situation völlig verändert, so scheint es oberflächlich gesehen, aber die Vorbehalte finden sich immer noch und es besteht kein Anlass sich bequem im Sessel zurück zu lehnen.

    Was das Ministerium für Staatssicherheit anbetrifft, homosexuelle Neigungen wurden in Kompromaten festgehalten, wo ebenfalls Alkoholexzesse und Puffbesuche notiert wurden. Das war vielleicht bei kleineren Fischen ganz nützlich um sie etwas kooperativer zu stimmen. Bei wichtigen Personen sind andere Vorgehensweisen wirksamer. Solche Ränkespiele findet man eher in Spionagefilmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 TimmAnonym
  • 28.08.2009, 23:16h
  • Damals war ich erst 11 Jahre und habe diesen Skandal in der BRD nicht mitbekommen. Erst später kurz nach der Wende bin ich auf diese Story gestoßen. Eigentlich beginnt meine homopolitische Beobachtungsgabe erst mit der Schutzalterdebatte Anfang der 1990er sowie insbesondere dann erst mit Volker Beck und den Debatten/politischen Kämpfen um die Einführung der Lebenspartnerschaft ab Mitte/Ende der 1990er.

    Das solche Zustände damals in der BRD vor der Wende in der Bundeswehr möglich waren, ist heute kaum noch zu glauben. Mittlerweile gibt es Richtlinien für die deutsche Bundeswehr aus Zeiten von Rot/Grün, worin klar geregelt und erlaubt ist, dass homosexuelle Soldaten offen im Militär dienen dürfen und keinen Rauswurf fürchten müssen. Darum wird bekanntlich in den USA immer noch gekämpft.

    Gut das wir heute viel weiter in homopolitischen Debatten in Deutschland sind,und es "nur noch" um die Gleichstellung in der Einkommenssteuer und im Beamtenrecht, das Adoptionsrecht sowie letztlich die Eheöffnung geht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 alexander
  • 29.08.2009, 09:06h
  • # 2. timm
    in welcher BRD lebst du denn ???

    die zustände haben sich keinen deut verändert, was glaubst du wohl, warum einige gut positionierte herrschaften (speziell in den kirchen), kinderpornographie mit schwul in verbindung bringen ?
    ein solcher verdacht reicht auch heute völlig aus !
  • Antworten » | Direktlink »
#4 holger
  • 29.08.2009, 09:12h
  • nach meiner erinnerung hatte die affäre aber auch den positiven nebeneffekt, dass die öffentlichkeit zum ersten mal darüber empörte, dass jemand wegen seiner wirklichen oder angeblichen homosexualität aus dem dienst entfernt wurde.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Fiete_Jansen
#6 gatopardo
  • 30.08.2009, 16:07h
  • Antwort auf #4 von holger
  • Bleibt jedoch der Nachgeschmack, dass am Stammtisch wohl noch immer aufgeatmet wird, dass Kiessling am Ende gottseidank nicht zur Riege dieser schmuddeligen Schwulen gehörte, die es bekanntlich mit Jungs und Strichern treiben, wie man doch weiss. Pasolini, Mooshammer und ähnliche "Fälle" haben stets für blühende Spiesser-Fantasien gesorgt.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 FritzeFritzAnonym
  • 30.08.2009, 16:17h
  • Ich erinnere mich noch an eine geniale Schlagzeile aus der FR:
    "Wörner hält Kießling die Stange"
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Fiete_Jansen
#9 herve64Profil
  • 12.09.2009, 10:27hMünchen
  • Antwort auf #7 von FritzeFritz
  • Und ich erinnere mich noch an jene "Scheibenwischer"-Ausgabe, in der Dieter Hildebrandt den Verdacht äußerte, dass die ganze Kießling-Affäre als Vorbereitung dienen sollte, um Homosexualität in der BRD wieder unter Strafe zu stellen. Eine Annahme, die durchaus plausibel erschien.

    Also sollte man weiterhin als Schwuler äußerst hellhörig sein bei derartigen Kampagnen.
  • Antworten » | Direktlink »