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Die erste glücklich verlaufende Lesben-Lovestory des deutschen Fernsehens geriet fast in Vergessenheit. Jetzt ist sie erstmals auf DVD zu erleben.

Von Carsten Weidemann

Auch wenn die Ausstrahlung der kritischen Doku "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim am 15. Januar 1973 für ordentlichen Wirbel sorgte, und deswegen vielen noch besonders im Gedächtnis haftet; Auch die Lesben bekamen ihren Platz im deutschen Fernsehen.

So lief ebenfalls 1973 im ZDF "Zärtlichkeit und Rebellion – Zur Situation der homosexuellen Frau", eine Doku von Eva Müthel, in der eine Handvoll von Lesben über ihr Leben berichtete. Und 1974 lief im WDR "...Und wir nehmen uns unser Recht! Lesbierinnen in Deutschland", die etwas radikalere Doku, initiiert von Frauen der "Homosexuelle Aktion Westberlin" (HAW). Es folgte ein Jahr später der erste Fernsehfilm, die fiktive Liebesgeschichte von Anna und Edith. Erstmals wurde eine lesbische Beziehung in einem positiven Licht gezeichnet, zugleich wird im Film auch heftig politisch agitiert. Die lesbische Liebe muss sich kapitalistischen Ausbeutermethoden entgegenstemmen. Der Tonfall der Siebziger eben.

Youtube | Trailer zur DVD-Veröffentlichung

Die Story: Anna und Edith sind Kolleginnen in einer Versicherungsanstalt. Der Chef brüstet sich mit den Arbeitserfolgen der Frauen, Annas Mann hätte es lieber, wenn Sie zuhause bliebe. Anna und Edith kommen sich näher und werden ein Paar. Aber es bleibt nicht nur bei romantischen Ausflügen ins Grüne – Anna und Edith wollen zusammen mit ihren Kolleginnen für bessere Arbeitsbedingungen sorgen!

Obwohl Gerrit Neuhaus am Ende die Regie übernahm, ist die kämpferische, witzige und hinreißend gespielte Romanze im Wesentlichen das Werk von vier Frauen: den Autorinnen Cillie Rentmeister und Cristina Perincioli (selbst eine anerkannte Regisseurin), der ZDF-Redakteurin Alexandra von Grote und der Produzentin Regina Ziegler, die damals noch am Beginn ihrer erfolgreichen Laufbahn stand. Gemeinsam brachten sie mit diesem Klassiker des lesbischen Films Bewegung ins männlich dominierte Fernsehen.

Regie: Gerit Neuhaus, Buch: Christiane Perinscioli, Cäcilia Rentmeister, Kamera: Nurit Aviv, Produktion: Regina Ziegler / Produktionsjahr: 1974, Land: Deutschland / Länge: 77 Minuten, Sprachfassung: dt. OF, Untertitel: keine, Bildformat: 4:3 / Extras: Kinotrailer, Kurzfilm "Hartes Brot"



#1 xyAnonym
  • 01.09.2009, 16:55h
  • In der Beschreibung klingt das aber nicht nur nach "Tonfall der Siebziger", sondern eigentlich auch hochaktuell.

    Mit dem Unterschied, daß damals Ausbeutung noch Ausbeutung genannt wurde und nicht "prekäre Beschäftigungsverhältnisse" oder "Zugeständnisse der Arbeitnehmer". Und Filme, die zeigen, daß Lesben doch meist eher nicht zirka zweiundzwanzigjährige Mäuschen sind, welche desnachts auf irgendwelchen Fernsehkanälen aneinander rumfummeln, weil dummerweise gerade kein Kerl verfügbar ist, fehlen auch. Wer schreibt einen Film, wo bspw. eine in "Hartz IV" steckende, alleinerziehende Mutter anbandelt mit der ebenso gedemütigten und ausgebeuteten Kassiererin in jenem Kleidungsdiscount, bei dem sie immer einkauft (einkaufen muß)?
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