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  • 07. September 2009
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Olaf wohnt in Dortmund, er ist Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit. Seine Erwartungen an Beziehung, Liebe, Sex und Szene formuliert er offen und frei. Wir veröffentlichen hier Auszüge des O-Ton-Protokolls. Die gesamte Story findet ihr auf der Website des Präventionsprojekts: "ich weiß, was ich tu". Dort könnt ihr auch mit Olaf direkt Kontakt aufnehmen und mit ihm diskutieren.

Mein schwules Outing hatte ich allerdings erst mit etwa 30 Jahren. Also nach heutigen Maßstäben recht spät. Klar, in einem gewissen Freundes- und Kollegenkreis war ich bereits geoutet – aber eben nicht der Familie gegenüber und auch nicht bei den Kollegen oder beim Arbeitgeber. Vor diesem Outing gab es natürlich auch schon so etwas wie ein nichtöffentliches schwules Leben. Zum Beispiel war ich im Internet aktiv, habe dort Leute kennengelernt und bin mit denen auch mal nach Köln gefahren. Das ist schon eine tolle Stadt. Gerade wenn man eigentlich noch selbst Vorbehalte hat und dann dort aber an jeder Ecke einen Schwulen sieht. Als ich mich dann schließlich geoutet habe, lag das im Grunde daran, dass ich keinen Bock hatte zu lügen. Ich war unglücklich verknallt, und das hat mich richtig weggerissen. Dann womöglich sagen zu müssen, das sei wegen einer Frau, das wollte ich nicht. Es war dann auch alles gut so – weder für meine Eltern noch für meine Kollegen war es irgendwie ein Problem.

Allein durch mein Engagement in der Aidshilfe-Arbeit bin ich viel in der Szene unterwegs. Wir gehen rein in die Läden und versuchen mit kleinen und netten Aktionen, auf uns und die Präventionsarbeit aufmerksam zu machen. Das kann auch einfach bedeuten, dass man mal mit den Leuten zusammen was trinkt und einfach quatscht. Manchmal ist dann mein Bedarf an Szene auch schon gedeckt. Ich muss nicht immer unbedingt schwul weggehen. Zum Beispiel mag ich auch alternative Studentenkneipen. Ich würde mich selber auch nicht als besonders umtriebig bezeichnen. Aber klar mache ich die eine oder andere Bekanntschaft übers Internet oder auch einfach mal, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Und es gibt da auch mal Leute, die man bereits kennt und mit denen man sich ab und zu trifft. Bei mir lief das bisher eigentlich immer safer ab. Es gibt da so einen Spruch: Wenn der Schwanz steht, ist der Verstand im Eimer. Das trifft auf mich einfach mal gar nicht zu – mir ist kein Kerl meine Gesundheit wert. Ich habe da einfach eine ganz gute Disziplin und kann mir auch nichts schönsaufen. Wenn mich etwas nüchtern nicht anmacht, dann kann ich das eben auch nicht unter Bedröhnung.

Natürlich habe auch ich mir schon mal was eingefangen. Das war so eine der ersten Geschichten, man könnte es Fickverhältnis nennen. Da ging es auch ohne Gummi ab, vielleicht war ich da einfach auch ein bisschen fatalistisch drauf. Jedenfalls habe ich mir eine Feigwarze geholt, und das hat echt gesessen. Lag wohl auch an der Behandlung mit Weglasern und so, das war wirklich sehr unangenehm. Ich habe auch gedacht, da könnte mehr passiert sein. Das wurde getestet, und es war nicht so. Seitdem habe ich mir aber gesagt: Lieber gar nicht, als in irgendwelchen unsicheren Zusammenhängen. So was will ich nicht noch einmal durchmachen. Safer Sex mache ich beim One-Night-Stand daher immer vorher schon klar. Bei mir läuft es eben nur so: Ficken nur mit Gummi, und beim Blasen gibt es kein Schlucken. Dann gibt es auch keine bösen Überraschungen. Wenn jemand nur unsafer Sex hat, dann würde ich wohl auch sagen "Nee, lass mal". Den Gedanken daran, da könnte was passieren, diese Angst im Nacken, das finde ich einfach relativ ungeil.