Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?11008

In Istanbul beginnt am Dienstag der Prozess gegen den noch flüchtigen Vater des im vergangenen Jahres getöteten Studenten Ahmet Yildiz – er soll seinen Sohn wegen dessen Homosexualität umgebracht haben.

Das Verfahren gilt als erster Ehrenmord-Prozess an einem Schwulen in der Türkei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der aus Südanatolien stammende 49-jährige Gemüse-Exporteur Yahya Yildiz seinen 26-jährigen Sohn, den Physikstudenten und Homo-Aktivisten Ahmet Yildiz, im Juli 2008 in Istanbul auf offener Straße erschossen hat. Ahmet konnte sich nach den Schüssen noch in sein Auto schleppen, verlor dann aber das Bewusstsein. Er starb später im Krankenhaus (queer.de berichtete).

Nach Drohungen der Familie flüchtete Ahmets Lebenspartner, der Deutsch-Türke Ibo Can, unter Polizeischutz in die Bundesrepublik. Er beschuldigte die Istanbuler Behörden, Anzeigen gegen die Familie des Verstorbenen nicht ernst genommen zu haben

Can glaubt auch nicht, dass der Vater den Mord alleine begangen hat: "Ein Mann mit einer Beinprothese soll das Tatfahrzeug gefahren und daraus geschossen haben?", erklärte er. Daher müsse auch gegen den Großvater seines Lebenspartners ermittelt werden, ohne den in dessen Clan keine Entscheidung getroffen werde. Außerdem sei dessen Mutter eine "sehr religiöse und hasserfüllte Frau", die ihren Sohn nach dessen Coming-out bedroht habe.

Der Prozess findet ohne den Angeklagten statt. Die Behörden gehen davon aus, dass er in den Nordirak geflohen ist.

Die Regierung der Türkei bemüht sich seit Jahrzehnten, die Praxis der Ehrenmorde zu unterbinden, der vor allem Frauen zum Opfer fallen. Obwohl sich die Situation auch für Schwule im Zuge der EU-Verhandlungen verbessert hat, geht ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch davon aus, dass das 60 Millionen Einwohner zählende Land noch nicht EU-reif ist (queer.de berichtete). (dk)



10 Kommentare

#1 RabaukeAnonym
  • 08.09.2009, 14:21h
  • Ich hoffe, der Mörder, die Täter werden gefasst und verschimmeln für ihre barbarische Tat im Knast! Dem hinterbleibenen Partner wünsche ich eines: Das Grab seines Partners doch noch zu finden. Es ist sehr wichtig, einen Ort der Trauer zu haben. Zu Wissen, der Mensch den man liebte, hat hier seinen Frieden gefunden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 axekAnonym
#3 MalteAnonym
  • 08.09.2009, 18:24h
  • "geht ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch davon aus, dass das 60 Millionen Einwohner zählende Land noch nicht EU-reif ist"

    Auch Amnesty International sagt, dass die Türkei nicht in die EU sollte.

    In Deutschland wird man ja gerne in die rechte Ecke gestellt, wenn man Argumente gegen den EU-Beitritt der Türkei vorbringt (das ist in keinem anderen Staat so), aber diese zwei Menschenrechtsorganisationen sind ja wohl über jeden Zweifel an rechter Gesinnung erhaben...

    Mal ganz abgesehen davon, dass die Türkei bei Grundrechten, Rechtsstaatlichkeit, Wirtschaft, etc. noch enormen Nachholbedarf hat, sollte man auch mal grundsätzlich fragen, wo die Grenzen der EU liegen sollten:

    die Türkei liegt zu weniger als 3% auf europäischem Boden und zu mehr als 97% aus asiatischem. Soll die EU ein reines Wirtschaftsbündnis sein, kann man evtl. auch außereuropäische Staaten integrieren, aber wenn man auch eine politische Union will, sollte man sich auf Europa beschränken. Das wäre nicht nur für die EU und ihre Mitgliedsstaaten besser, sondern auch für die Türkei selbst.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 axekAnonym
#5 TommAnonym
  • 09.09.2009, 09:47h
  • Ich werde die Bilder nicht vergessen, als Ibo Can im November 2008 beim BEARPRIDE 2008 in Köln auf er Bühne stand, über den "MORD" berichtete und weinte !! Ein sehr bewegender Moment in meinem bisherigen Leben !!

    Aus einem Land, wo schwule Aktivisten (Lambda-Istambul) noch verfolgt und deren Organisationen zenziert und sogar verboten werden, wo Väter ihre schwulen Söhne erMORDen, erwarte ich KEIN gerechtes Urteil von der türkischen Justitz !!

    Wäre Ibo Can nicht so massiv unter Einsatz seines eigenen Lebens an die Öffentlichkeit gegangen, dann würde dieser MORD wie so viele zuvor, einfach unter den "Fliegenden Teppich" gekehrt werden :-(

    Traurig - aber wahr ...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 hwAnonym
  • 09.09.2009, 10:59h
  • Mir hat gestern Nacht der Beitrag der VOX-Nachrichten zum Prozeßauftakt in Istanbul gefallen.

    Sowohl die öffentlich Protest-Manifestation
    der Community zum Prozeßauftakt, als auch
    die klugen und gefaßten Statements Ibu Cans
    unter anderem am Grab seines Freundes.
    Hochachtung und Respekt vor der Umsetzung seiner Gefühle, in die Zähigkeit bei der Durchsetzung von Recht, Anerkennung und
    würdiger Präsenz.

    Ich werde auch nicht das smaragdfarbene
    Kopftuch der älteren Muslima mit den blond gefärbten Haaren vergessen, aus deren geschminktem Mund Worte der Toleranz und des Mutes kamen.

    Sie ist die einzige Zeugin des Mordes und ließ sich nicht durch die Bedrohung ihrer Lebensgrundlage einschüchtern.

    Mehrfach wurde die Scheibe ihres kleinen Geschäftes warnend mit Steinen eingeworfen,
    was im Bericht auch zu sehen war.

    Die Frau schien mir mutig im Leben stehend.
    Vielleicht taucht eine Sendungssequenz bei youtube, o.ä., auf.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 remixbebAnonym
#8 hwAnonym
  • 09.09.2009, 12:11h
  • Antwort auf #7 von remixbeb
  • Danke für den Hinweis. Es gibt ja Tage, da kommen verschiedene Erlebnisse zu einem Theam zufällig zusammen.

    Ich hatte gestern Nachmittag aus geschäftlichem Anlaß bei einem befreundeten Anwalt, der gerade Besuch eines gemeinsamen Bekannten hatte einen zunächst gereizten, dann aber durchaus fruchtbaren Anfall.

    Der Bekannte, Türke, deutscher Pass, sehr erfolgreicher Lebensmittel-Großhandel, legte
    die die Platte Kemalismus auf und sang seine
    Atatürk-Arien.

    Ich mußte ihn dann faktennah ein bißchen zusammenstauchen und ihn mit den sinnvollen
    Ansätzen der jetzigen Regierung konfrontieren.
    Ziel: Demokratisierung, volle Entspannung mit Kurden und Armeniern.

    Sabotiert von den kemalistischen Masken des
    "tiefen Staates", Gemengsel aus Millionen, Militärs, Mafia und Drogen.

    de.wikipedia.org/wiki/Tiefer_Staat

    Dann hat er mich verblüfft. Er stimmte mir stöhnend zu, in seinen Worten: Die falsche Partei macht die genau richtige Politik.
    Es sei ein Trauerspiel.

    Ich fragte dann noch mitfühlend, für wen.
    Man darf sich das für dort so vorstellen:
    Es gibt Sozialdemokraten, die noch was taugen
    und solche die nur noch Scheisse sind.
    Letztere sind dort "kemalistisch" am Drücker.

    Was habe ich oder ein Schwuler in der Türkei von hütteltüttelfeinen Mythen.

    Da ist mir diese Kopftuchfrau für den Alltag und die Straße millionenfach, tausendfach lieber.
    Vorbild.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Julian B.Anonym
  • 09.09.2009, 19:23h
  • Antwort auf #4 von axek
  • "wenn du danach gehst; wieso ist dann lettland, polen, litauaen, rumänien, bulgarien, etc in der EU aufgenommen worden?"

    Das war auch ein Fehler, aber das heißt ja nicht, dass man deshalb denselben Fehler wiederholen muss.

    Ganz im Gegenteil: man sollte eher aus Fehlern lernen und sie nicht wiederholen!!

    Aber es ist, wie Malte schrieb:
    in Deutschland kann man wohl über solche Themen nicht so sachlich-nüchtern diskutieren wie in anderen Staaten; da wird man gleich in die rechte Ecke gestellt, selbst wenn man gar nichts mit rechtem Gesocks zu tun hat und selbst wenn Menschenrechstorganisationen wie Amnesty ähnlicher Meinung sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 XDAAnonym