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Seit genau 40 Jahren ist Homosexualität in der Bundesrepublik keine Straftat mehr – LSVD und Grüne fordern, dass die Opfer des Paragrafen 175, der am 1. September 1969 entschärft wurde, endlich eine Entschädigung erhalten.

Nach wie vor gelten Männer, die in Deutschland aufgrund des Schwulenparagrafen verurteilt wurden, als Straftäter: "Es ist ein monströser Schandfleck unserer Demokratie, dass das Homosexuellen-Strafrecht der Nazis in der Bundesrepublik bis 1969 unverändert in Kraft blieb", erklärte LSVD-Sprecher Günter Dworek. Dieses dunkle Kapitel müsse "endlich aufgearbeitet werden". Außerdem zeige die Verfolgung, dass das gegenwärtige Grundgesetz keinen ausreichenden Schutz vor Diskriminierung biete: "Deshalb muss im Gleichheitsartikel unserer Verfassung endlich ergänzt werden, dass niemand wegen der sexuellen Identität diskriminiert werden darf. Das wäre auch ein Akt der Wiedergutmachung", so Dworek.

Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sieht Deutschland wegen des Paragrafen 175 in der Pflicht, sich für die Aufhebung von Homo-Verboten in der Welt einzusetzen: "In über 80 Staaten ist Homosexualität heute noch strafbar. Gerade angesichts seiner Geschichte hat Deutschland eine besondere Verantwortung, für die Menschenrechte von Schwulen und Lesben einzutreten", so Beck. Daher müsse sich die Bundesregierung "viel stärker" für die Entkriminalisierung von Homosexualität einsetzen. "Leisetreterei darf es nicht geben", fordert Beck.

Paragraf 175: Gültig von 1871 bis 1994

Das berüchtigte Schwulengesetz gibt es seit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871. Ein Rückschritt, denn zuvor waren in mehreren Teilen Deutschlands – etwa in Bayern – die Homo-Verbote dank des französischen Einflusses weggefallen. Im Kaiserreich wurden knapp 10.000 Menschen aufgrund dieses Paragrafen zu Gefängnisstrafen verurteilt. Obwohl er in der Weimarer Republik weiter Bestand hatte und es auch zu mehreren tausend Verurteilungen kam, blühte das schwule Leben gerade in Berlin auf. Mehrere Versuche liberaler und linker Parteien, den Paragrafen abzuschaffen, scheiterten jedoch im Parlament.

Mit der Machtübernahme der Nazis wurde Homosexualität lebensgefährlich: 1935 verschärfte die NSDAP den Paragrafen. Nun drohten zehn Jahre Zuchthaus. 1939 urteilte das Reichsgericht zudem, dass "Unzucht" auch vorliege, wenn "keine körperliche Berührung des anderen stattgefunden hat." Schätzungsweise 100.000 Männer verurteilte das Regime aufgrund des Paragrafen 175. Viele Schwule wurden zudem, teils ohne Verurteilung kastriert und zirka 15.000 in Konzentrationslager geschickt. Genaue Zahlen liegen allerdings nicht vor.

Nach dem Krieg galt in der Bundesrepublik bis 1969 die verschärfte Nazi-Fassung des Paragrafen. Es kam zu insgesamt 50.000 rechtskräftigen Verurteilungen allein in Westdeutschland. Die Große Koalition hob schließlich das Total-Verbot auf, es galten allerdings immer noch unterschiedliche Altersgrenzen für (männliche) Homosexuelle und Heterosexuelle. Für Schwule lagen diese bei 21 Jahren bzw. 18 Jahren (ab 1973); für Heteros waren es 16 Jahre.

In der DDR galt das Homo-Verbot bis 1968 in der Vornazi-Fassung. Auch dort waren die Schutzaltersgrenzen nach Paragraf 151 StGB-DDR bis 1989 unterschiedlich. Schließlich hob die Volkskammer kurz vor dem Mauerfall das Gesetz komplett auf. Im Rahmen der Rechtsanpassung der beiden deutschen Staaten verlor am 10. März 1994 der Paragraf 175 auch im Westen seine Gültigkeit. In diesem Jahr kam es aber noch zu 44 Verurteilungen. (dk)



#1 hwAnonym
  • 01.09.2009, 15:30h
  • Gut, Die Grünen und DIE LINKE

    Sahra Wagenknecht, Bundestagskandidatin der LINKEN auf der NRW-Liste und im Wahlkreis Düsseldorf-Süd hat in einem vielbeachteten Grußwort auf dem Düsseldorfer Christopher-Street-Day (CSD) am 23. Mai die Entschädigung der Opfer des §175 aus der Adenauer-Ära gefordert. Bis 1969 galt der §175 in der Bundesrepublik in seiner von den Nazis 1935 verschärften Form.

    Sahra Wagenknecht wies auch auf die Folgen der Wirtschaftskrise für schwule und lesbische Projekte hin: "Durch die Wirtschaftskrise zeichnen sich enorme Steuerausfälle ab. Jetzt drohen Kürzungen in den Sozialhaushalten. Mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte der Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung sind angesichts der fatalen finanziellen Situation der Kommunen und der Länder in ihrer Existenz gefährdet. Dagegen müssen wir gemeinsam angehen. Es kann nicht sein, dass Frauen- und Schwulenberatungsstellen geschlossen werden müssen und den Banken Milliarden hinterher geworfen werden."

    Quelle

    data5.blog.de/media/967/3345967_efe03dfa93_a.jpeg

    manuel-lindlar.blog.de/2009/05/28/opfer-175-entschaedigen-ho
    mosexualitaet-asylgrund-anerkennen-6192477/
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#2 goddamnedliberalAnonym
#3 hwAnonym
  • 01.09.2009, 19:22h
  • Antwort auf #2 von goddamnedliberal
  • ja, auch die verfolgung politisch mißliebiger.
    ich war in jüngeren jahren als ai-mitglied an einem fall beteiligt, einen russischen nationalisten aus der
    psychiatrie zu bekommen. man setzte sich mit diesem politischen irrwisch so auseinander.
    was nicht geht.

    halt dich fest, wir nutzten blüm, was ja noch geht,
    einen sehr bekannten bildhauer und gerhard löwenthal(anti-kommi-dogge/zdf), das pendant zu schnitzler (beissadel/ost).

    ist doch schön, wie sich die zeiten ändern ?
    ..und noch werden...

    ach so, der russische heini gründete dann eine homophobe und anti-semitische partei.
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#4 goddamnedliberalAnonym
#5 hwAnonym
  • 01.09.2009, 19:36h
  • Antwort auf #4 von goddamnedliberal
  • damals gab es nur solche formate. dass mich mich objektiv zum idioten eines us-spins gemacht habe,
    hätte mich gejuckt, wenn da nicht noch, sehr erfolgreich, der chilenische und brasilianische fall
    in der gruppe gewesen wäre. so stand es in meinen inneren 2:1, was die sache erträglich machte. mit dem brasilianischen anwalt des einen gefangenen konnte ich sogar persönlich kontakt aufnehmen. er machte später karriere bei der UN und als dichter.
    (ach und hier die gigantischsten telefonrechnungen meines lebens, er kannte die tarife nicht)
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#6 free_worldEhemaliges Profil
#7 RabaukeAnonym
  • 03.09.2009, 15:55h
  • Aber wehe.....es würde aus "Tatinkistan" heute jemand angerannt kommen. Hier sich hinstellt und "scheiß Nazideutschelande....ihr haben mein Schäferhund und Mutta vertrieben" rufen würde. Ohhhhhhhh da würde Frau Merkel an unsere "geschichtliche Verantwortung" appellieren und diesem "Jemand" sofort ein Haus und Kohle in Bar und das ohne Ende hinten reinstecken.

    "Schwule"???? Ach ja.........."Die 2ter Klasse"

    Dieser Staat tritt das Grundgesetz und die Rechte der Menschen in diesem Land doch täglich. "Homos müssen doch "nicht" entschädigt werden------nich Frau Merkel? Dann lieber die ganze Kohle mit Herr Ackermann im Kanzleramt auf den Kopf kloppen?

    "Juuuuhu....das alles ist Deutschland.........das gibt´s nur hier."
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#8 saltgay
  • 03.09.2009, 21:04h
  • Mich würde einmal interessieren, was ein 13jähriger gefühlt hat, wenn er merkte, dass er schwul ist und dabei automatisch mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Wenn ihm ringsum erzählt wird, dass Schwule Verbrecher seien und es auf kleine Jungs abgesehen haben.

    Ich habe damals in der Stadtbücherei die Kommentare zum StGB durchgelesen um zu schauen, ab wann ich eine Straftat mit meinen Freunden begehen würde.

    Es war schon ein Weg bis ich zu der Erkenntnis gelangte: "legal - illegal -scheißegal!" Denn mir hat man dadurch ein Stück Lebensqualität weggenommen.

    Ich kann mir nicht denken, dass ich damals so allein war mit meinen Zweifeln, aber das Altersgen lässt ja schnell die Vergangenheit in schwuppensüßen Rosatönen aufleuchten. Denn selten berichtet Einer von seinen negativen Erfahrungen aus dieser Zeit. Vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass dieser Paragraf 175 StGB nur noch eine Notiz in der Geschichte der BRD ist.

    Aber er gehörte zusammen mit vielen anderen Gesetzeshürden zu einem Bündel von Diskriminierungen, an denen dieser Staat so reich war. Oder haben sich heute nur die gesellschaftlichen Kriegsschauplätze verlagert?
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#9 alexander
  • 04.09.2009, 18:23h
  • #. 8. saltgay
    ich kann dir nur beipflichten.
    mit 15 (1966) holte mich ein polizist splitternackt aus dem kleiderschrank eines studentenwohnheims,
    morgens 9:30h !
    da dieser student 23 war, hatte er sich strafbar gemacht. glücklicherweise haben wir beide das getrennte verhör auf der wache, dass ohne pause bis 18:30h dauerte gut überstanden, weil wir beide leugneten sex gehabt zu haben und man uns sexuelle handlungen nicht nachweisen konnte.
    das war filmreif und heute kann man darüber lachen.
    aber die allgemeinen repressalien waren weitaus unangenehmer und würden hier seiten füllen.

    unsere regierenden scheint das alles nicht zu stören, es wird flott weiter geheuchelt und hallellujah frohlockt !
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